Insolvenz Die Tupperparty ist vorbei

Bunte Schüsseln: das Sortiment von Tupperware. Foto: imago stock&people/imago stock&people

Von der Kultfirma mit Weltruhm zum abgehalfterten Krisenfall: Frischhaltedosen von Tupperware sind seit Jahrzehnten in vielen Haushalten im Einsatz, doch das US-Unternehmen plagen Geldsorgen. Die Sanierung ist vorerst gescheitert – Tupperware hat Insolvenz beantragt.

Jahrzehnte prägten die Frischhalteboxen von Tupperware Haushalte rund um den Globus, einige der bunten Schüsseln und Dosen wurden als Designklassiker in Museen und Kunsthallen ausgestellt. Tupper revolutionierte mit seinen Verkaufspartys die Produktvermarktung und verhalf dem Direktvertrieb zum Durchbruch. Das über 80 Jahre alte Unternehmen genießt bei vielen Menschen bis heute Kultstatus, steckt jedoch schon lange in der Krise. Jetzt ist klar: Die Sanierungsversuche sind gescheitert – Tupperware ist pleite.

 

„Die finanzielle Lage des Unternehmens wurde in den letzten Jahren durch das herausfordernde wirtschaftliche Umfeld stark beeinträchtigt“, erklärte Tupper-Vorstandschefin Laurie Goldman zum Insolvenzantrag. Am Finanzmarkt war angesichts hoher Verbindlichkeiten und zähen Verhandlungen mit Kreditgebern schon seit Tagen darauf spekuliert worden, dass das Unternehmen Gläubigerschutz sucht. Die Aktie brach seit Wochenbeginn um 55 Prozent ein, der Kurs lag zuletzt nur noch bei 50 US-Cent.

Sanierungsversuch gescheitert

Das Verfahren nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts soll es Tupperware ermöglichen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, während nach neuen Investoren und Geldquellen gesucht wird. Liquiditätssorgen plagen das Unternehmen schon seit Jahren, bereits 2020 warnte es vor einer drohenden Pleite. Nach einem gescheiterten Versuch, über 700 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten umzuschulden, soll jetzt ein Notverkauf Tupperware retten. Dem muss das Insolvenzgericht jedoch erst zustimmen.

Von den internationalen Tochterfirmen stellt laut US-Gerichtsunterlagen nur die Schweizer Tupperware Products AG ebenfalls einen Insolvenzantrag. Aus der Schweiz kommt einer der zehn Gläubiger. Die restlichen stammen aus den USA.

Auch Deutschlandgeschäft betroffen?

Ob und inwieweit die Krise das Geschäft in Deutschland betrifft, blieb vorerst unklar. Auf eine E-Mail-Anfrage unserer Zeitung reagierte die Tupperware Deutschland GmbH in Frankfurt zunächst nicht, auch telefonisch war die Pressestelle nicht erreichbar.

Hierzulande ist Tupperware seit 1962 aktiv und entwickelte sich rasch zu einer prägenden Marke im Aufschwung der Nachkriegszeit. Dank der Tupperpartys verbreiteten sich die Frischhalteboxen, deren Kunststoffdeckel beim Schließen den charakteristischen Laut von sich geben, in den Wirtschaftswunderzeiten rasant.

Earl Tupper und seine Wunderschüsseln

Allerdings ist diese glorreiche Ära längst vorbei und der Weltruhm des Unternehmens aus dem sonnigen Orlando im US-Ostküstenstaat Florida lange verblasst. Während Firmengründer Earl Tupper sich mit seinen bunten „Wunderschüsseln“ Mitte des vergangenen Jahrhunderts noch als kreativer Vordenker erwies, kam das Unternehmen mit den Trends in der Gegenwart nicht mehr mit und fiel immer stärker zurück. Tupperware verschlief den Onlineshoppingboom, und die Konkurrenz im Markt wurde immer schärfer – günstigere Nachahmerprodukte setzten den Konzern unter Druck.

Zwar bemühte sich das Management, mit einem erweiterten Angebot von Wasserfiltern, Mikrowellenprodukten bis hin zu Pflege- und Kosmetikartikeln und einer Expansion in Asien neue Absatzwege zu erschließen. Doch trotz eines kurzen Umsatzschubs in der Coronapandemie, als viele Menschen zuhause kochten, wollte die Trendwende nicht gelingen. In den letzten Jahren machte der Frischhaltedosen-Pionier eigentlich nur noch durch Führungschaos, Absatzschwäche und hohe Schulden von sich reden. An der Börse wurde die Aktie zum Spekulationsobjekt mit starken Kursschwankungen.

Zuletzt trauten sich nur noch ganz abgebrühte Zocker an die Tupper-Papiere. Doch trotz aller Probleme setzten am Finanzmarkt in den vergangenen Jahre immer mal wieder heiße Wetten auf Tupperware ein – besonders, wenn die Aktie ins Visier der einschlägigen Hobby-Anlegerforen im Internet geriet. Am Ende dürften sich die meisten die Finger damit verbrannt haben. Der Kurs liegt seit Monaten bei weniger als anderthalb US-Dollar, vor der Insolvenz ging es dann noch mal steil bergab. Zum Vergleich: Ende 2013 hatten die Papiere zeitweise mehr als 90 Dollar gekostet.

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