Innovative Kaffeekapsel Nachhaltige Kaffeekapsel: Pioniere aus Stuttgart

Von Theresa Rabik 

IdeenwerkBW-Serie „coole Startups im heißen Sommer“ – in Kooperation mit der Macromedia Hochschule Stuttgart (4): Die Gründer von Rezemo aus Stuttgart haben eine nachhaltige Kaffeekapsel entwickelt.

Julian Reitze und Stefan Zender im Büro von Rezemo. Foto: Theresa Rabik
Julian Reitze und Stefan Zender im Büro von Rezemo. Foto: Theresa Rabik

Stuttgart - Stefan Zender und Julian Reitze sind die Gründer des Startup-Unternehmens Rezemo. Doch was steckt dahinter? Die Idee: eine Kaffeekapsel aus nachwachsenden Rohstoffen als nachhaltige Alternative zu der herkömmlichen Variante.

„Wir haben gesagt: Wir glauben daran, wir machen das.“

Mit 25 beziehungsweise 26 Jahren haben Julian und Stefan, die beiden Unternehmer aus Mühlhausen-Ehingen, das geschafft, was nicht vielen in bereits so jungen Jahren gelingt: Sie haben erfolgreich ihr eigenes Unternehmen in Stuttgart gegründet. Dabei dauerte die Entwicklung für die nachhaltige Kaffeekapsel insgesamt drei Jahre und wurde unter anderem mit der Universität Stuttgart und dem Fraunhofer Institut IPA durchgeführt.

An der Universität Stuttgart studierten die beiden Technische Betriebswirtschaftslehre (Master of Science). Bereits während des Studiums begannen sie an der Kapsel zu tüfteln, in den Markt gestartet wurde dann nach dem Masterabschluss – mit Erfolg, wie man heute sieht. Leicht war es allerdings nicht immer: „Schon als wir mit der Idee ankamen, schlugen manche Menschen die Hände über den Kopf zusammen“, erzählt Stefan. Trotz all dem hielten sie an ihrer Idee fest und glaubten an ihr Projekt, das der Umwelt zugutekommt.

Wie Rezemo die nachhaltige Kaffeekapsel produziert

„Mit unserer Kapsel wollen wir der Gesellschaft zeigen, dass es möglich ist, ein Produkt komplett aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Wir sind sauber. Wir sind gründlich. Wir sind zu 100 Prozent nachhaltig. Das macht uns einzigartig“, sagt Julian. Dafür haben sie auch schon ein Gütesiegel erhalten.

So können Kaffeeliebhaber ohne Verzicht, vor allem aber ohne schlechtes Gewissen weiterhin ihre Kapselmaschine nutzen. Aber wie schafft es rezemo, eine 100% nachhaltige Kaffeekapsel herzustellen?

Das Geheimnis liegt in den Inhaltsstoffen, denn die Kapseln bestehen aus einer Mischung aus dem Hauptbestandteil Holzspänen und Polylactid. Polylactid, kurz PLA, ist ein Polymer aus natürlicher Pflanzenstärke, das dazu beiträgt, dass sich die Holzspäne verarbeiten lassen. Das Holz stammt aus heimischen Wäldern, die nachhaltig bewirtschaftet werden.

Damit jedoch keine Bäume für Rezemo gefällt werden müssen, verwenden sie lediglich Holzspäne, die bei den Sägewerken auf der Schwäbischen Alb als Ausschussprodukt anfallen. Die Holzspäne werden nicht chemisch aufbereitet und damit ist die gesamte Herstellung der Kapseln umweltfreundlich. So kann die nachhaltige Kaffeekapsel ohne Bedenken in der Biotonne, im Kompost oder in der Restmülltonne entsorgt werden- denn Holz ist CO2 neutral.

Die Rösterei und der Kaffee

Nicht nur die Kapsel an sich ist fair, auch der Kaffee in der Kapsel selbst. Denn die Kaffeebauern, die unter anderem aus Indien, Guatemala oder Tansania stammen, bekommen eine faire Bezahlung. Die Kaffeekirschen werden nach der Ernte geschält, damit nur noch der Kern übrig bleibt, die Kaffeebohne. Bei der Ernte wird eine Methode verwendet, die die Schäden der Kaffeekirsche minimiert und so weniger weggeworfen werden muss. Rezemo kooperiert ausschließlich mit lokalen und traditionellen Röstereien. „Uns ist es sehr wichtig, dass wir sowohl an den Kunden als auch Lieferanten so nah wie möglich dran sind“, sagt Stefan.

Eine dieser Röstereien ist beispielsweise die Cafésito-Kaffeerösterei aus Kißlegg im Allgäu. Hier wird die Kaffeekirsche in einem Langzeit-Trommelröstverfahren 15 bis 22 Minuten bei maximal 180° C bis 195° C geröstet. Der Vorteil dieses schonenden Röstprozesses ist, dass dabei keine unbekömmlichen Reizstoffe entstehen. Das Besondere an Caféstio ist, dass sie ein Integrationsprojekt einer Behindertenwerkstatt ist.

Die nachhaltige Kaffeekapsel ist auch sozial

Die Gründer haben sich die Rösterei genau wegen dieses integrativen Ansatzes für Menschen mit Behinderung ausgesucht. Das passt zu ihrem Leitbild: sozial – fair – nachhaltig. In der Werkstatt werden die Holzkapseln in ihre Verpackung gesteckt und von dort aus zu den Kunden geschickt. Insgesamt arbeiten 360 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung dort. Betreut werden sie von ungefähr 230 Angestellten, Betreuern und Ehrenamtlichen. Produziert wird für 200 Kunden aus einer großen Bandbreite aus Industrie, Dienstleistungsunternehmen oder Kommunen. Getragen wird die Werkstatt vom Landkreis Freudenstadt, Lebenshilfe Freudenstadt e.V. und Lebenshilfe Horb/Sulz e.V.

So nah wie möglich am Kunden

Besonders wichtig ist es den Gründern von Rezemo, vor Ort für ihre Kunden da zu sein. Deswegen achten sie darauf, lokale Verkaufsstellen mit ihren Kapseln zu beliefern. Dort kann dann ohne große Umwege eingekauft werden. In Stuttgart bieten inzwischen sechs verschiedene Unternehmen die nachhaltige Kaffeekapsel von Rezemo in ihrem Sortiment an, unter anderem Feinkostläden und Kaffeeröstereien. Um ihrer Nähe zu den Zwischenhändlern noch mehr Ausdruck zu verleihen, bringen Julian und Stefan die Ware oft persönlich in die Läden. So auch beispielsweise hier zum Feinkost Panzer im Stuttgarter Westen.

Wer noch ein bisschen mehr über Julian und Stefan, die beiden Gründer von Rezemo, erfahren möchte, findet in den folgenden Videos weitere Details rund ums Startup – und über die Gründer selbst.

3 Dinge, die Sie noch nicht über Julian wussten:

3 Dinge, die Sie noch nicht über Stefan wussten:

Julian über Nebenjobs, einer-macht-alles und Abschalten:

Stefan über Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen und Humor:

Die Texte der Serie wurden von Studierenden der Macromedia Hochschule in Stuttgart im Rahmen eines Seminars erstellt. Gesammelt und im Original sind sie auf der Webseite Startup-Kultur.de zu finden. Für IdeenwerkBW werden die Texte und die Darstellung teilweise bearbeitet.