Innenstädte im Rems-Murr-Kreis Jetzt sind Kunden und Betriebe gefragt

Die Neubelebung des Schweizer Baus war ein Ergebnis der ersten Umfrage. Foto: Gottfried Stoppel
Die Neubelebung des Schweizer Baus war ein Ergebnis der ersten Umfrage. Foto: Gottfried Stoppel

Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich gewandelt – nicht nur wegen Corona. Städte befragen regelmäßig Kunden und Händler nach ihren Wünschen – jüngstes Beispiel ist Backnang.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Backnang - Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Backnang seine Bürger zuletzt zu ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Bewertung für die Innenstadt befragt hat. Das Ergebnis war unter anderem ein Einzelhandelskonzept, die Belebung des Schweizer Baus sowie die Neugestaltung rund um die Bleichwiese. Doch seitdem hat sich vieles getan: Schon vor Coronazeiten erlebte der Onlinekauf einen Boom, und mit dem Ausbruch der Pandemie wurde ohnehin alles anders.

Manche Betriebe durch Corona dramatisch geschädigt

Oliver Matzek von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung, die für die Umfrage und ihre Auswertung verantwortlich ist, erklärt, der sogenannte hybride Handel werde immer wichtiger. „Dieser braucht weniger Flächen – dann stellt sich natürlich die Frage, was an diese Stelle kommt.“ Eine Weiterschreibung des Konzepts für die Innenstadt sei dringend nötig, sagt Martin Windmüller vom Stadtmarketingverein: „Viele Betriebe sind durch die Zeit der Pandemie erheblich geschädigt, manche sogar dramatisch.“ Der Handel sei in der Backnanger Innenstadt nach wie vor ein Stützpfeiler – „aber Gastro- und Freizeitangebote werden in Zukunft wohl zunehmen“.

Die Umfrage ist ein Teil eines Maßnahmenpakets, das sich die Stadt Backnang 450 000 Euro kosten lässt. Um einen Anreiz zum Mitmachen zu geben, werden unter den Teilnehmern 50-Euro-Einkaufsgutscheine verlost. „Wir planen auch größere Aktionen vor Ort, zum Beispiel beim Gänsemarkt, um die Beteiligung zu steigern“, so der Oberbürgermeister Maximilan Friedrich.

Auch in anderen Städten ist die Kundenmeinung wichtig

Auch in anderen Städten ist die Gestaltung und Belebung der Innenstädte ein großes Thema. In Waiblingen befragt die Waiblinger Wirtschaft, Tourismus, Marketing GmbH (WTM) im Auftrag der Stadt Kunden und Unternehmen. Unter anderem wünschten sich Menschen, die in Waiblingen unterwegs waren, mehr öffentliche Toiletten. „Ein häufig genannter Wunsch in Befragungen war auch stets die Ansiedlung eines schwäbischen Lokals“, so Marc Funk, der WTM-Geschäftsführer. Diesem Wunsch habe man bei der Galerie Stihl mit dem Restaurant „Vorratskammer“ und mit dem „Brauhaus“ am Alten Postplatz Rechnung getragen.

Auch in Waiblingen, so Funk, habe sich das geänderte Kaufverhalten der Menschen bemerkbar gemacht. „Es gibt aber in Waiblingen nach wie vor keine coronabedingten Betriebsaufgaben.“ Als „Zugpferd“ bezeichnet er vor allem die Gastronomie in der Stadt: „Auch an Sonntagen ist die Innenstadt gut frequentiert – ein Zeichen dafür, dass der Handel zwar wichtig ist, die Menschen aber den Raum Innenstadt mit Talaue und Altstadt als attraktiven Aufenthaltsort schätzen und aufsuchen.“

Viele wünschen sich mehr Aufenthaltsqualität

In Weinstadt saniert die Stadt seit 30 Jahren regelmäßig die Ortskerne. Die Pressesprecherin Claudia Leihenseder betont, dafür würden auch Eigentümer und Händler befragt – zum Beispiel mit dem „Ortsmittencheck Großheppach“. In den nächsten Jahren werde auch die Einkaufsstraße in Endersbach saniert – unter anderem mit neuen schattigen Aufenthaltsplätzen und weiteren Parkplätzen. „Die ehemals stark frequentierte Verkehrsachse wird zu einem urbanen innerstädtischen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität transformiert“, so Leihenseder.

In Schorndorf gab es zuletzt vor gut fünf Jahren eine Umfrage unter Kunden und Händlern – und ein Entwicklungskonzept auf dieser Basis. „Viele wünschten sich damals mehr Aufenthalt- und Erlebnisqualität“, erklärt Lars Scheel, der Leiter des städtischen Eigenbetriebs „Tourismus und Citymanagement“. Daher habe die Stadt unter anderem ein Fußgänger-Leitsystem, einen Marktbrunch und ein Schaukasten des Mercedes-Benz-Museums eingerichtet, der auf das Daimler-Geburtshaus hinweist. „Eigentlich wäre es wieder an der Zeit, eine Umfrage zu machen“, so Scheel.




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