Intensivstationen wegen Corona unter Druck Ungeimpfte „schwer zu ertragen“
Die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg ist erneut angestiegen. Die Uniklinik Freiburg schildert die Belastung des Personals.
Die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg ist erneut angestiegen. Die Uniklinik Freiburg schildert die Belastung des Personals.
Stuttgart - Auch am Wochenende ist die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Baden-Württemberg wieder leicht angestiegen: am Sonntag um sieben auf insgesamt 379. Laut Daten vom Freitag liegt die Covid-Belegung aller Betten der Intensivstationen im Südwesten bei knapp 17 Prozent, das ist noch weit entfernt von negativen Rekordmarken wie in Thüringen, wo 27 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind.
Trotzdem sprechen das Sozialministerium in Stuttgart und die Krankenhausgesellschaft bereits von einer angespannten Lage besonders im Raum Stuttgart und Karlsruhe – geprüft wird die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer, etwa nach Norddeutschland.
Der Druck auf das Personal der Intensivstationen ist immens. Beispielhaft darüber berichtet auf Anfrage unserer Zeitung die Uniklinik Freiburg. „Die lang anhaltende hohe Belastung durch die Betreuung der schwer erkrankten Covid-Patienten und Patientinnen zusätzlich zu den anderen stellt für die Intensivteams eine große Herausforderung und einen ständigen Aufnahmedruck dar“, sagt Stefanie Biberstein, stellvertretende Pflegedirektorin der Uni-Klinik. Die Lage werde durch die überdurchschnittlich lange Verweildauer dieser Patientengruppe noch erschwert, auch brauchten die Schwerkranken häufig eine 1:1-Betreuung in jeder Schicht, was die personellen Ressourcen der Station überfordere. „Normal“ ist auf Intensivstationen seit Januar diesen Jahres ein Pflegekraft-Patienten-Verhältnis von 1:2 (Tagschicht) oder 1:3 (Nachtschicht).
Man bemühe sich im Team über viele Wochen und mit hohem Einsatz um eine Genesung der Patienten und Patientinnen, sagt Stefanie Bieberstein. Doch am Ende bleibe der Therapieerfolg oft aus, und auch damit müsse man sich „auseinander setzen“. „Schwer zu ertragen ist auch, dass sich die meisten Patientinnen und Patienten mit einer Impfung hätten schützen können.“
Zumindest finanziell versucht die Klinik einen Ausgleich. So haben die Universitätskliniken in Baden-Württemberg einen Tarifvertrag umgesetzt, der bereits heute „auf Intensiv“ eine überdurchschnittliche Bezahlung berücksichtigt und bis zu 20 Prozent über dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes liegt. „In den Intensivstationen erhält eine Pflegefachperson mit Berufserfahrung schon heute ein Monatsgehalt von weit über 4000 Euro“, sagt Bieberstein. Aber viele Mitarbeiter würden das Mehr an Gehalt in eine Reduzierung der Arbeitszeit umsetzen, „um sich längere Erholungsphasen zu ermöglichen“. Laut Andreas Schäfer, Sprecher der Sektion Pflegeforschung am Intensiv-Medizin-Verband DIVI komme es durchaus vor, „dass Pflegekräfte bis zu zwölf Stunden am Stück durcharbeiten, ohne anschließend ausreichend viel Freizeit nehmen zu können“.
An der Uniklinik Freiburg wird eine Entlastung der Intensivstation auch mit Hilfskräften versucht: so helfen Physiotherapeuten bei der schwierigen Umlagerungen von beatmeten Patienten, pharmazeutische-technische Assistenten übernehmen die zeitaufwendige Zubereitung der Medikamente. Auch kämen regelmäßig Mitarbeiter der Psychosozialen Fachberatung zu Besuch, um das Intensivteam zu begleiten und seine Widerstandskraft zu stärken.