Innovationspark Ipai Heilbronn sieht sich als KI-Hochburg
Der Innovationspark Ipai in Heilbronn hat immer mehr Zulauf von Firmen. Die Schwarz-Gruppe will mit einer eigenen Cloud Alternativen zu US-Konzernen anbieten.
Der Innovationspark Ipai in Heilbronn hat immer mehr Zulauf von Firmen. Die Schwarz-Gruppe will mit einer eigenen Cloud Alternativen zu US-Konzernen anbieten.
Der Heilbronner Ipai (Innovation Park Artificial Intelligence) findet immer mehr Anklang bei Unternehmen. „Jeden Monat kommen vier bis fünf neue Mitglieder hinzu“, berichtet Geschäftsführer Moritz Gräter. Dass Audi sich für Neckarsulm als zentralen Standort für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung entschieden habe, sei auch dem Ipai zu verdanken, meint Gräter.
Inzwischen hat dieser mehr als 70 Mitglieder und Partner. Etwa die Hälfte davon haben sich in Räumen des Ipai eingemietet. Mitglieder sind beispielsweise Firmen, die bei dem Einsatz von KI vorankommen wollen, Partner sind Experten, die sich mit Chips, Daten und Sprachmodellen auskennen, etwa Aleph Alpha aus Heidelberg.
2027 sollen in Heilbronn die ersten Gebäude eines Ipai-Campus bezogen werden, bei dem es für interessierte Firmen dann weit mehr Platz gibt. Als erster Profifußballclub ist im Januar der VfB Stuttgart dem Ipai beigetreten. Als einen wichtigen Höhepunkt für die weitere Entwicklung wertet Gräter gegenüber unserer Zeitung die vom Land geförderte Ansiedlung des belgischen Chipforschungszentrums Imec.
„Bei kleinen und mittleren Unternehmen hakt es noch etwas mit der Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz“, meint Gräter. Gerade auch solchen Unternehmen wolle das Ipai bei der Einführung helfen.
Auch Stefanie Baade, stellvertretende Vorsitzende des KI-Bundesverbands, ist der Ansicht, dass gerade kleine und mittlere Firmen hinterherhinken. Oft seien die in den Firmen vorhandenen Daten noch gar nicht so aufbereitet, dass mit KI gearbeitet werden könne. Dabei könne die KI helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Oft werde aber lieber in neue Maschinen als in Künstliche Intelligenz investiert. Dies auch, weil sich dort Erfolge möglicherweise erst in ein paar Jahren zeigen würden. Entwickler müssten Spielräume erhalten, aber der Wille, mit Künstlicher Intelligenz vorankommen zu wollen, „ muss von oben kommen“.
Schwarz Digits, das Digitalunternehmen der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) hat auf der Technology Experience Convention Heilbronn (kurz: Tech) bekannt gegeben, eine eigene Cloud aufzubauen, damit europäische Unternehmen unabhängiger von US-Konzernen werden. „Bisher standen dafür vorwiegend Cloud-Anbieter aus nicht EU-Ländern zur Auswahl, sagte Christian Müller, Mitgeschäftsführer von Schwarz Digits. „Wenn die KI der Zukunft nicht aus Deutschland und Europa kommt, dann haben wir ein Problem“, meinte Daniel Abbou, der Präsident des europäischen KI-Dachverbands EAIF. Von 2011 bis 2014 war Abbou stellvertretender Regierungssprecher in Baden-Württemberg und Sprecher des damaligen Wirtschafts- und Finanzministeriums.
Rebecca Reisch, Geschäftsführerin des Cyber Valley in Tübingen und Stuttgart, plädiert für Kooperation. „In Baden-Württemberg setzen wir gezielt auf Vernetzung“, sagte Reisch bei einer Diskussion im Ipai, „mit starken Partnern vor Ort aber auch über Landes- und Ländergrenzen hinweg“. So solle eine Gemeinschaft „mit internationaler Strahlkraft“ entstehen.
Die Tech, für die eigens Hallen auf einer Festwiese in der Nähe des Heilbronner Hauptbahnhofs aufgebaut wurden und zu der auch Berliner Politikprominenz wie etwa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) angereist war, soll im kommenden Jahr wieder in Heilbronn stattfinden. Deutschland sei bei der Digitalisierung spät dran, aber jetzt sei man dabei, hatte Reiche erklärt. Gesponsert wird die Tech, eine gemeinsame Veranstaltung von Schwarz Digits und dem „Handelsblatt“, von der Schwarz-Gruppe.