Der „Erprobungsparagraf“ soll mehr Flexibilität ermöglichen
Auch im Fellbacher Gemeinderat wurde kürzlich über dieses Thema diskutiert. Der Erste Bürgermeister Johannes Berner stellte dabei diverse weitere Aktivitäten zur Fachkräftegewinnung und zum Fachkräfteerhalt in den Kindertageseinrichtungen vor. Einer der genannten zahlreichen Fachbegriffe ist der sogenannte Erprobungsparagraf – im November 2023 vom Land erlassen, damit die Träger mehr Flexibilität in der Betreuung erhalten und neue Modelle ausprobieren können, um den Kita-Betrieb möglichst uneingeschränkt aufrecht erhalten zu können.
Wie die Situation in Fellbach konkret stabilisiert werden soll, haben Stephan Gugeller-Schmieg und Elke Leiner aus dem Fachamt für Schule, Bildung, Familie und Sport in einem Pressegespräch beschrieben.
Fellbach steht nach eigener Einschätzung „noch glimpflich da“
„Derzeit stehen wir noch glimpflich da“, malte der Amtsleiter kein allzu trostloses Bild, „aber wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, damit sich die Situation nicht auch in Fellbach verschlechtert.“ Personalausfälle in den Kindertagesstätten könnten nur noch schwer kompensiert werden, und „wenn in einem Kindergarten Schwangerschaften, Wegzüge und längere Krankheiten beim Personal geballt auftreten, dann müssen auch wir an die Öffnungszeiten ran.“ In vielen Kommunen würde die allgemeine Reduktion der Betreuungszeit auf 30 Stunden bereits diskutiert und bereits umgesetzt. „Auch wir merken, dass es knapper wird.“ So mussten Öffnungszeiten reduziert werden, aktuell im Fellbacher Kinderhaus Pfiffikus von 42,5 Stunden auf 38 Stunden in der Woche.
„Die eine Lösung, um hier gegenzusteuern, gibt es nicht, sondern nur ein Mix an verschiedenen Bausteinen.“ Das sei die Fellbacher Devise. Teamleitung in den Fellbacher Kindertageseinrichtungen wird schon immer besser bezahlt, um dem Engagement Rechnung zu tragen. Außerdem sind neue Zielgruppen – Lehrer mit erstem Staatsexamen – für den Erzieherberuf angesprochen und ihnen Karrierewege eröffnet worden.
Mit Blick auf den Erprobungsparagraf sagt Stephan Gugeller-Schmieg: „Wir setzen dabei nicht auf eine Ausweitung der Gruppengröße, die auch möglich wäre.“ Größere Gruppen bedeute mehr Stress für das Personal und führe oft zu Frustration. Stattdessen sollen Quereinsteiger, sogenannte Zusatzkräfte, zwei mögliche Wege erhalten, um künftig in der Kita zu arbeiten. Zusammen mit der freien dualen Fachakademie für Pädagogik in Fellbach wird ein Qualifizierungsprogramm erarbeitet, das Fachfremden ein Grundwissen für die Betreuung vermitteln soll.
Direkteinstieg für Personen mit fachfremdem Abschluss
Parallel dazu ermöglicht Fellbach den Direkteinstieg für Personen mit einem fachfremden Abschluss. Diese können sich in einer Kita innerhalb von zwei Jahren zur sozialpädagogischen Assistenz und nach einem zusätzlichen halben Jahr mit schulfremder Prüfung zu Erziehern weiterbilden und erhalten in dieser Zeit ein Gehalt. „Beide Modelle werden nicht alleine das Betreuungssystem retten, doch es sind Bausteine, die zur Besserung beitragen“, erklärt Elke Leiner. Mit dem Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung an der Grundschule und der wachsenden Nachfrage nach Plätzen für unter Dreijährige werde pädagogisches Personal weiterhin sehr knapp bleiben.
Das Expertenduo plädiert für eine „gute Mischung“ aus qualifizierten Betreuern, Zusatzkräften und Auszubildenden. Der Schwerpunkt liege aber weiterhin auf der Gewinnung von Fachkräften. Darüber hinaus bietet die Stadt in jedem Jahr neun Ausbildungsplätze in ihren Kindertageseinrichtungen an.
In Fellbach fehlen bisher knapp zehn Prozent Betreuungskräfte
Künftig könnten in den sechs städtischen Kitas bis zu zehn Zusatzkräfte eingesetzt werden. Leiner: „Mehr können wir nicht stemmen, da all diese Kräfte betreut und angeleitet werden müssen.“ In Fellbach fehlen bisher knapp zehn Prozent der Betreuungskräfte – im Vergleich zu anderen Kommunen eine relativ gute Ausgangsbasis. „Aber wir wollen auch, dass es so bleibt, und deshalb sind die Maßnahmen so wichtig.“ Für die bisher ruhige Lage machen die Fachleute auch die enge Zusammenarbeit mit den 13 in Fellbach tätigen freien Trägern und das gute, über die Stadtgrenzen hinaus anerkannte pädagogische Konzept verantwortlich.