Integrationsprojekt mit Lokstoff Eine Brücke für Afghanen oder Syrer zum Albverein

Asylverfahren als Theaterstück im Container mit Kathrin Hildebrand (li.): Lokstoff hat sich in Sachen Integration einen Namen gemacht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Asylverfahren als Theaterstück im Container mit Kathrin Hildebrand (li.): Lokstoff hat sich in Sachen Integration einen Namen gemacht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Neues Projekt von Lokstoff und Kubus will Begegnungen zwischen Zugewanderten und Vereinen schaffen.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Das Theater-Ensemble Lokstoff, das über die Stadtgrenzen hinaus für seine sozialen und integrativen Projekte bekannt ist, unterstützt nun eine neue Sache: „Wir machen gemeinsam mit dem Verein Kubus das Projekt ,Begegnung. Gemeinsam gestalten‘“, sagt Schauspielerin Kathrin Hildebrand, „und dazu suchen wir noch Vereine“. Über allem soll dabei ein Ziel stehen: Begegnung zwischen Menschen, Vereinen und Institutionen der Mehrheitsgesellschaft sowie zugewanderten Menschen ermöglichen. „2014 hat sich meine Familie um zwei großartige junge Frauen aus Afghanistan vergrößert. Ich konnte ihnen in dieser ersten schweren Zeit glücklicherweise zur Seite stehen. Für mich war und ist diese Begegnung bis heute eine wunderbare Fügung. Vielen bleibt leider eine solche Erfahrung verwehrt. Deshalb möchte ich den Menschen mit meinem Engagement für Gemeinsam. Begegnung gestalten zur einer ,gemeinsamen Begegnung‘ in Vereinen verhelfen“, sagt Hildebrand und ergänzt: „Beide Seiten können hier nur gewinnen.“

Auch Vereine sollen profitieren

Wer nun denkt: Gibt es so etwas noch nicht? Dem erwidert sie: „Nicht in der Form. Hier sollen Format, Art und Inhalt der Begegnungen ganz individuell den örtlichen Gegebenheiten sowie Wünschen und Vorstellungen der Beteiligten angepasst werden.“ Jochen Schneider von Kubus erläutert seine Motivation samt seiner Idee beim Entstehungsprozess des Projektes: „Geflüchtete Kinder und Jugendliche tun sich oft leichter mit der Integration und dem Kontakt zu Gleichaltrigen aus der Mehrheitsgesellschaft, aber bei deren Eltern oder generell älteren Zugewanderten ist dies eine andere Situation.“ Erst zuletzt habe er von einem türkischen Ehepaar in der Zeitung gelesen, das seine goldene Hochzeit feierte und seit 50 Jahren in Deutschland lebt. „Einer der Söhne war beim Pressegespräch als Dolmetscher dabei, da die Eltern – vor allem die Mutter – nicht in der Lage waren, sich auf Deutsch mit dem Journalisten zu unterhalten. Diese Fehler aus vorherigen Zuwanderungsgenerationen müssen wir nun verhindern.“

Brücken bauen

Denn die Ausgangslage für viele zugewanderte Erwachsene sei ähnlich: Sie haben keinen oder kaum Kontakt zu Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft. „Sie machen zwar Sprachkurse“, sagt Schneider, „aber bleiben unter sich und haben im Alltag nicht die Möglichkeit, ihr Gelerntes auch anzuwenden“. Hinzu komme, dass vielen zugewanderten Menschen die deutsche „Vereinsmeierei“ fremd sei. Auch die Idee eines Ehrenamts, etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr, sei vielen fremd. „Daher versucht dieses Projekt, hier eine Brücke zu schlagen und bietet Hilfe an, dass diese Menschen und Gruppen zueinander finden“, sagt Schneider. Stattfinden soll das Ganze auf einer virtuellen Begegnungsplattform. Zuletzt fand so eine Online-Veranstaltung mit der Ortsgruppe Weissacher Tal des Schwäbischen Albvereins statt. „Es haben sich zehn Familien aus Afghanistan und Syrien angemeldet. Jeder bekam dazu noch Rindermaultaschen geliefert.“




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