Insektenstiche im Sommer Hornissen sind nicht so schlimm wie ihr Ruf

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Es klingt wie aus einem Horrorfilm: Plötzlich greift ein Schwarm Hornissen an. Eine absolute Ausnahme, denn in den allermeisten Fällen sind Hornissen friedliche Brummer.

Hornissen flößen schon allein aufgrund ihrer imposanten Größe Angst ein. Sie sind aber weniger angriffslustig als Bienen und Wespen. Foto: dpa

Schnakenbek/Stuttgart - Mit dem Schrecken und ein paar Stichen davongekommen: Nachdem bereits Mitte August eine Rentnergruppe an der Elbe bei Schnakenbek in Schleswig-Holstein von einem Schwarm Hornissen attackiert wurde, griffen jetzt Hornissen im baden-württembergischen Weingarten eine Wandergruppe an.

„Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen“

Die Nachricht von den sogenannten Kamikaze-Hornissen schürt die Panik, die viele Menschen überfällt, wenn eine dieser größten Vertreter der Faltenwespen im Anflug ist. „Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen“, sagt der Volksmund. Auch wenn diese Lebensweisheit beängstigend klingt, ist sie dennoch falsch. Denn Hornissen sind keine sonderlich aggressiven Insekten.

Hornissen sind zwar deutlich größer als Honigbienen und andere Wespenarten (bis zu 3,5 Zentimeter), aber nicht gefährlicher. Vielleicht sind es ihre lauten Fluggeräusche, die vielen einen Riesenschreck einflößen. Doch sie suchen schnell das Weite, wenn sie Menschen begegnen.

Hornissen-Nestern nicht zu nahe kommen

Weil sie nicht wie andere Wespenarten an süßen Speisen und Koteletts interessiert sind, meiden sie für gewöhnlich menschliche Behausungen. Hornissen ernähren sich von Baum- und Pflanzensäften, Fliegen, anderen Wespen oder Heuschrecken.

Gefährlich wird es nur dann, wenn die Tiere in unmittelbarer Nähe ihres Nestes gestört werden. Einen Mindestabstand von drei bis sechs Metern sollte man einhalten, wenn man Hornissen begegnet. In diesem Radius werden sie Volk und Königin beschützen. Möglicherweise sind die Betroffenen dem Nest zu nahe gekommen und wurden deshalb aus defensiven Gründen gestochen.

In einem Hornissennest leben nicht mehr als 200 bis 400 Tiere. Bei drohender Gefahr gehen aber nicht alle Bewohner auf den Angreifer los. Nur Arbeiterinnen stechen, die gerade „Wachdienst“ schieben.

Gift ist weniger wirksam als das von Bienen

Hornissen haben durch ihre Körpergröße zwar einen entsprechend größeren Giftblaseninhalt als Honigbienen, dafür hat das Gift eine geringere Wirksamkeit. Zudem ist das Gift von Hornissen und Wespen weniger toxisch als das von Honigbienen. Die Giftdosis, die über den Bienenstachel in den Körper gelangt, ist rund zehnmal so hoch wie bei einem Hornissen- und Wespenstich.

Dass ein Hornissenstich subjektiv als schmerzhafter empfunden werden kann, liegt zum einen am längeren und stärkeren Stachel der Tiere. Zum anderen enthält es den Bestandteil Acetylcholin, das weder im Gift der Honigbienen, anderer Wespenarten oder Hummeln vorkommt.

Meist harmlose Stechattacken

Für die meisten Betroffenen sind die Stechattacken harmlos. Die Rötungen, Schwellungen und der Juckreiz verschwinden nach wenigen Tagen wieder. Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen können jedoch die Folge sein, wenn man allergisch auf das Gift reagiert.

Von einer Insektenstich-Allergie sind bis zu drei Prozent der Bevölkerung betroffen. Jährlich werden mehr als 3000 Insektengiftallergiker durch Notärzte versorgt. Schätzungen zufolge sterben hierzulande jedes Jahr bis zu 20 Menschen infolge eines allergischen Schocks nach einem Stich durch eine Wespe oder Biene.

In der Regel treten heftige Reaktionen in den ersten zwei Stunden nach dem Stich auf. Ob man allergisch gegen Insektengift ist, zeigt sich erst, wenn man gestochen wurde. Verlässlich vorher abklären lässt sich das nicht.

Was tun im Notfall?

Man muss nicht mit jedem Bienen-, Hornissen- oder Wespenstich gleich zum Notarzt rennen. Örtlich begrenzte Reaktionen des Körpers kann man mit kühlenden Umschlägen oder cortisonhaltigen Cremes selbst behandeln. Wie aber soll man im Ernstfall reagieren? Beine hochlagern bei Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herzdruckmassage bei Kreislaufstillstand und aufrechte Sitzposition bei Atemnot.

Allergiker sollten immer ein Notfall-Set dabei haben: ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und Adrenalin. Bei einem anaphylaktischen Notfall muss man zuerst das Adrenalin in den Oberschenkelmuskel spritzen.

Ruhe bewahren

Wenn völkerbildende Insekten wie Bienen, Wespen, Hornissen oder Hummeln um einen ­herumschwirren, sollte man vor allem Ruhe bewahren. Auf keinen Fall darf man wild mit den Armen herumfuchteln, die Tiere verscheuchen oder Krach machen.

Bienen, Hornissen und Wespen fühlen sich schnell provoziert und wehren sich mit ihrem Giftstachel. Wer schon mal gestochen wurde, weiß wie weh das tun kann. Hummeln sind geduldiger, aber genauso Stachelbewehrt.

Nicht Anpusten

Hornissen werden genauso wie Wespen durch Atemluft und Anpusten zum Stechen gereizt. Stößt man auf ein Hornissennest, sollte man vor allem ruhig bleiben und gleichmäßig atmen, rät Carsten Pusch vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein. „Die Insekten reagieren nämlich auf verstärkten Kohlenstoffdioxid-Austausch.“

Noch ein Tipp: Abstand halten, sich zügig ohne hektischen Bewegungen zurückziehen und am besten die Nähe von Hornissen- und Wespennestern ganz meiden.