Innovatives E-Bike Cool, praktisch und preisverdächtig

Treten muss man selbst, doch der  Elektromotor  macht es dem Radler leicht. Steffen Müller  und Tim Bisinger (von links) von  der GWW testen die Dreiräder. Foto: factum/Granville 4 Bilder
Treten muss man selbst, doch der Elektromotor macht es dem Radler leicht. Steffen Müller und Tim Bisinger (von links) von der GWW testen die Dreiräder. Foto: factum/Granville

Ein Lasten-E-Bike, das für den German Design Award nominiert ist: das haben die Behindertenwerkstätten GWW entwickelt. In ihrer Manufaktur werden die Räder nach Kundenwünschen produziert. Der Verkauf beginnt am Donnerstag.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)

Gärtringen/Calw - Jung und cool kommt die neue Marke daher: xcyc heißt sie und setzt sich zusammen aus dem x, das für excite wie spannend steht und cyc, das auf das Produkt verweist: ein Fahrrad. Nun, Räder gibt es viele. Doch dieses ist ganz besonders: Ein Lastenfahrrad mit Elektromotor, das ganz und gar nicht altbacken wirkt. Das Design ist außergewöhnlich, das Bike ähnelt mehr einem Motorrad denn einem Lastenrad. Auf der Fahrradmesse Eurobike, die vor wenigen Wochen in Friedrichshafen über die Bühne ging, erregte das schnittige Modell viel Aufmerksamkeit. Nun wurde es sogar für den German Design Award nominiert.

„Wir wollten etwas Cooles schaffen, das ein tolles Design hat und doch funktionell und praktisch ist“, sagt Tim Bisinger. Der Marketingfachmann ist der Projektleiter für das neue Produkt der Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten GWW. Er kümmert sich um das Betriebswirtschaftliche und das Marketing, Uwe Keller, ein Zweiradmechaniker, ist für das technische Knowhow zuständig.

Anderthalb Jahre dauerte die Entwicklung

Bisher ist die Sozialeinrichtung GWW mit mehr als 40 Standorten in den Kreisen Böblingen und Calw vor allem als zuverlässiger Zuarbeiter großer Firmen wie Daimler oder LGI Logistik bekannt. Für diese fertigen sie zum Beispiel Heckscheiben oder kommissionieren und verpacken Elektroteile und andere Waren. „Wir wollen unseren behinderten Mitarbeitern vielfältige und attraktive Arbeitsmöglichkeiten bieten“, sagt Steffen Müller, der Pressesprecher der GWW. „Es entstand die Idee, ein Produkt zu entwickeln, das wir von Anfang bis Schluss selbst herstellen.“ Und da es viele fahrradaffine Menschen im Unternehmen gebe, sei der Vorschlag einer Fahrradproduktion aufgekommen.

Anderthalb Jahre habe die Entwicklung gedauert, sagt Bisinger. Nun gibt es zwei Startmodelle – eines in Schwarz, eines in Orange –, mit denen der Verkauf beginnen soll. Dabei können sich die Kunden ihr Rad individuell zusammenstellen. „Je nach Untergrund kann man dickere oder dünnere Reifen wählen und verschiedene Gabeln. Auch der Radstand kann angepasst werden. Auf Wunsch gibt es eine absenkbare Sattelstütze. Selbstverständlich lackiere man die Räder auch auf Wunsch der Kunden in der Firmenfarbe und versehe sie mit dem Firmennamen, sagt Bisinger. Denn vor allem Unternehmen haben die frisch gebackenen Fahrradbauer im Blick. „Das Rad eignet sich zum Beispiel für größere Firmen, in denen Waren transportiert werden müssen oder die Instandhaltung weite Wege zurückzulegen hat,“ sagt Bisinger. Steffen Müller kann sich auch einen Pizzadienst vorstellen, der mit dem Lastenrad keine Parkplatzprobleme hat.

Bestellt wird im Web-Shop

Auch private Kunden hätten schon Interesse geäußert: Für den Transport eines Hundes oder um den samstäglichen Großeinkauf nach Hause zu befördern. Allerdings kostet das Lastenrad so viel wie ein Gebrauchtwagen: zwischen 6500 und 8000 Euro. 250 Kilogramm zulässiges Gesamtgewicht hat das E-Bike, mit dem man ohne Versicherungskennzeichen fahren darf. 55 Kilogramm wiegt das Rad selbst. Je nach Gewicht des Fahrers kann man also noch 120 bis 130 Kilogramm einladen. Außerdem können wir eine Anhängerkupplung montieren, an den jeder gängige Fahrradanhänger passt“, sagt Bisinger.

Den Rahmen fertigt ein Unternehmen aus Karlsruhe für die GWW an. In den Werkstätten in Calw bauen behinderte Mitarbeiter dann die Räder zusammen. Sie werden gerade eingearbeitet und geschult. „Alles ist reinste Handarbeit“, versichert Bisinger. Wenn alles wie geplant klappt, soll der Online-Shop an diesem Donnerstag, 5. Oktober, freigeschaltet werden.




Unsere Empfehlung für Sie