Der Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) machte deutlich: „Jeder Messerangriff auf einen Menschen ist einer zu viel.“ Foto: Stefanie Schlecht
2024 gab es 162 Messerangriffe auf Polizisten im Land – wie werden sie geschützt? Ein Weg sind neue schnitthemmende Uniformen, wie Thomas Strobl am Mittwoch ankündigt.
„24 Menschen sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg durch einen Messerangriff getötet worden – zwei Opfer pro Monat“, sagte Thomas Strobl (CDU) am Mittwoch bei einem Pressetermin in der Polizeihochschule in Herrenberg. Der Innenminister war bei der Ausbildungsstätte der Polizei zu Gast und hat sich eine praktische Vorführung eines Messerangriffes durch Beamte zeigen lassen.
Hintergrund war die Sensibilisierung für die Gefahren und möglichen Folgen von Messerangriffen im öffentlichen Raum.
Denn die Zahl dieser Angriffe ist auch im vergangenen Jahr erneut gestiegen: Laut der polizeilichen Kriminalstatistik wurden rund 1300 Fälle registriert – ein Anstieg um 3,2 Prozent. Auch Polizeibeamte werden immer wieder Opfer von Messerangriffen, betonte Strobl. „162 Mal wurde im vergangenen Jahr ein Polizist mit einem Messer angegriffen“, sagte der CDU-Politiker. Ein besonders tragischer Fall, der deutschlandweit Bestürzung auslöste, war der tödliche Messerangriff auf den Polizisten Rouven Laur in Mannheim im Mai des vergangenen Jahres. Strobl sprach am Mittwoch davon, wie „brutal und bestialisch“ der Angriff war.
Nach Rouven Laurs Tod: Polizei zieht Konsequenzen
In diesem Zusammenhang ging der Innenminister auch auf die Kritik ein, die er seinerzeit für seine Aussage erhalten hatte: „Wer einen Polizisten angreift, hat sich entschieden, nicht mehr zu leben.“ Er bekräftigte, weiterhin zu dieser Aussage zu stehen. Natürlich müsse der Schusswaffengebrauch stets verhältnismäßig sein – in dieser konkreten Situation sei die Schusswaffe jedoch das angemessene Mittel gewesen. „Wie ich dann bei der Berichterstattung über Rouven Laur lesen musste, wurde sogar von gewerkschaftlicher Seite teilweise der Eindruck erweckt, der Taser hätte ihn in diesem Fall retten können.“
Dem widerspricht er entschieden. „Gerade in dynamischen Lagen, wie sie bei Messerangriffen häufig vorkommen, ist der Taser für die Einsatzkräfte eher eine zusätzliche Belastung als eine Hilfe“, sagte er. Die öffentliche Diskussion darüber habe er zudem „als sehr pietätlos empfunden“.
Der Tod von Rouven Laur blieb auch bei der Rede des stellvertretenden Leiters der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg, Raoul Hackenjos, nicht unerwähnt. „Das erschüttert bis heute“, sagte er über Laurs Tod. Er betonte, dass das Einsatzgeschehen der jüngsten Vergangenheit zeige, dass die Häufigkeit und Brutalität von Messergewalt zunehme. Unter Hochdruck würde man daran arbeiten, den Einsatzkräften neue Einsatzmittel und Fertigkeiten für solch gefährliche Situationen an die Hand zu geben. „Es wird eine neue Uniform für die Kolleginnen und Kollegen geben“, verriet Strobl am Mittwoch in Herrenberg. „In dieser Uniform werden schnitthemmende Elemente eingebaut sein. Das ist auch einer der Lehren und Schlüsse, die wir aus dem Ereignis Rouven Laur gezogen haben.“
„Die Schusswaffe wird weiterhin das Mittel der Wahl bleiben“
Der Einsatztrainer Volkmar Hackbarth stellte vor den praktischen Vorführungen der Beamten heraus, welche Fragen bei der Entwicklung eines geeigneten Konzepts zur Aus- und Fortbildung von Kolleginnen und Kollegen geklärt werden müssen: „Da ist es wichtig zu wissen: Was zeichnet ein Messer aus? Welche Arten von Messern begegnen uns? Wie gefährlich ist ein Messer – und wie können wir uns wirksam dagegen verteidigen? Herr Strobl hat es bereits gesagt: Die Schusswaffe wird weiterhin das Mittel der Wahl bleiben.“ Eben weil es in solchen Momenten auf Sekunden ankommt.
Bei Messerangriffen zählt vor allem Schnelligkeit, wie Beamte des Institutsbereichs Einsatztraining am Mittwoch in Herrenberg eindrücklich klarmachten. Foto: Stefanie Schlecht
Anhand verschiedener Trainingsmesser demonstrierten die Einsatzkräfte anschließend, wie ein Messerangriff ablaufen kann und wie er tatsächlich ausgeführt wird. „Es stimmt einen schon nachdenklich, mit welcher Geschwindigkeit ein Messer zu einer tödlichen Waffe werden kann“, sagte Strobl dazu.
Um solchen Taten entschlossen entgegenzutreten, haben Städte wie Mannheim, Stuttgart, Heilbronn, Heidelberg und Ulm schon seit einiger Zeit Waffenverbotszonen eingerichtet. „Solche Zonen lösen das Problem nicht, aber sie geben der Polizei die Möglichkeit, Messer sicherzustellen.“ Und so vielleicht mögliche Angriffe zu verhindern. Seit Kurzem gilt zudem landesweit ein umfassendes Verbot für Messer und Waffen in öffentlichen Verkehrsmitteln – denn auch im ÖPNV stieg zuletzt die Anzahl der Messerangriffe. „Jeder Messerangriff auf einen Menschen ist einer zu viel“, schloss Strobl.
Hochschule für Polizei Baden-Württemberg
Verantwortungsbereich Die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg trägt die Verantwortung für die polizeiliche Bildung im gesamten Bundesland. An acht verschiedenen Standorten organisiert und begleitet sie die Ausbildung und Weiterbildung der Polizeikräfte – einschließlich des Bachelorstudiums sowie des ersten Jahres des Masterprogramms.