Konkret gab es nach den neuesten verfügbaren Daten von 2019 bundesweit rund 50 190 Patentanmeldungen von Initiatoren aus Deutschland. Davon entfielen in Baden-Württemberg 14 462 auf die Industrie, 513 auf Nicht-Industrie-Branchen sowie 635 auf freie Erfinder, die sogenannten Garagentüftler. Mit ihrem Anteil von 92,6 Prozent ist die Südwestindustrie bundesweit spitze.
Von Bosch bis Mahle – die Spitzenreiter im Land
Unter den Top Fünf der Einzelunternehmen im Land sind die Robert Bosch GmbH mit 4311 Patentanmeldungen, die Mercedes-Benz Group AG (1658), ZF Friedrichshafen (1462), die Porsche AG (678) sowie Mahle (303). Die Spitzengruppe vereint weit mehr als die Hälfte aller Anmeldungen auf sich. Darin fließen auch Kooperationen ein: Wenn Bosch mit BMW und VW ein Patent anmeldet, wird dies zu einem Drittel den Stuttgartern zugerechnet. Wegen der innovationsstarken Automobilindustrie überrascht es nicht, dass diese Namen auch bundesweit vorne mitspielen.
Der IW-Experte Oliver Koppel stellt fest, dass die Innovationsfreude gemessen an allen Patentanmeldungen gerade in Baden-Württemberg in den 2010er Jahren nochmals gewachsen sei. Dabei habe die Industrie zugelegt, und die freien Erfinder hätten deutlich verloren. Infolge der Coronapandemie erwartet der Wissenschaftler derzeit aber einen Abschwung: „Von 2020 an dürfte ein deutlicher und hoffentlich vorübergehender Rückgang in allen Anmelderkategorien zu verzeichnen sein“, sagt er voraus.
Bosch auch bundesweit auf Platz eins
Die ersten fünf Plätze bei den Einzelunternehmen in ganz Deutschland belegen Bosch (4311), BMW (1777), Schaeffler (1733), Mercedes-Benz (1658) und die Volkswagen AG (1591). Dass der gesamte VW-Konzern nicht besser dasteht und Siemens in dieser Rangfolge nicht auftaucht, hängt mit der juristischen Zuordnung von Patenten zusammen.
„Die Anzahl der jährlichen neuen Patentanmeldungen von Bosch bewegt sich seit Jahren in der gleichen Größenordnung“, sagt eine Sprecherin des Patent-Spitzenreiters unserer Zeitung. Die Auswahl der Erfindungen zur Patentanmeldung sei zukunftsgerichtet und folge auch strategischen Gesichtspunkten. Somit ergäben sich über die Jahre auch Verschiebungen in den Anmeldeschwerpunkten – also hin zu Künstlicher Intelligenz (KI), Brennstoffzelle und Softwarelösungen.
„Bosch ist Innovationsführer beim elektrischen Fahren und so breit aufgestellt wie kein zweites Unternehmen – vom E-Bike bis zur Baumaschine“, betont die Sprecherin. Ob Batterie oder Brennstoffzelle: Bosch forciere die technologischen Alternativen der Elektromobilität. Das Unternehmen wachse in dem Bereich doppelt so stark wie der Markt und investiere jährlich mehr als 800 Millionen Euro in die Elektrifizierung.
Damit einhergehend hat Bosch in den vergangenen fünf Jahren rund eine Milliarde Euro in die Qualifizierung der Mitarbeitenden investiert – „ eine Summe, die wir in den kommenden fünf Jahren erneut investieren werden“, kündigt das Unternehmen an. Und allein in diesem Jahr würden zudem weltweit 10 000 Softwarespezialisten gesucht.
Der Geschäftsbericht des Friedrichshafener Technologiekonzerns ZF weist für 2021 sogar schon 2624 „Erfindungsmeldungen“ aus, die zu 1862 neuen Patentanmeldungen führten. In den Jahren davor waren es 2164 und 3007 Erfindungsmeldungen. Mehr als drei Milliarden Euro wurden im Vorjahr für Forschung und Entwicklung ausgegeben. „ZF ist in Deutschland einer der großen Innovatoren und meldet entsprechend viele Patente an, um unsere Ideen zu schützen“, sagt der zuständige Manager Davor Stolcic. Unter den Anmeldungen fänden sich immer mehr Lösungen für automatisierte Fahrzeuge, also für Hochleistungsrechner, Software, Sensoren und vernetzte Antriebselemente.
Auch der Staat soll seine Anstrengungen verstärken
Mit mehr als 50 Prozent der weltweiten Patente bei den Zukunftsthemen, wie dem vernetzten und automatisierten Fahren, sichert sich die deutsche Automobilindustrie ihre internationale Technologieführerschaft. Um diese Spitzenposition zu halten, sieht sie allerdings auch den Staat in der Pflicht: Das Ziel, bis 2025 die 3,5-Prozent-Marke als Anteil der nationalen Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu erreichen, sei richtig, heißt es bei Bosch.
Doch müssten Bund und Länder ihre Investitionen für Forschung und Entwicklung „deutlich aufstocken, um ihren Anteil von einem Drittel der deutschen Aufwendungen wieder zu erreichen und zu halten“, mahnt der Branchenriese. Die Automobilindustrie sei offen, die Rahmenbedingungen im Dialog mit der Politik zu erörtern. „Dabei ist insbesondere die Entbürokratisierung des gesamten Förderprozesses von großer Bedeutung“, sagt die Bosch-Sprecherin.