Insolventer Ditzinger Oldtimer-Restaurator Kienle musste schon länger um die Liquidität bangen

Der Oldtimer-Restaurator Klaus Kienle mit prüfendem Blick Foto: Simon Granville/ 

Die Geschäftsberichte vergangener Jahre zeugen von wirtschaftlichen Problemen beim Ditzinger Oldtimer-Händler Klaus Kienle, die nicht mit den aktuellen Betrugsermittlungen zusammenhängen.

Die erste Diagnose des vorläufigen Insolvenzverwalters ließ wenig Deutungsspielraum: „Dass das Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage geriet, ist eine Folge der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg“, teilte der Stuttgarter Anwalt Philipp Grub über den Ditzinger Betrieb Kienle Automobiltechnik mit. Die im Bundesanzeiger einsehbaren Geschäftsberichte zeigen, dass die Firma jedoch schon Liquiditätsprobleme beschäftigt haben, bevor es Ende Mai 2023 zur Razzia wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug kam.

 

Im Lagebericht zum Jahresabschluss 2021 ist verzeichnet, dass im November das Betriebsgrundstück in Ditzingen-Heimerdingen für 1,6 Millionen Euro verkauft und anschließend zurückgemietet wurde. „Der Verkauf dient dem Ausbau der Liquidität, die für die Fortführung der operativen Tätigkeit der Gesellschaft benötigt wird“, heißt es dort. Unterm Strich wurde damit ein Jahresgewinn von 48 300 Euro erreicht. Im Jahr davor, geprägt von den Corona-Lockdowns, musste Kienle einen Verlust von 1,1 Millionen Euro verbuchen.

Der Prüfer stellt den Wert von Ersatzteilen in Frage

Der schmale Gewinn von 2021 trägt den Makel, dass der Abschluss vom Wirtschaftsprüfer nur mit Einschränkung bestätigt wurde. Wie schon in mehreren Vorjahren wurde der Wert des laut Kienle rund 40 000 Teile umfassenden und auf 6,8 Millionen Euro taxierten Ersatzteillagers in Frage gestellt, speziell die „Vorratsbestände für Fahrzeugtypen, für die derzeit nicht regelmäßig Restaurationen stattfinden oder anderweitige Verwendung besteht“. Das Ersatzteillager war 2021 wie auch der Fahrzeugbestand (2,5 Millionen Euro) kreditfinanziert, wobei die Kredite durch Sicherungsübereignung des Lagers und einzelner Autos an die Geldgeber besichert wurden. Die Personalkosten für 53 Beschäftigte summierten sich auf 4 Millionen Euro.

In Summe schrieb Kienle im Zehnjahreszeitraum 2012 bis 2021 Verluste. Das steht im Kontrast zum weltweiten Renommé des Betriebs, der Insolvenzverwalter Grub spricht vom weltgrößten von der Mercedes Benz Group unabhängigen Restaurierungs-Fachbetrieb für klassische Mercedes-Benz-Automobile. Die Folgen von Corona sind dabei nicht zu übersehen, aber auch in besseren Geschäftsjahren blieb die Gewinnmarge zumeist mager. Brancheninsider sind davon nicht sonderlich überrascht, denn der Personal- und Materialeinsatz im Restaurierungsgeschäft ist hoch, und im Handel sind nicht nur die Verkaufs-, sondern auch die Einkaufspreise gestiegen.

Bei Kienle lag die Eigenkapitalquote 2021 laut Jahresabschluss bei 0,1 Prozent, die Bilanzsumme bei knapp 13 Millionen Euro. Nach Investoren wird schon seit einiger Zeit gesucht, unter anderem hat Mercedes-Benz Anfang 2023 eine Übernahme geprüft und wieder verworfen. Dass die Betrugsermittlungen die Finanzlage des Betriebs kurzfristig verschärft haben, dürfte kaum in Zweifel stehen, es ist ein Teil des Gesamtbilds. Grub spricht von zahlreichen Kunden, die eingeplante Aufträge zurückgezogen haben.

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