Kurz vor der Innenministerkonferenz haben sich der VfB Stuttgart und andere Proficlubs aus dem Land auf die Seite der Fans gestellt.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Personalisierte Tickets vor allem für Auswärtsfans, eine zentrale Stadionverbotskommission bis hin zu KI-gestützter Gesichtserkennung: Seit Wochen laufen die organisierten Fanszenen im deutschen Profifußball Sturm gegen die Pläne der deutschen Innenminister, die auf deren Konferenz von 3. bis 5. Dezember in Bremen konkretisiert werden sollen. Nach einer groß angelegten gemeinsamen Demonstration in Leipzig kam es erst am vergangenen Spieltag wieder zu Protesten. Zwölf Minuten lang stellte der zwölfte Mann in den Stadien die Unterstützung ein. Das Motto der Fans lautet: Die Stadien sind sicher.

 

Südwest-Initiative ging vom VfB aus

Nun haben sich erstmals Vereine aus Baden-Württemberg zu Wort gemeldet. In einer gemeinsamen Stellungnahme rufen der VfB Stuttgart, der 1. FC Heidenheim, die TSG Hoffenheim, der SC Freiburg sowie der Karlsruher SC zu einer „Versachlichung der Debatte“ auf. Ihr Appell an die Politik lautet, den Ball flach zu halten und keine voreiligen Beschlüsse zu ziehen. So argumentieren die Clubs klar gegen „kollektiv wirkende Einschränkungen wie verpflichtende Ticket-Personalisierungen oder pauschale Sanktionen, die den Großteil der Fans, die friedlich agieren, unverhältnismäßig treffen“. Die baden-württembergische Initiative ging vonseiten des VfB aus.

Weiter sprechen sich die Clubs aus dem Land gegen eine zentrale Stadionverbotskommission aus. Zum Hintergrund: Bislang entscheiden die Vereine selbst, welcher Krawallmacher mit einem Stadionverbot belegt wird. Dafür soll nach den Plänen einiger Innenminister künftig eine bundesweite Zentralstelle zuständig sein. „Für uns steht außer Frage: Die vorhandenen dezentralen Strukturen lokaler Stadionverbotskommissionen mit ihren Sanktionsrechten müssen bestehen bleiben“, heißt es in dem Schreiben der Südwest-Clubs.

Sie verweisen ähnlich wie die Fanszene auf Studien, wonach die Stadien in Deutschland weitgehend sicher sind und sich Ausschreitungen meist außerhalb der Spielorte ereignen. Erst am vergangenen Wochenende hatten Fans von Eintracht Frankfurt Anhänger des VfB auf einer Autobahnraststätte attackiert.

Jüngste Botschaft der VfB-Fans beim Spiel in Dortmund Foto: IMAGO/Jan Huebner

Gepriesen wird vonseiten des Pokalsiegers und seiner Mitstreiter dagegen das baden-württembergische Modell der Stadionallianzen. Sie beinhalten, grob gesagt, einen Gesprächskreis aus Vereinen, Polizei und Fanvertretern mit einem individuellen Fokus auf die bevorstehenden Partien. Dadurch konnten die Einsatzstunden der Polizei heruntergefahren und konnte Geld eingespart werden. Baden-Württemberg war mit diesem Modell vor einigen Jahren Vorreiter, inzwischen sind andere nachgezogen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Gerade in Stuttgart hat es in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder geknirscht. Vor zwei Jahren hatte die Stuttgarter Polizei die Allianz nach Konflikten mit VfB-Fans sogar ausgesetzt. Inzwischen befindet man sich aber wieder im Dialog.

Die Vereine unterstreichen, die Gespräche mit der Politik noch einmal intensivieren zu wollen, und formulieren das Schlusswort: „Keine Stadionverbote mit der Gießkanne.“