Intensivstationen in der Region Stuttgart Kliniken behandeln noch viele schwere Fälle

Auch das Olgäle verfügt jetzt über ein Ecmo-Gerät. Die Maschine übernimmt bei schwerstem Lungenversagen die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff außerhalb des Körpers. Foto: Klinikum Stuttgart/Tobias Grosser

Die Situation auf den Intensivstationen in der Region Stuttgart bessert sich nur langsam. Die im Schnitt jüngeren Patienten haben zum Teil schwere Krankheitsverläufe. Die Mediziner sind vorsichtig optimistisch – auch wenn sich ein neues Problem abzeichnet.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Region Stuttgart - Aktuell will Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) in Stuttgart, nicht jammern. Während in fast allen Kliniken in der Region, die Corona-Situation vor allem auf den Intensivstationen noch immer dramatisch ist, ist die Zahl der Corona-Patienten in seinem Haus deutlich zurückgegangen. Momentan werden sechs Patienten auf der Intensivstation beatmet, 33 weitere liegen mit nicht ganz so schweren Krankheitsverläufen auf der Isolierstation.

 

Auch den kommenden Wochen sieht Alscher relativ entspannt entgegen. Zwar bergen nach seiner Meinung die erweiterten Reisemöglichkeiten in den Pfingstferien ein gewisses Risiko. Weil sich die Menschen jetzt aber wieder verstärkt im Freien aufhalten könnten und weil auch die Impfungen die Krankheit eindämmten, fürchtet er aktuell aber keine vierte Welle.

Neue Konkurrenzsituation um knappen Impfstoff

Ganz andere Sorgen bereitet ihm hingegen die Situation, die Mitte Juli entstehen könnte. Dafür macht der RBK-Chef eine einfache Rechnung auf: „Menschen, die an Corona erkrankt waren, sollen nach sechs Monaten geimpft werden. Für mich heißt das, dass auch der Impfschutz von bereits gegen Corona Geimpften nach sechs Monaten aufgefrischt werden muss.“ Da bereits Mitte Januar die ersten Bürgerinnen und Bürger ihre zweite Impfung erhalten hätten, müssten sie sich also Mitte Juli erneut eine Spritze abholen. In dem Fall würde angesichts des dann möglicherweise immer noch knappen Impfstoffs eine neue Konkurrenzsituation entstehen. Alscher räumt ein, dass es zum richtigen Zeitpunkt für eine solche dritte Impfung bis jetzt noch keine abschließenden Untersuchungen gibt.

Nicht ganz so erfreulich ist der Trend in den Kliniken Stuttgart. Dort werden immer noch 27 Patienten intensivmedizinisch betreut, nur drei weniger als zur Hochzeit der dritten Welle.

Extrem junge Patienten sind extrem schwer erkrankt

Auch die anderen Kliniken in der Region warten noch auf die große Wende: Besonders die Situation auf den Intensivstationen ist nach wie vor angespannt. „Wir haben extrem junge Menschen, die sehr schwer erkrankt sind“, berichtet Iris Weichsel, die Sprecherin der im Kreis Esslingen ansässigen Medius-Kliniken: „Die Krankheitsverläufe sind oft viel schwerer als in den ersten beiden Wellen.“

„Wir haben und hatten leider zahlreiche schwerste und dramatische Verläufe bei jüngeren Patienten mit zum Teil keinen erkennbaren Vorerkrankungen“, bestätigt auch Ingo Matheus vom Klinikverbund Südwest, der in den Kreisen Böblingen und Calw Häuser betreibt.

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Auch in den Rems-Murr-Kliniken bewegt sich die Zahl der Corona-Patienten immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Wie die Medius-Kliniken versorgen die Rems-Murr-Kliniken aktuell rund 50 Patientinnen und Patienten. 19 von ihnen müssen intensivmedizinisch versorgt, die meisten davon beatmet werden.

Rückgang vor allem auf den Normalstationen

Die für die Kreise Enz, Karlsruhe und Ludwigsburg zuständigen RKH-Kliniken spüren immerhin, dass die dritte Welle gebrochen sein könnte. „Der Rückgang der Patienten macht sich allerdings primär auf der Covid-Normalstation bemerkbar. Im Intensivbereich haben wir weiterhin eine angespannte Situation. Dies liegt daran, dass die Covid-Intensivpatienten einen sehr langen Aufenthalt haben,“ erklärt der Kliniksprecher Alexander Tsongas. Die meisten der 17 Intensivpatienten sind zwischen 40 und 55 Jahre alt. Wie überall werden die Patienten immer jünger. Und fast überall, so auch in den Alb-Fils-Kliniken im Kreis Göppingen, sind die OP-Kapazitäten noch eingeschränkt: „Das betrifft vor allen die großen Operationen, weil die dafür anschließend notwendigen Intensivbetten meist vollständig ausgelastet sind“, sagt Anja Dietze, die Sprecherin des Klinikums Esslingen.

Aber auch bei den Patienten ist die Zurückhaltung groß: Ein Problem der Kliniken in der Region ist deshalb weiterhin, dass Menschen, die verschiebbare Operationen haben, vor dem Krankenhausaufenthalt zurückschrecken: „Die Bettenauslastung auf den Normalstationen ist aktuell niedrig. Die Rems-Murr-Kliniken appellieren daher weiterhin, medizinisch dringliche Eingriffe und Behandlungen nicht aufzuschieben, sondern sich rechtzeitig in einer Klinik versorgen zu lassen“, betont die Kliniksprecherin Monique Michaelis. Dennoch rechnen alle Krankenhäuser in der Region damit, dass sich die Situation weiter verbessert. Ende Mai oder spätestens Mitte Juni sollte das Schlimmste überwunden sein.

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