Insektensterben in Stuttgart Wer weiß, was da wuselt im Wiesental?

Von Felizitas Eglof 

Gegen das Insektensterben kann jeder etwas tun. Bei einer Exkursion mit Experten in Stuttgart-Büsnau haben die Teilnehmer das Einmaleins gelernt.

Erst unter der Lupe ist so manches Insekt gut zu erkennen. Foto: Felizitas Eglof
Erst unter der Lupe ist so manches Insekt gut zu erkennen. Foto: Felizitas Eglof

Büsnau - Fast 33 000 Insektenarten gibt es in Deutschland. Dass man da kaum alle bestimmen kann, liegt auf der Hand. Um aber einen kleinen Überblick zu bekommen, bietet Stefan Kress vom Naturschutzbund Stuttgart Insektenwanderungen an. „Ich möchte die Menschen damit einfach noch mehr auf das Thema Insekten sensibilisieren“, sagt der Biologe.

Und so ging es am vergangenen Sonntag ins Büsnauer Wiesental. Dort finden sich laut dem Biologen verschiedenste Lebensräume für Insekten: „Wir haben zum einen große Wiesen mit vielen verschiedenen Blumen, wo sich viele Insekten wohlfühlen.“ Natürlich gebe es aber auch „vergraste“ Wiesen, auf denen viel Gras wächst, aber wenig blüht. „Diese Wiesen sind für Insekten leider nicht optimal, da sie dort keine Blüten finden.“

Das sei wie Insektenyoga

Außerdem gibt es im Wiesental auch Wälder und Wasser – unterschiedliche Lebensräume mit unterschiedlichen Insekten. Um diese zu finden, dafür bekam jeder Teilnehmer ein Lupenglas, in dem er kleine Insekten für kurze Zeit fangen, und vom Experten bestimmen lassen konnte. „Meine Frau sagt immer: Das ist Insektenyoga: einfach mal die Natur genießen und alles um sich herum vergessen“, sagt Stefan Kress. Gefunden haben sie Erdhummeln, die neben ihrem orange-schwarzen Fell einen markanten weißen Popo haben, kleine Grashüpfer, Marienkäfer und eine rotbauchige Baumwanze.

So vielfältig das klingt, das Insektensterben findet auch im Wiesental statt. Das Tal ist eigentlich für den dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulingen bekannt. Dieser Schmetterling braucht zur Fortpflanzung eine bestimmte Pflanze und eine bestimmte Ameisenart. „Diese Bedingungen waren früher im Wiesental sehr gut erfüllt, jedoch werden auch Ameisenarten immer weniger, was dann direkten Einfluss auf diesen Schmetterling hat“, sagt Stefan Kress. Bei der Exkursion konnte jedenfalls keiner der Insektenwanderer einen dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulingen entdecken.

Die richtigen Blumensamen kaufen

Gelernt haben die Teilnehmer jedoch das Einmaleins des Insektenschutzes, um selbst etwas zu tun: „Wichtig ist, dass auch wir in der Stadt alle möglichen Flächen nutzen und diese den Insekten zur Verfügung stellen“, sagt Kress. So habe er in seinem nur zwölf Quadratmeter großen Garten in den vergangenen zwei Jahren pro Jahr 46 Insektenarten gezählt. Angelockt worden sei diese durch seine Blumenwiesen. Dabei ist jedoch einiges zu beachten: „Wichtig ist, dass Sie keine Blumensamen im Baumarkt kaufen, die kommen nämlich aus der ganzen Welt, sondern Sie brauchen regionale Blumensamen. Außerdem brauchen Sie Geduld“, sagt der Biologe. Im ersten Jahr wüchsen meistens nicht allen Blumen, und es dauere, bis sich die Insekten einfinden würden.

Wichtig sei, dass man komplett auf Gift im Garten verzichtet und wenig mäht. „Wenn Sie ab und zu einen englischen Rasen haben möchten, dann lassen Sie wenigstens einzelne Inseln für die Insekten frei. Dort können sie Schutz finden.“ Außerdem lohne es sich, Brennnessel stehen zu lassen, da diese eine wichtige Pflanze für Insekten seien. Und wer kein Insektenhotel kaufen oder bauen möchte, kann auch einfach ein Stück Boden offenlassen und nicht bepflanzen. „Die meisten Bienen und Hummeln leben nämlich in der Erde und können sich dann ein schönes Zuhause im Garten bauen.“

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie