Auch wenn es vielleicht nicht jeder gerne hören will, die Experten sind sich einig: Dieses Jahr ist ein sehr starkes Wespenjahr. Die generelle Witterung, aber besonders auch der milde Winter und das angenehme Frühjahr haben zu einer starken Vermehrung geführt“, sagt Adrian Klose von der Obstbauberatung Rems-Murr. Weil es so viel Nachwuchs gebe, müsse dieser jetzt auch im großen Stil ernährt werden, so der Gartenbauingenieur.
Der Nachwuchs braucht viel Eiweiß, also Fleisch
Und genau da kommen die Terrassentische mit dem leckeren Grillfleisch ins Spiel. Denn während sich die erwachsenen Wespen von Süßem ernähren, brauchen sie für ihren Nachwuchs jede Menge Eiweiß, also Fleisch. Deshalb dauert es am Gartentisch an sonnigen Tagen meist nur wenige Minuten, bis sich die schwarz-gelben Insekten einfinden.
Doch – und auch da sind sich die Experten einig – mit einigen Verhaltenstipps gelingt das Miteinander meist unbeschadet für beide Seiten. „Man darf nicht vergessen, wie nützlich die scheinbar lästigen Tiere sind. Sie bekämpfen Mücken, Fliegen oder auch Blattläuse“, sagt Adrian Klose und gibt zu bedenken, dass nun die stärkste Wespenzeit angebrochen sei und die Tiere sich auch über die reifen Früchte hermachen würden.
Auch Melanie Barth von der Pressestelle des Landratsamts rät zu beachten, dass die Ernte der ersten frühen Apfel- und Birnensorten begonnen hat und auch die Zwetschgenernte noch im Gange sei. „In den Obstbäumen sind Wespen nun häufiger anzutreffen, da die Tiere zuckerhaltige Früchte sehr mögen. Mit ihren Mundwerkzeugen fressen Wespen an reifen oder überreifen Früchten. Deshalb sollte man besonders vorsichtig bei der Ernte sein und genau hinschauen, wo man hin greift.“
Die überreifen Früchte können für Ruhe am Esstisch sorgen
Diese überreifen Früchte könnten mitunter für Ruhe am Essenstisch sorgen, wenn man sie ein wenig entfernt platziert, sagt Markus Wegst vom Amt für Umweltschutz. Der Fachmann erhält momentan eine Flut von Anfragen. „Die Wespen sind ein großes Thema dieses Jahr. Es ist exorbitant viel. Fast alle sind im Frühjahr durchgekommen, und es sind keine Nester, beispielsweise durch die Schafskälte, kaputt gegangen“, sagt Markus Wegst und fügt gleich hinzu, dass ein solches Wespen- oder gar Hornissennest immer vom Fachmann entfernt werden müsse.
Wichtig ist es dem Experten auch zu betonen, dass die Wespen keineswegs aggressiver seien als sonst. Dass sie als lästiger empfunden würden, liege einzig und allein daran, dass es zahlenmäßig deutlich mehr seien als man es aus früheren Jahren gewohnt sei. „Manche Tiere profitieren also sogar vom Klimawandel und der oft zu milden Witterung. Aber die anhaltende Trockenheit macht auch den Wespen zu schaffen und mit den ersten Nachtfrösten sterben sie dann spätestens“, sagt Markus Wegst.
Der Experte ist grundsätzlich ein Tierfreund. Durch seine Arbeit, die ihn auch oft ins Freie, beispielsweise auf Obstbaumwiesen führt, hat er auch schon den einen oder anderen Stich kassiert. „Das macht mir nichts aus. Und ich habe auch keine schlimme Reaktion. Anders sieht es natürlich aus, wenn jemand allergisch ist.“ Die Tierliebe bringt der Beruf mit sich. Auch Wespen und Hornissen findet Wegst faszinierend.
Wespen sind friedliche Tiere und Hornissen auch
„Das sind friedliche Tiere. Nur ein falsches Verhalten macht sie aggressiv. Ebenso sieht es mit der Hornisse aus. Sie ist einfach nur größer, aber sie will nichts von uns Menschen.“ Er erinnert sich an seine Kindheit, als besonders Hornissennester einfach immer vergast wurden. „Es ist toll, dass heute der Schutz der Tiere im Vordergrund steht und sie umgesiedelt werden.“ Am Terrassentisch versucht es der Fachmann vom Amt für Umweltschutz manchmal einfach mit Geduld und wartet, bis sich die Wespe ein Stück vom Kuchen oder vom Fleisch ergattert hat. „Das klappt aber auch nicht immer. Manchmal dauert es zu lang und es kann momentan schon lästig sein, im Freien zu essen.