Insolvenz von Thomas Cook Bei Condor hofft man noch auf Rettung

El Condor pasa: Trotz der Pleite des Mutterkonzerns hat die deutsche Fluggesellschaft Hoffnung. Foto: StN

Für den britischen Konzern Thomas Cook sieht es mau aus, aber die deutsche Fluggesellschaft Condor fliegt vorerst weiter.

Stuttgart - Ausgerechnet der Erfinder der Pauschalreise, Thomas Cook, hat der gesamten Reisebranche einen schweren Stoß versetzt. Die Insolvenz des zweitgrößten Touristikkonzerns Europas sorgt auch bei deutschen Urlaubern für erhebliche Verunsicherung. So war am Montag nicht klar, welche Urlaubsreise noch angetreten werden kann, wer mit welchem Veranstalter oder welcher Fluggesellschaft aus seinem Urlaubsort zurückkommt – und wie es überhaupt weitergehen wird mit Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher und Öger, Air Marin oder dem Ferienflieger Condor. Nicht betroffen von der Insolvenz ist der Reiseveranstalter Aldiana. Und auch viele deutsche Reisebüros mit den Schriftzügen von Thomas Cook könnten verschont bleiben, da die Mehrheit dieser rund 1200 Vertriebsstellen als Franchise-Nehmer oder Kooperationspartner mit dem britischen Konzern zusammenarbeitet.

 

Bei Condor, der einstigen Lufthansa-Tochter, gab man sich zuversichtlich: Man werde weiterfliegen, verkündete die Zentrale in Oberursel selbstbewusst. Allerdings dürfe man keine Kunden des Konzerns mehr als Gäste an Bord nehmen, weil Thomas Cook keine Gewährleistung zur Durchführung der Reisen der eigenen Kunden mehr übernehme. Aufgrund der Insolvenz der Muttergesellschaft jedoch könnte auch Condor in Turbulenzen kommen, Ausgang noch offen. Die Fluggesellschaft hat sich aber schon vor einiger Zeit auf eine breitere Basis gestellt.

48 Millionen Euro Gewinn stehen für 2018 zu Buche

Von den rund acht Millionen Fluggästen, die die Oberurseler im vergangenen Jahr geflogen haben, hatten über 50 Prozent ihre Tickets direkt bei Condor gebucht. Gut 45 Prozent steuerten die deutschen TC-Töchter bei. 58 der insgesamt 105 Flugzeuge des Konzerns fliegen für die deutsche Condor. Unterm Strich hat sich die Eigenvermarktung für Condor ausgezahlt, 48 Millionen Euro Gewinn stehen für 2018 zu Buche. Damit befinden sie sich in einer Reihe mit dem Marktführer Tui, der seinen Gewinn inzwischen auch weitgehend aus selbst organisierten Reisen, vor allem Kreuzfahrten, sowie den Einnahmen aus den eigenen Hotels erzielt. Noch mehr Zuversicht könnte das Management bei Condor schöpfen, wenn die Lufthansa ihr Interesse an dem Ferienflieger erneuern sollte. Zwar kommentierte die Kranich-Linie am Montag das Thema nicht weiter, verwies nur darauf, dass man nicht beabsichtige, in das Reiseveranstaltergeschäft einzusteigen, und daher auch keine Übernahme von Thomas Cook plane. Aber Condor würde durchaus (wieder) in den Lufthansa-Konzern passen, schon im Sommer hatte man ein Übernahmeangebot abgegeben. Dies wurde jedoch hinfällig, nachdem der chinesische Großaktionär Fosun ein Rettungspaket für den gesamten TC-Konzern geschnürt hatte.

Grundsätzlich ist der Anteil der organisierten Reisen über Reisebüros oder Veranstalter deutlich gestiegen, wie eine Untersuchung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ergeben hat. Bevor das Internet als Konkurrent auf den Markt kam (vor 1995), wurden demnach 41 Prozent aller Urlaubsreisen über Reisebüros oder Veranstalter gebucht. 2018 waren es gut 49 Prozent. Ganz ohne professionelle Unterstützung verreist nur noch rund ein Drittel der Urlauber.

Die Deutschen sind eifrige Reisende

Insgesamt sind die Deutschen aber nach wie vor eifrige Reisende. Um fünf Prozent auf 68 Milliarden Euro waren die Reiseausgaben im vergangenen Jahr gestiegen. Die Reiseausgaben im Ausland entsprachen dabei rund 4,7 Prozent des gesamten privaten Verbrauchs der Bundesbürger. 78 Prozent der Deutschen reisen mindestens einmal pro Jahr für mehr als fünf Tage, alles in allem waren es mehr als 70 Millionen Urlaubsreisen.

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