Innenentwicklung in Renningen Die Stadt soll ihr Potenzial entfalten

Von Kathrin Klette 

Beim Thema Innenentwicklung möchte die Verwaltung die Bürger ins Boot holen und bietet Beratungen an.

In der Bahnhofstraße schlummert noch viel Potenzial, glaubt die Stadt Renningen. Die innerstädtische Entwicklung soll dort ansetzen. Foto: factum/Granville
In der Bahnhofstraße schlummert noch viel Potenzial, glaubt die Stadt Renningen. Die innerstädtische Entwicklung soll dort ansetzen. Foto: factum/Granville

Renningen - Was mache ich mit meinem großen Haus?“ „Wie kann ich mein Grundstück besser nutzen?“ „Was fangen wir mit dem Haus unserer Eltern an?“ In jeder Gemeinde gibt es Gebäude und Plätze, oft zentral gelegen, die brachliegen oder nur unzureichend genutzt werden, weil die Eigentümer einfach nicht so recht wissen, welche Richtung sie damit einschlagen sollen. Diese Menschen möchte die Stadt Renningen als Teil eines großen Projekts zur Innenentwicklung erreichen und sie über ihre Möglichkeiten informieren. Dafür hat sie das In­stitut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) ins Boot geholt und gemeinsam bei einem ersten Infoabend einen Überblick gegeben.

Innenentwicklung ist etwas, das so gut wie jede Stadt verfolgt. Ziel ist es, in den Ortskernen neuen Wohnraum zu schaffen, indem zum Beispiel freie Grundstücke bebaut und Leerstände sinnvoll genutzt oder umgestaltet werden. Das Warum ist klar: In Renningen besteht immenser Bedarf an Wohnungen, der im Moment gar nicht gedeckt werden kann. Auch im Ortskern neuen Wohnraum zu schaffen bedeutet, dass im Außenbereich mehr Fläche erhalten bleibt. Neubaugebiete sind zudem für Senioren oft ungeeignet, da die Entfernungen zu öffentlichen Gebäuden und Einkaufsmöglichkeiten zu groß sind.

Innenentwicklung nicht gleich Nachverdichtung

Ein Aspekt ist Alfred Ruther-Mehlis vom IfSR aber besonders wichtig: „Innenentwicklung bedeutet nicht automatisch Nachverdichtung.“ Vor allem gehe es auch um Entwicklung von Lebensqualität, zum Beispiel durch Sanierungen, das Schaffen von seniorengerechten Wohnungen und indem gezielt Freiräume erhalten und ausgebaut werden.

Gleichwohl ist das Anpacken von Leerständen und Baulücken ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Und dabei sind die Eigentümer gefragt. „Aber es geht nicht um Bauzwang“, betont der Bürgermeister Wolfgang Faißt. Beim Wort Nachverdichtung läuten nämlich bei vielen sofort die Alarmglocken, das Bild von zugebauten Gärten und Hinterhöfen erscheint in den Köpfen. Hier solle aber nichts über die Köpfe der Bürger hinweg geschehen. „Es geht darum, die Menschen mit Argumenten zu erreichen“, so Faißt. Sie sollten ihre Möglichkeiten kennenlernen. Als Beispiel nennt er ältere Menschen, die alleine in einem großen Haus mit großem Grundstück lebten, um das sie sich eigentlich gar nicht mehr kümmern können und wollen.

Grundstücke als Kapitalanlage

Potenziale schlummern in vielen Wohngebieten – nicht nur in Renningen. Dass diese nicht immer genutzt werden, dafür gibt es unterschiedliche Gründe, erklärt Alfred Ruther-Mehlis: „Grundstücke gelten als sichere Kapitalanlage.“ Deshalb wollten sich nur wenige davon trennen. „Andere möchten ihr Grundstück für ihre Nachkommen vorhalten, auch wenn diese längst eine eigene Familie haben.“ Zum Teil hätten die Betreffenden sich auch einfach noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt, andere Grundstücke wiederum ließen sich alleine nicht sinnvoll entwickeln.

An diesen Punkten möchten Stadt und IfSR mit ihrem Beratungskonzept ansetzen. Als positives Beispiel nennt Ruther-Mehlis einen Eigentümer, der sein Grundstück an einen Investor abgibt, um das Geld anschließend in den Kauf von zwei Wohnungen in dem entstandenen Neubau zu reinvestieren. Oder die Eigentümer von aneinander angrenzenden Grundstücken, die an einen Tisch gebracht werden, um die Fläche gemeinsam zu entwickeln.

Große Sprünge, das nimmt Ruther-Mehlis vorweg, dürften sicher nicht zu erwarten sein. „Innenentwicklung ist meistens nicht spektakulär.“ Der Nutzen für die Beteiligten sei dafür umso größer.