Insolvenz der Klier Hair Group Zukunft der Filialen ungewiss – auch in Stuttgart

Das ist die charakteristische Eingangssituation für einen Besuch bei Frisör Klier Foto: privat

Die Friseurkette Klier ist insolvent. Wie viele Filialen der Klier Hair Group in Stuttgart und Region geschlossen werden, ist derzeit noch ungewiss. Dabei hat der Abbau schon begonnen.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Stuttgart - Wenn Valentina S. sich mal wieder was besonders Gutes gönnen möchte, ist ein Friseurbesuch für sie eine bevorzugte Wahl. Und da geht sie nicht zu irgendeinem, sondern zum Frisör Klier im Milaneo. „Die sind immer Top in der Beratung und wissen genau, was zu mir passt“, schwärmt sie. Die 180 Euro für einen Termin sind das der 30-Jährigen Angestellten wert. Die unmittelbare Umgebung in der Shopping-Mall dürfte da auch Weiteres beitragen zu ihrem Wohlgefühl. Und ihre Mutter geht ja auch bevorzugt zu Klier.

 

Da wundert es dann doch, dass dieses traditionsreiche Familienunternehmen Insolvenz angemeldet hat, nach eigenen Angaben heute Europas führender Friseurdienstleister mit weiteren Marken unterm Dach wie Essanelle, Super cut, Styleboxx, HairExpress, Cosmo beautyhairshop und Klier Hair World. Wie viele der etwa 1350 Filialen nun geschlossen werden müssen, darüber macht das familiengeführte Unternehmen derzeit noch keine Angaben. Da wird lieber nach vorne geschaut: „Das Gericht bestätigt uns eine positive Fortführungsprognose“, heißt es von der Firmenspitze.

Und: „Bei der Klier Hair Group (KHG) geht es weiter. Ziel ist die nachhaltige Sanierung.“ Michael Melzer, Vorsitzender der Geschäftsführung, streut etwas Salz in die Wunden: „Wir müssen uns leider von dauerhaft unprofitablen Salons und Shops trennen. Jede Standortschließung tut weh. Aber nur so können wir die KHG als Ganzes erhalten und die große Mehrheit der Arbeitsplätze sichern. Langfristig werden wir in den nächsten Jahren gezielt in Mitarbeiter, Marken und Digitalisierung investieren.“

Von einst drei Filialen gibt es im Milaneo noch eine

Dabei hat der Abbau bereits begonnen. Andrea Poul, Center Managerin vom Milaneo: „Die Klier Group war bei uns schon mit drei ihrer Shopkonzepte vertreten, und zwar von unserem ersten Tag an. Jetzt ist noch eines übrig geblieben“. Mutter und Tochter wird es freuen: Das ist der Klassiker Frisör Klier. Ob es mit ihm weitergeht, da lässt Poul derzeit Diskretion walten. Aber man darf da schon davon ausgehen, dass da derzeit hart verhandelt wird etwa über die Pacht.

In einer anderen Stuttgarter Shopping-Mall, der Schwabengalerie in Vaihingen, ist Klier mit einer Super-Cut-Filiale vertreten. Bislang sei noch keine Kündigung dieser Ladenfläche eingereicht worden, so Franz Jebavy, der Center Manager der Schwabengalerie. Jebavy sagt aber auch deutlich: „Um den Centerbetrieb möglichst reibungslos aufrechtzuerhalten, sind wir bereits jetzt in Gesprächen mit potenziellen Nachmietern“. An Alternativen scheint es nicht zu mangeln: „Zusätzlich ziehen wir je nach Bedarfsfall auch Interimsvermietungen, Pop-up-Stores oder die Vergrößerung von Ladenflächen expansionsfreudiger Händler in Betracht.“ Da schaut Jebavy eben auf Kundeninteressen: „Wir wollen den Mietermix aufrechterhalten, damit die Nahversorgung auch in Corona-Zeiten gesichert ist und das Einkaufen in der Schwabengalerie den Centerbesuchern auch künftig Freude macht.“

Enormer Wettbewerbsdruck

Corona spielt da natürlich eine große Rolle, auf jeden Fall werden da verschiedene Entwicklungen der vergangenen Jahre beschleunigt.

Das bestätigt Harald Kettenbach, Medien-Kommunikator für die Klier Group: „Eine zentrale Ursache für die aktuelle Situation der Klier Group ist der enorme Wettbewerbsdruck in der Friseurbranche. So lassen sich in den meisten Salons und Shops nur geringe Margen erwirtschaften, aus denen die wiederum sehr hohen Fixkosten wie etwa Mieten bestritten werden müssen.“ Kettenbach weiter: „Aufgrund der seit Jahren stetig sinkenden Kundenfrequenz besonders in den Innenstädten geraten diese Margen immer weiter unter Druck, sodass betroffene Salons und Shops auf Dauer nicht mehr kostendeckend wirtschaften können.“

Die Besucherfrequenz fehlt

Kettenbach schaut auch da lieber nach vorne: „Der Erfolg eines Friseursalons hängt maßgeblich von der Attraktivität seines Umfelds ab. Wir sehen es als Gemeinschaftsaufgabe von Politik und Wirtschaft, an der Attraktivität von Innenstädten und Einkaufszentren im Interesse einer hohen Besucherfrequenz zu arbeiten. Das gilt aus unserer Sicht für jeden Friseursalon, egal ob es sich um einen Einzelunternehmer oder um einen Salon einer größeren Unternehmenskette handelt.“

Und in Sachen Besucherfrequenz sieht es in der Tat derzeit sehr trübe aus, das kann jeder beobachten, der sich an einem Werktag am frühen Abend durch die Shopping Center oder die Einkaufsstraßen der Stadt bewegt: Das Verkaufspersonal ist vor allem Darsteller seiner selbst, Beratungsbedarf besteht kaum. Kunden sind Mangelware.

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