In dem ehemaligen Gästehaus des Restaurants Lamm sollen unter anderem Wohnungen für Azubis entstehen. Foto:
Wegen der schlechten Haushaltslage muss Steinheim (Kreis Ludwigsburg) wohl freiwillige Leistungen streichen. Gleichwohl stehen bei mehreren prägnanten Gebäuden Umgestaltungen an.
Christian Kempf
19.05.2025 - 11:38 Uhr
Am Dienstagabend lud der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter auf Instagram ein Video hoch, in dem er in einer emotionalen Ansprache auf die schwierige Haushaltslage einging – und das Hohelied auf freiwillige Aufgaben sang. Jugendhaus, Kultur, Vereinsleben oder Sportbetrieb seien kein Beiwerk, sondern „das Herz unserer Gemeinschaft“, das man trotz der widrigen finanziellen Umstände nicht leichtfertig und kurzsichtig dem Rotstift opfern dürfe. „Gerade die Freiwilligkeitsleistungen sind es, die eine Stadt lebenswert machen“, hatte kurz zuvor auch der Erste Beigeordnete Stephan Retter in der Gemeinderatssitzung bei der Einbringung des Etats für 2025 deutlich gemacht.
Das Problem ist nur, dass sich die Löcher im Stadtsäckel wahrscheinlich nur stopfen lassen, wenn es auch ans Eingemachte geht. Daraus machte Retter nämlich ebenfalls keinen Hehl. Es werde kommunalpolitisch zu diskutieren sein, welche freiwilligen Ausgaben sich die Stadt in Zukunft noch leisten könne. Man bekomme immer mehr Aufgaben von Bund und Land aufs Auge gedrückt, ohne dafür finanziell adäquat ausgestattet zu werden. Die Folge sei ein strukturelles Defizit im Etat. 2025 klaffe trotz enormer Einspar-Anstrengungen ein Minus von 2,55 Millionen Euro im Ergebnishaushalt.
Die Liste der optionalen Leistungen der Kommune ist lang, reicht von den Grundschulen und Friedhöfen in den Stadtteilen über das Jugendhaus und Ganztagskitas bis hin zu den Museen, der Bücherei, dem Marktplatzfest oder den Sportplätzen. Retter warf in der Sitzung zur Veranschaulichung eine stichwortartige Aufzählung per Beamer an die Wand, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne jegliche Wertung.
Bei Einrichtungen wie dem Jugendhaus könnte die Stadt theoretisch den Rotstift ansetzen, da der Betrieb nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommune gehört. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)
„Wir müssen an das Thema ran, aber mit großem Bedacht“, erklärt Retter. „Wir können zum Beispiel kein Geld bei den Integrationskräften im Kindergarten sparen. Das wäre weder für die Kinder noch für das Arbeitsklima gut“, sagt der Erste Beigeordnete. „Insofern müssen wir uns darauf verständigen, welche Einschnitte die geringsten Konsequenzen nach sich ziehen und dabei auch die Bürger mit einbinden. Am Ende muss dann öffentlich im Gemeinderat erörtert werden, auf was wir künftig verzichten wollen. Bei der Entscheidung spielt auch mit rein, was sich dadurch finanziell erreichen lässt“, erläutert Retter.
Bürgermeister: „Nichts tun wird teurer als handeln“
Die Stadt möchte in den nächsten Jahren trotz der angespannten Haushaltslage allerdings auch Geld in die Hand nehmen und Großprojekte anpacken. Man dürfe die Infrastruktur nicht verkommen lassen, betonte Thomas Winterhalter. „Wir sind jetzt an einen Punkt gekommen, an dem nichts tun teurer wird als handeln“, erklärte der Bürgermeister. Am sichtbarsten wird sich dieses Credo in den nächsten Jahren in der Stadtmitte niederschlagen, wo sich die Kommune besonders viel vorgenommen hat. Angefangen beim Neubau eines Rathauses. Noch vor der Sommerpause solle die Kostenberechnung im Gemeinderat präsentiert und auf dieser Basis der Baubeschluss gefasst werden, kündigt Stephan Retter an. 2026 könnten dann die Bagger am Marktplatz anrücken.
Außerdem sucht die Stadt derzeit Investoren für das Gebäude, in dem früher die Bücherei untergebracht war, und das ehemalige Gasthaus Adleran der Marktstraße. „Das frühere Bücherei-Domizil würde sich super für Wohnungen eignen. Im Adler könnten wir uns ebenfalls Wohnungen vorstellen, im Erdgeschoss vielleicht auch Gewerbe“, erklärt Retter.
In kommunaler Hand sollen hingegen das aktuell verwaiste Restaurant Lamm sowie das dazugehörige einstige Bettenhaus bleiben, das seit rund einem Jahr leer steht und in dem zuletzt Geflüchtete untergebracht waren. „In dem ehemaligen Gästehaus sollen unter anderem Wohnungen für Auszubildende und ,normale’ Wohnungen angesiedelt werden. Die Azubi-Wohnungen können von Auszubildenden der Stadt oder von Steinheimer Unternehmen in Anspruch genommen werden. Uns schweben WG-Zimmer mit Duschen und teils Kochnischen, aber auch Gemeinschaftsküchen vor“, erläutert der Erste Beigeordnete.
Das NKD-Gebäude könnte um ein Stockwerk erhöht werden. Zur perspektivischen Nutzung gibt es bislang aber nur grobe Überlegungen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)
In Eigenregie wolle die Stadt frühestens ab 2028 zudem das NKD-Gebäude herausputzen. „Da kann man etwas Hübsches draus machen. Wahrscheinlich würde das Gebäude aufgestockt. Für die zukünftige Nutzung gibt es bislang nur grobe Ideen und Überlegungen, aber noch nichts Spruchreifes“, sagt Retter. Nicht zu vergessen die alte Kelter, die zum Kulturzentrum der Stadt werden und entsprechend umgestaltet werden soll. Die Vorplanung soll noch dieses Jahr vorgestellt werden.