Integration Sport kommt auch im Ramadan gut an

Von Ulrike Amler 

Die Breitensportabteilung des TSV Eltingen organisiert einen Mitmach-Nachmittag für Flüchtlinge am Berufsschulzentrum. Rund 60 folgen der Einladung und haben sichtbar Spaß am vielfältigen Angebot.

Mit  großer   Begeisterung      springen     die  Flüchtlingsmädchen   Seil. Doch meist sind es  Jungen und junge Männer,  die  das  Sportangebot   örtlicher Vereine  annehmen. Foto: Ulrike Amler
Mit großer Begeisterung springen die Flüchtlingsmädchen Seil. Doch meist sind es Jungen und junge Männer, die das Sportangebot örtlicher Vereine annehmen. Foto: Ulrike Amler

Leonberg -

Cricket ist hierzulande eine Randsportart, der die meisten Deutschen lediglich im Englischunterricht irgendwann einmal begegnet sind. In den Commonwealth Staaten ist sie dagegen weit verbreitet. Eine kleine Crickethochburg ist seit Jahresanfang auch Eltingen, wo Adnan Sadeque das Spiel mit Ball und Schläger aus seiner Heimat Bangladesch in der Freizeitsportabteilung neben Badminton etablieren möchte. Die jungen Männer aus dem arabischen Raum sind jedenfalls voll konzentriert beim Wurf auf den Batsman, den Schlagmann, und haben den Cricketball nicht zum ersten Mal in der Hand.

Margarete Häfele, die Abteilungsleiterin Freizeitsport im TSV Eltingen, ist erfreut über die Resonanz auf die Einladung des Vereins. Der Württembergische Landessportbund und der Schwäbische Turnerbund hätten eine intensivere Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen angeregt, um sie über den Sport leichter in die Gesellschaft zu integrieren. Wenngleich an diesem Nachmittag auf dem Sportplatz alle Spielfelder beim Cricket, Badminton und Fußballtennis rasch belegt sind, sei es im Alltag doch eher schwierig, die meist jungen Männer in den Vereinssport zu holen, sagt Häfele, die sich auch im Netzwerk Gartenstadt mit dem Thema Flüchtlinge intensiv beschäftigt. Umso mehr überrascht es sie, dass so viele das Angebot nutzen. „Es ist Ramadan und ich dachte, in dieser Zeit ist Sport tabu“, bemerkt sie erstaunt. Daneben beobachtet Baris Karakus-Hübner, der Schulsozialarbeiter des Berufsschulzetrums und erfahren im Umgang mit verschiedenen Nationalitäten, die Sportler. Man könne das Fasten auch einen Tag unterbrechen und hinten dran hängen, erklärt er Margarete Häfele die Spielräume religiöser Riten im Islam. Im Gespräch beider wird deutlich, dass Enttäuschungen meist falsche Erwartungen vorausgehen.

Margarete Häfele bemängelt, dass die Flüchtlinge nur schwierig zu festen Trainingszeiten in den Vereinssport zu bewegen seien, und das, obwohl die in Leonberg untergebrachten Menschen beim TSV Eltingen beitragsfrei Sport machen könnten. Sie habe beobachtet, dass es vor allem den Männer schwer falle, einzugestehen, dass sie einen Weg zur Sportstätte doch nicht ohne Unterstützung finden. Andererseits glaubten sie auch, dass es unhöflich sei, einen Termin abzusagen. Baris Karakus-Hübner sieht das nicht so eng: „Die Jungs sind einfach noch nicht so weit. Die brauchen einfach ihre Zeit bis sie angekommen sind.“ Der Schulsozialarbeiter ist überzeugt: „Das ist einfach eine Phase bis sie in ein geregeltes Leben finden.“ Ein offenes Sportangebot, wo sie sich zwanglos treffen und kennenlernen könnten, sei da besser.

Amir Qorbani hat die Eingewöhnung augenscheinlich gut geschafft. Der junge Afghane, der seit einigen Monaten in Stuttgart-Wangen lebt, hat seine Freunde aus der Flüchtlingsunterkunft in Rutesheim abgeholt und fragt für sie in gutem Deutsch, wo sie Fußball spielen könnten. Ein bisschen angekommen ist auch der 24jährige Sadat Ohmid, der noch in der Unterkunft am Berufsschulzentrum lebt und schon in Afghanistan an der Universität begeistert Volleyball gespielt hat. Auf dem Platz wirft er sich engagiert jedem Ball entgegen. Beim TSV Eltingen spielt der junge Mann auch seit ein paar Wochen regelmäßig. Noch muss er sich mit seinem sehr guten Englisch verständigen.

Meist sind es Jungen und junge Männer, die das Sportangebot des örtlichen Vereins annehmen. Nur ein paar kleine Mädchen springen auf dem Sportgelände mit großer Begeisterung Seil oder spielen Badminton. Hier stehe Mädchen und Frauen doch oft die Kultur, Religion und die eigenen Väter oder Männer im Weg, die ihre Erlaubnis geben müssten, dass Frauen kommen könnten, erzählt Margarete Häfele, die auch Referentin für Frauen im Sport innerhalb des TSV Eltingen ist.

Dennoch sieht die Abteilungsleiterin für den Freizeitsport auch Chancen für den Verein. Am Engagement mangelt es den Geflüchteten nicht. So kämen zum Crickettraining beim TSV Eltingen regelmäßig Migranten sogar aus Freiburg und Heilbronn, die dafür den ganzen Tag mit dem Zug unterwegs seien.




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