Für die insolvente Bäckereikette Lang muss bis Ende März eine Lösung gefunden werden. Bis dahin werden die Löhne von der Arbeitsagentur übernommen – doch nicht für alle Mitarbeiter.

Stuttgart - Schuld am den massiven Problemen der Bäckereikette Lang ist ein brutaler Wettbewerb und der Preisdruck der Lebensmitteldiscounter. So beschreibt es der Sprecher des Insolvenzverwalters in einer aktuellen Erklärung. Das Unternehmen mit mehr als 550 eigenen Angestellten hatte am Freitag Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Löhne sollen nun bis Ende März von der Arbeitsagentur bezahlt werden. Davon profitieren jedoch nicht alle Mitarbeiter.

 

Die Bäckerei Lang ist in unterschiedliche Gesellschaften aufgegliedert. Sowohl die Max Lang Bäckerei-Konditorei GmbH & Co. KG als auch die Bäckerschmiede GmbH (Stefansbäck) sowie zwei weitere Beteiligungsgesellschaften sind zahlungsunfähig. „Zum vorläufigen Insolvenzverwalter für alle vier Gesellschaften wurde Wolfgang Bilgery von der Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart bestellt“, berichtet dessen Sprecher Veit Mathauer.

Pächter müssen Löhne selbst zahlen

Der Großteil der Filialen sind verpachtet

Unter dem Namen Stefansbäck laufen unter anderem die 90 Filialen, die Lang 2010 von der Bäckereikette Kamps übernommen hat. Zudem ist die Gruppe mit zwei weiteren Filialnamen, Lang und Sparback, am Markt vertreten. Von 165 Ladengeschäften sind jedoch nur 71 Filialen Teil des Unternehmens. 94 werden von Franchisepartnern betrieben. Diese werden ausschließlich von Lang beliefert und tragen selbst das unternehmerische Risiko ihrer Filiale. Die Mitarbeiter in diesen Bäckereien profitieren damit nicht vom Insolvenzgeld, mit dem die Agentur für Arbeit die Löhne der Beschäftigten insolventer Firmen für drei Monate übernimmt. In diesen Genuss kommen lediglich die 556 direkt bei Lang und Bäckerschmiede Beschäftigten.

„Die Pächter der Franchise-Filialen behalten einen Teil des Umsatzes für sich. Davon müssen Sie weiterhin die Löhne ihrer eigenen Mitarbeiter bezahlen“, sagt Dieter Kindler, der Stuttgarter Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Es sei jedoch möglich, so der Gewerkschafter, dass Lang unrentable Filialen künftig nicht mehr beliefern werde. „Das wird sich in den kommenden vier bis sechs Wochen entscheiden“, so Kindler.

Die Löhne der Angestellten sind nach Angaben von Veit Mathauer nun bis einschließlich März gesichert. Bis zu diesem Zeitpunkt muss der Insolvenzverwalter ein tragfähiges Konzept für die angeschlagene Großbäckerei finden, da Lang von April an die Lohnkosten wieder selbst tragen muss. Auf die Frage, ob Stellen abgebaut werden, gibt es bislang keine Antwort. Derzeit heißt es: „Aufgrund des Insolvenzverfahrens gab es bisher keine betriebsbedingten Kündigungen“, erklärt der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Modell der Fast-Food-Branche

Pro Jahr schließen in Deutschland 300 Bäckereien

Branchenkenner beobachten seit einigen Jahren einen scharfen Verdrängungswettbewerb in der Branche. Der Mindestlohn und die Konkurrenz durch Backshops und Backautomaten bei Lebensmitteldiscountern, die laut NGG in den vergangenen zwei bis drei Jahren erst aufgekommen sind, machten den etablierten Bäckereien immer mehr zu schaffen. Auch seien Bäckereien aufgrund der relativ geringen Umsätze pro Kunde auf eine gute Frequenz am jeweiligen Standort angewiesen. Das sei in Stuttgart nicht überall gegeben.

Laut Bundes-NGG hat sich die Branche in den vergangenen 20 Jahren vollkommen gewandelt. „Pro Jahr schließen in Deutschland 300 Bäckereien“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Im vergangenen Jahr seien es 500 gewesen. Die Praxis der Filialisierung hätten sich die Bäcker von Schnellrestaurants wie Mc Donald’s und Burger King abgeschaut, so der Sprecher.

Ob es abseits der Konkurrenz der Discounter weitere Gründe für die Schieflage des Unternehmens gebe, will der Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen prüfen. In der zweiten Märzhälfte will er dazu eine Erklärung abgeben. Für die Lang-Kunden soll die Insolvenz vorerst nicht spürbar werden. Produktion und Verkauf liefen ungestört weiter, so Mathauer.