Insolvenz Papierfabrik Scheufelen ist insolvent

Von Imelda Flaig 

Die Insolvenz der traditionsreichen Papierfabrik wird etliche der rund 340 Jobs kosten. Der Betrieb läuft erst einmal weiter und es gibt auch eine Perspektive: Graspapier soll die Zukunft des Standorts Lenningen (Kreis Esslingen) sichern.

Blick auf die traditionsreiche Papierfabrik Scheufelen im Lenninger Tal. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Foto: Scheufelen
Blick auf die traditionsreiche Papierfabrik Scheufelen im Lenninger Tal. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Foto: Scheufelen

Lenningen - Die angeschlagene traditionsreiche Papierfabrik Scheufelen in Lenningen (Kreis Esslingen) hat die Notbremse gezogen und am Dienstag beim Amtsgericht Esslingen Insolvenz angemeldet. „Ohne diesen Schnitt hätte der Standort keine Überlebenschance. Die Zellstoffpreise würden uns auf Dauer das Genick brechen“, sagte Geschäftsführer Stefan Radlmayr. Im Geschäftsjahr 2017 machte Scheufelen mit 340 Beschäftigten 83 Millionen Euro Umsatz und produzierte 104 000 Tonnen Papier.

Scheufelen steckt schon länger in Schwierigkeiten und schreibt Verluste. Im Mai 2016 wurde die Papierfabrik von einem Unternehmerkonsortium übernommen und konnte seither die wirtschaftliche Situation verbessern – durch etliche Restrukturierungsmaßnahmen, einen teilweise Lohnverzicht der Belegschaft und eine grundlegende Neuausrichtung auf den Verpackungsmarkt. Allerdings konnte die Firma den „Turnaround angesichts massiver Preissteigerungen für Zellstoff und Chemikalien 2017 unter der gegebenen Rohmaterial-, Kosten – und Produktstruktur nicht erreichen“, heißt es weiter. Die Branche steht unter massivem Druck. Erst letzte Woche meldete die Papierfabrik Feldmühle Uetersen Insolvenz an.

Packaging Campus Lenningen ist nicht von der Insolvenz betroffen

Bei Scheufelen laufen Produktion und Vertrieb weiter. Gehälter und Löhne seien bis März durch die Agentur für Arbeit sichergestellt, sagt Radlmayr. Ein Personalabbau sei unumgänglich, er geht von einer „deutlichen Reduktion“ der Mitarbeiter aus. Dennoch sieht er die Zukunft des Unternehmens positiv. Dabei setzt er auf die partnerschaftliche und weiter bestehende Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Igepa Group für das gestrichene hochweiße Feinstpapier Heaven 42 und den Verpackungskarton Phoenolux, sowie auf das große Kunden- und Investoreninteresse an Graspapier. Dessen Entwicklung und Markteinführung läuft über den neu gegründeten Packaging Campus Lenningen in Kooperation mit der Hochschule für Medien in Stuttgart und soll Scheufelen mittelfristig unabhängig von den Zellstoffmärkten machen. Der Campus ist nicht von der Insolvenz betroffen.

Scheufelen war bisher überwiegend Hersteller gestrichener Premium- und Bilderdruckpapiere für den von Überkapazitäten und Margendruck geprägten graphischen Sektor. Im Geschäftsjahr 2016 wurde unter der Marke phoenolux ein hochweißer Zellstoffkarton für Luxus- und Premiumverpackungen in den Markt eingeführt und die stark wachsende Verpackungsindustrie als neuer Kundenkreis erschlossen. Zuletzt hatte Scheufelen mit Graspapier, einem revolutionären, nachhaltigen und kostengünstigen Papier für graphische und Verpackungsanwendungen, vielversprechende Grundlagen für die Zukunft des Unternehmens gelegt. Scheufelen Graspapier zeichnet sich durch die Verwendung von mindestens 40 Prozent getrockneten, nicht chemisch aufgeschlossenen Grasfasern mit einem Wachstumszyklus von wenigen Monaten aus.