Holger Rieske, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie im Krankenhaus Leonberg, präsentiert einen OP-Helm. Foto: Simon Granville
Der Förderverein des Leonberger Krankenhauses stiftet für 40 000 Euro einen „Fibroscan“. Doch das ist längst nicht alles, mit dem die Mitglieder den Klinikalltag für Patienten und Beschäftigte verbessern möchte.
Laptops haben überall Einzug gehalten. Und so schaut auch jener kleine Bildschirm in der Inneren Klinik des Leonberger Krankenhauses auf den ersten Blick wie einer von vielen aus. „Klein, aber oho“, meint Barbara John über den technischen Neuzugang. Denn mit dem „Fibroscan“ kann die Chefärztin der Inneren Klinik sehr viel schneller und sehr viel besser mögliche Lebererkrankungen erkennen.
Der „Fibroscan“ kostet 40 000 Euro und ist normalerweise ausschließlich in Uni-Kliniken zu finden. Dass er im vergleichsweise kleinen Krankenhaus in Leonberg zum Einsatz kommt, ist dem dortigen Förderverein zu verdanken. Die engagierten Mitglieder um den Vorsitzenden Willi Burger haben der Klinik das moderne Gerät gespendet.
„Da bin ich sehr stolz drauf. Ohne den Förderverein hätten wir das wohl kaum bekommen“, sagt Barbara John. Profitieren würden vor allem die Patienten. „Wir können die Leber sehr viel genauer vermessen, als dass das mit Ultraschall möglich ist und die nötigen Schlüsse ziehen.“ Für die Chefärztin ein echter medizinischer Fortschritt.
Doch nicht nur der „Fibroscan“ liegt auf dem vorweihnachtlichen Gabentisch der Darmspezialistin. Für die von ihr geleiteten Tagesklinik der Onkologie hat der Förderverein vier Chemotherapiestühle im Wert von 7000 Euro gestiftet. Sie sind besonders komfortabel, haben eine Leselampe, einen Tisch sowie einen USB-Anschluss und machen so den Patienten den oft stundenlangen Aufenthalt etwas angenehmer.
Chefärztin Barbara John untersucht eine Patientin per Fibroscan. Foto: Simon Granville
Und darum geht es dem Förderverein: „Wir können nicht die finanziellen Probleme des Klinikverbundes lösen“, meint der Vereinschef, „aber wir können dazu beitragen, den Aufenthalt der Patienten und die Arbeitsbedingungen der Belegschaft zu verbessern.“ Dafür hat der Förderverein allein in den vergangenen vier Jahren rund 152 000 Euro bereitgestellt für Komfort, aber eben auch für medizinischen Fortschritt.
Etwa wurden auch drei OP-Schutzhelme für die Unfallchirurgie und Orthopädie angeschafft. „Bei Operationen kommt es immer wieder vor, dass winzig kleine Blutpartikel freigesetzt werden“, erläutert der Chefarzt Holger Rieske. „Mit den Helmen werden die Operateure und die Schwestern geschützt.“ Die Hygiene würde so erheblich optimiert. Und damit die Mediziner nicht ins Schwitzen kommen, haben die Helme eine Art Klimaanlage eingebaut. Eine integrierte Lampe verbessert die Sicht.
Das Team des Krankenhauses dürfte sich zudem über einen Massagesessel freuen, den der Förderverein für 5000 Euro angeschafft hat. „Er dient nicht nur der Entspannung, sondern fördert auch die Rückenmuskulatur“, sagt Burger mit Blick auf die körperlichen Anstrengungen des Pflegepersonals.
In der Tagesklinik für Onkologie gibt es neue Chemotherapiestühle. Foto: Simon Granville
Die Arbeit leichter machen soll auch eine lebensgroße Trainingspuppe zum praktischen Üben, etwa dem Wenden von Patienten im Bett. In der Gynäkologie freuen sich die Hebammen und Schwestern über eine mobile Babywaage. Doch nicht nur die: Ein Sofa und mehrere Sessel im Stillzimmer soll den Aufenthalt der Wöchnerinnen angenehmer machen. Und ein neuer Perlenkasten, mit dem die Namen der Neugeborenen fürs Handgelenk aufgefädelt werden können, ist besonders bei den Eltern sehr beliebt.
Wer in der Intensivstation liegt, ist in seinen Möglichkeiten sehr stark eingeschränkt. Zehn mobile Fernsehgeräte sollen den dortigen Patienten ein wenig Ablenkung bringen. Das ist nicht alles. Eine Multimediastation ermöglicht, dass sich die Kranken persönliche Bilder anschauen können. „Für den psychischen Heilungsprozess ist das von großer Bedeutung“, weiß Michael Baier. Der Chefarzt in der Zentralen Notaufnahme kann sich zudem über zwei weitere Trennwände freuen, die den Sichtschutz verbessern, wenn schon direkt in der Notaufnahme ein medizinischer Eingriff nötig ist.
Das psychische Wohlbefinden steigern sollen auch mehrere Bilder mit Leonberg-Motiven, die in der Geriatrie aufgehängt wurden. In der physikalischen Therapie macht es ein Bike-Labyrinth körperlich eingeschränkten Menschen möglich, virtuelle Fahrradtouren zu genießen. Wenn der Patient aufhört zu treten, wird die Route auf dem Bildschirm unterbrochen. Ebenfalls auf Initiative des Fördervereins angeschafft wurde ein Elektro-Therapiegerät.
Großer Beliebtheit bei Patienten, Personal und Besuchern gleichermaßen erfreut sich die neugestaltete Cafeteria am Leonberger Krankenhaus. Damit die Gäste in der warmen Jahreszeit ihren Kaffee oder einen Imbiss im Freien genießen können, hat der Klinik-Förderverein für insgesamt 31 000 Euro Tische, Stühle und Sonnenschirme für die Terrasse angeschafft.
Der Förderverein: Fast ein Vierteljahrhundert für die Klinik
Die Anfänge Es ist fast ein Vierteljahrhundert her, da wandte sich der damalige Leonberger Erste Bürgermeister Helmut Noë an den frisch pensionierten Polizeiinspekteur Willi Burger und erklärte, er sei auf der Suche nach einem Vorsitzenden für einen noch zu gründenden Förderverein des Krankenhauses Leonberg. Der Neu-Ruheständler sagte zu. Dass es aufreibende Jahre sein würden, in denen es um Sein oder Nichtsein der Klinik gehen wird, konnte Burger damals nicht ahnen.
Zäsur Bei der Mitgliederversammlung am 25. November, 19 Uhr, im Krankenhaus, wird Burger sein Amt in andere Hände legen.
Zukunft Im Haushalt des Landkreises klafft ein Zehn-Millionen-Loch. „Deshalb werden wir genau darauf achten, dass die Investitionen in unserer Klinik zeitnah erfolgen“, sagt Vizevorsitzender Helmut Noë.