Insektensterben Ein Kindergarten hilft den Wildbienen

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Die Organisation Artenschutz in Franken will Wissen über Insekten vermitteln. Das beginnt bei den Kleinen und endet mit einem Appell an die Kommunen.

Im Kinderhaus Martinskirche gibt es ein professionelles Insektenhotel. Foto: A. Kratz
Im Kinderhaus Martinskirche gibt es ein professionelles Insektenhotel. Foto: A. Kratz

Möhringen - Wie gefährlich ist eine Wildbienenherberge im Kindergarten? Führt das dazu, dass die Mädchen und Jungen vermehrt gestochen werden? Und wie wahrscheinlich ist es, dass eines der Mädchen und Jungen dann einen anaphylaktischen Schock bekommt? Solche und andere Fragen schwirren Eltern und Erziehern im Kopf, wenn es darum geht, eine Wildbienenherberge in einem Kindergarten aufzustellen. Doch Thomas Köhler von der Organisation Artenschutz in Franken kann diese Bedenken ausräumen. Zwar haben Wildbienen ebenso wie die domestizierte Honigbiene einen Stachel. Dieser ist aber nicht stark genug, um die menschliche Haut zu durchdringen. Wildbienen können nur in Schleimhäute stechen, und dass das passiert, ist unwahrscheinlich.

Die Mädchen und Jungen im Kinderhaus Martinskirche wissen schon viel über Wildbienen. Denn dort steht seit einiger Zeit eine der 50 Wildbienenherbergen der Organisation Artenschutz in Franken. Möglich wurde das Dank einer Spende in Höhe von 5000 Euro von der Margarete-Müller-Bull-Stiftung.

In Deutschland gibt es knapp 600 Wildbienenarten

Das etwa ein mal zwei Meter große Insektenhotel umfasst 28 Nistkästen aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Ton oder Bambus. Die Forscher vom Artenschutz Franken wollen herausfinden, welche Module von welchen Bienenarten am besten angenommen werden und wie sich die Brut darin entwickelt. Zudem lädt eine Informationstafel Kinder zum Staunen ein. Die ausführliche Beschreibung erleichtert es dem pädagogischen Fachpersonal, alle Fragen rund um die Wildbienenherberge zu beantworten.

Und Aufklärung tut Not. „Wenn von Bienen die Rede ist, denken die meisten von uns sofort an die domestizierte Honigbiene. Dass es daneben in Deutschland noch knapp 600 Wildbienenarten gibt, wissen die wenigstens“, sagt Thomas Köhler. Viele Menschen würden eine Wildbiene nicht einmal erkennen, sondern sie für eine Fliege oder Wespe halten. Und diese Unkenntnis münde darin, dass noch weniger Menschen wissen, was Wildbienen brauchen, um überleben zu können.

Viele Insektenhotels sind Todesfallen für die Tiere

Doch wenn vom Insektensterben die Rede sei, sei nicht die Honigbiene gemeint. Nicht sie, sondern die Wildbienen brauchen Hilfe. „Unser Ziel ist es, das Wissen über diese Insekten zu schärfen“, betont Köhler. Dazu geht die Organisation Artenschutz in Franken, die in der gesamten Bundesrepublik tätig ist, gern in Kindergärten. Denn das dort vermittelte Wissen ist nachhaltig, es ist eine Investition in die Zukunft.

Von der Wildbienenherberge im Kinderhaus können viele Generationen profitieren. Denn sie hat eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren. Und auch wenn sie nicht mehr gewartet wird, erfüllt sie noch ihren Zweck. Die Insekten können sie auch ohne die Hilfe und den Forscherdrang der Wissenschaftler nutzen. Im Gegensatz zu den meisten Insektenhotels, wie Köhler betont. Denn viele dieser im Baumarkt erhältlichen Kästen seien Todesfallen für die Insekten. Viel sinnvoller sei es, bei Neubauten oder umfassenden Sanierungen bestehender Gebäude an die Wildbienen zu denken, und zwar insbesondere in einer Großstadt. „Es muss uns gelingen, dabei Module einzubauen, die von den Insekten zur Fortpflanzung genutzt werden können“, so Köhlers Plädoyer.

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