Insolvenz der HB Ludwigsburg Streit eskaliert – Olymp-Chef: „Mit unserem Vorschuss alte Löcher gestopft“

, aktualisiert am 10.09.2025 - 13:56 Uhr
Mark Bezner, geschäftsführender Gesellschafter von Olymp, weist die Kritik des HB Ludwigsburg an seinem Unternehmen und seiner Familie zurück. Foto: Olymp

Der Streit rund um die Frauen-Handballer eskaliert: Olymp-Chef Mark Bezner weist die Vorwürfe des Vereins zurück und macht seine persönliche Darstellung zu den Ereignissen öffentlich.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

Lange hatte sich Mark Bezner mit Äußerungen zur Insolvenz des Frauen-Handball-Bundesligisten HB Ludwigsburg zurückgehalten. Nur mittels weniger Pressemitteilungen hatte der geschäftsführende Gesellschafter des Modeunternehmens Olymp etwas zum Schiffbruch des einstigen Vorzeigeklubs gesagt. „Ich habe absolut kein Interesse an einer Schlammschlacht“, sagt Bezner.

 

Dennoch hat der Chef des jahrzehntelangen Hauptsponsors nun Redebedarf und macht seine persönliche Darstellung zu den Ereignissen öffentlich. „Der in der öffentlichen Wahrnehmung entstandene und durch unwahre Behauptungen geschürte Eindruck, Olymp und Eberhard Bezner seien schuld an der wirtschaftlichen Schieflage und der anschließenden Insolvenz der HBL, entspricht meiner Meinung nach nicht den Tatsachen“, sagt Mark Bezner.

Mail von HBL-Chef Köhle bringt Fass zum Überlaufen

Der Auslöser für seinen Unmut: eine E-Mail von Christian Köhle, dem Vorsitzenden der HB Ludwigsburg, an Mitglieder, Partner und Sponsoren, Förderer und ehrenamtliche Helfer. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, macht Christian Köhle die Bietigheimer Unternehmerfamilie mitverantwortlich für die Insolvenz des Vereins und die darauffolgende Einstellung des Spielbetriebs.

Spielerin Xenia Smits mit dem Olymp-Trikot der HB Ludwigsburg. Foto: Pressefoto Baumann

Der Vorwurf: Die Familie Bezner habe im Juni 2024 völlig unerwartet und plötzlich darum gebeten, eine abgegebene Patronatserklärung wieder zurückzugeben. Bei einer solchen Erklärung handelt es sich um eine garantieähnliche Zusage, die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners zu sichern, um dessen Kreditwürdigkeit gegenüber Banken oder Investoren zu stärken.

Olymp-Chef Mark Bezner beklagt: „Ich wurde zu lange im Dunkeln gelassen“

Abgegeben hatte diese Erklärung der Seniorchef des Hemdenherstellers, Eberhard Bezner, der über das Sponsoring des Unternehmens hinaus seit Jahren mit seinem Privatvermögen die zahlreichen Titelgewinne der Mannschaft maßgeblich ermöglicht hatte.

Diese Patronatserklärung seines Vaters sei aus rechtlichen Gründen in eine Sponsorenvereinbarung für zwei Saisons umgewandelt worden, lässt Mark Bezner verlauten. Diese wiederum habe der Verein dann als Sicherheit bei der Kreissparkasse hinterlegt, um an frisches Geld zu kommen. „Darüber wurde ich nicht informiert“, stellt der Olymp-Chef klar.

Generell beklagt der Förderer, er sei zu lange im Dunkeln über die finanzielle Situation des Vereins gelassen worden. Noch kurz vor dem Bekanntwerden der Insolvenz habe er auf das zum Quartal vertraglich vereinbarte Gespräch mit der Vereinsführung gedrängt. „Es hat dann trotz Einforderung nicht stattgefunden und wenige Wochen danach erhielt ich bei einer Messe in Florenz einen Anruf. Dann wusste ich, warum ich nicht aufgeklärt wurde“, berichtet Bezner.

Olymp-Chef Bezner: „Wollte Verein nicht hängenlassen“

Dieser Anruf, in dem er erst von der drohenden Insolvenz des Vereins erfahren haben will, sei zur Enttäuschung Bezners jedoch nicht vom Verein gekommen, sondern von einer dritten Person, die „in diesem Ding auch eine große Rolle spielt, weil er auch großes Interesse gehabt hat, dass es gut funktioniert“.

Er habe den Verein nicht hängen lassen wollen, betont Bezner. Denn trotz der ein Jahr zuvor frühzeitig mitgeteilten Reduzierung des Sponsoringumfangs für die aktuelle Saison sei man wie in der Vergangenheit für seine Verpflichtungen eingestanden. Mit dem weiterhin hohen Betrag, den Olymp an den HB Ludwigsburg geleistet habe, hätte man dennoch ausgesprochen erfolgreich sein können, ist Bezner überzeugt.

Umzug der Handball-Frauen zu HB Ludwigsburg „neutral gegenübergestanden“

Darüber hinaus habe das Unternehmen einen Vorschuss gewährt. „Im Juni dieses Jahres sind wir gebeten worden, finanziell in die Vorleistung zu gehen, um die Sommerlücke zu schließen. Dem Wunsch sind wir nachgekommen, weil ich das Vorhaben natürlich auch nicht gefährden wollte“, erzählt Bezner. „Leider hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass mit dem Vorschuss, den wir im Juni getätigt haben, noch ganz alte Löcher bis in den Mai hinein gestopft worden sind“, so der Unternehmer weiter.

Dem Umzug der Frauenmannschaft, die zuvor als SG BBM Bietigheim erfolgreich war, aus der Stadt des Stammsitzes des Unternehmens nach Ludwigsburg sei er neutral gegenübergestanden. Das habe keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt, das Sponsoringbudget stark zu reduzieren, erklärt Bezner. Vielmehr seien unternehmerische Gründe dafür verantwortlich gewesen.

Die bereits in der vergangenen Saison entstandene Finanzierungslücke von mindestens zwei Dritteln des Etats konnte der Verein nicht mehr schließen und stellte am 22. Juli beim Amtsgericht Ludwigsburg einen Insolvenzantrag.

Weitere Zusammenarbeit von Olymp und HB Ludwigsburg ist unwahrscheinlich

 „Es ist sehr, sehr bedauerlich, dass dieses Lebenswerk, vor allem meines Vaters, so jäh endet und vor allem so grausam“, erklärt Bezner. Ob er mit seinem Unternehmen bei einem vom Verein geplanten Neustart in der zweiten Liga mit an Bord ist, lässt er offen. Nach den neuesten Entwicklungen scheint ein erneutes großes Engagement von Olymp jedoch unwahrscheinlich. Das Tischtuch zwischen allen Beteiligten scheint zerschnitten – und der Schlusspfiff im ausufernden Streit wohl noch nicht ertönt.

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