Instrumentenbauer mit Leidenschaft Die Meistergitarre ist unverkäuflich

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Aus Jan Wenks Werkstatt in Lahr kommen handgemachte Instrumente, die individuelle Wünsche erfüllen.

Eine der Besonderheiten an  Jan Wenks Gitarre: schräg gestellte Bundstege Foto: Christoph Breithaupt
Eine der Besonderheiten an Jan Wenks Gitarre: schräg gestellte Bundstege Foto: Christoph Breithaupt

Lahr - Gitarren gibt es wie Sand am Meer. Die Fabriken von Fender, Gibson, Martin, Taylor oder Cort werfen jährlich Hunderttausende von Saiteninstrumenten – elektrische oder akustische – auf den Markt. Braucht es da noch handgemachte? Jan Wenk rückt seine 195 Zentimeter ein wenig höher im Stuhl, seine Stirn kräuselt sich, die Frage behagt ihm nicht. „Die Industrie ist schon sehr gut geworden“, gibt er zu. „Aber“, die Gesichtszüge des 30-Jährigen aus Lahr (Ortenaukreis) entspannen sich wieder, „ich werde gut und präzise arbeiten und kann individuelle Wünsche erfüllen.“ Das Handwerk, das schöpferische Vermögen, eine Gitarre selbst zu bauen, sie nach den eigenen Vorstellungen oder die der Kunden zu gestalten, auch mal etwas Neues auszuprobieren, das hat ihn mit Leib und Seele gepackt.

„Ja, Leidenschaft, das ist es“ – es klingt wie ein Geständnis. Anders geht das wohl auch nicht. Noch muss sich Wenk mit Nebenjobs und Reparaturen wirtschaftlich über Wasser halten. Der mit 5000 Euro dotierte Gründerpreis der Stadt Lahr wird ihm helfen, seinen Werkzeugbestand zu erweitern, manches baut er einfach selbst.

Von der Trompete zur Gitarre

Es war nicht nur die Musik, es hatte auch etwas mit dem Werkstoff Holz zu tun, dass bei ihm nach der Schule der Wunsch aufkam, Instrumentenbauer zu werden. Geboren wurde Wenk in Rheinfelden am Hochrhein, aufgewachsen ist er in Mahlberg im Ortenaukreis. Auf der Waldorfschule in Offenburg hat er die Fachhochschulreife im Fach Holz gemacht. Als sein Instrument hatte die Gitarre da bereits die Trompete abgelöst, die ersten Auftritte in Bands lagen hinter ihm, als er sich mit Praktika bei Gitarrenbauern wie Christian Stoll im Taunus vergewisserte, dass sein Berufswunsch keine Laune war.

Auf der Hochschule für Instrumentenbau in Markneukirchen im sächsischen Vogtland studierte Wenk dann sechs Jahre den Zupfinstrumentenbau, immer wieder unterbrochen von Praxiserfahrungen. Bei Thomas Ochs in Oberfranken, dem preisgekrönten Meister von Konzertgitarren oder bei Martin Seeligers Lakewood-Werkstatt in Gießen. „Ich habe überall sehr viel gelernt, ich habe aber auch zeitweise Tag und Nacht gearbeitet“, erzählt Wenk.

Offen für individuelle Wünsche

Herausgekommen ist am Ende das beste Abschlussinstrument des Jahrgangs 2017. Es zeigt bereits, was der junge Meister mit Individualität meint, die durchaus Chancen hat, sich gegen Serienware durchzusetzen. „Das sind Fächerbünde“, erklärt er und zeigt auf schräg verlaufende Bundstege im oberen Teil des Griffbretts. Der schräge Verlauf folgt der Ergonomie der Hand und ermöglicht geübten Gitarristen ein besseres Spielgefühl in den oberen Lagen. Die Klang wird durch ein zusätzliches Schallloch in der oberen Zarge, dem Rand, noch verstärkt. Auch sonst weist das Instrument als Vorlage für die weitere Produktion Besonderheiten auf. Die Fichtendecke ist fein lackiert, sie ist im Inneren des Korpus mit Aramidgewebe verstärkt, das sorgt für einen warmen Ton. „Dieses Instrument ist unverkäuflich“, stellt Jan Wenk klar. Es kann aber in Auftrag gegeben werden.

Die anderen Modelle haben keine Fächerbünde, sind aber nicht weniger edel ausgestattet. Es gibt sie in der Größe „Grand Concert“ mit oder ohne Cutaway. Und immer mit „spanischem Hals“, der fester mit dem Korpus verbunden und somit klanglich vorteilhafter ist.

Instrumente für Liebhaber

Instrumentenbau braucht Zeit, rund 200 Stunden veranschlagt Jan Wenk für ein einziges Instrument. Und wer beobachtet, wie der geduldige Handwerker in seiner Werkstatt die Rosette um das Schallloch mit Edelholz verziert oder den Deckenrand mit Palisanderstreifen verklebt, kann nachvollziehen, dass eine solche Arbeit mit einem mittleren vierstelligen Betrag eher noch unterbezahlt ist. „Der Preis hängt von den Wünschen des Kunden ab“, erklärt Wenk. „Ich mache keine Standardware, jeder Kunde kann bestimmen, welche Hölzer wo verarbeitet werden, welches Griffbrett, welche Mechanik verwendet werden soll.“ Ein solches handgefertigtes Instrument ist etwas für Liebhaber. Und es ist wie beim textilen Outfit: Wer Maßanzug will, statt Konfektion, ist bereit, dafür zu investieren.