Intergalactic Lovers spielen im vollen Club Schocken am Samstagabend lupenreinen Pop. Sie werben für die Musik aus dem Nachbarland Belgien - und klingen schwer nach Fleetwood Mac, findet StZ-Autor Jan Georg Plavec.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Stuttgart - Der belgische Popmusikexport funktioniert. Zumindest in Richtung Stuttgart: Nach dem überaus gelungenen Konzert von Balthazar im Februar sind es am Samstagabend Intergalactic Lovers, die für den Belgopop werben. Kann man nicht oft genug machen. Gelingt.

Der Club Schocken ist so gut wie ausverkauft, trotz Frühlingswetter draußen und stickiger Luft drinnen. Was zum einen daran liegen könnte, dass die das belgische Quartett bereits zum dritten Mal in der Stadt ist: 2011 im Schocken akustisch wegen Stromausfall, vergangenes Jahr im Zwölfzehn und jetzt an diesem Aprilsamstag. Bemerkenswert: Die Stuttgart-Konzerte der Band scheinen auf Samstagabende abonniert zu sein. Dabei sind Intergalactic Lovers gar nicht als Einheizer für eine lange Weggeh-Nacht prädestiniert.

Die belgische Band, und das ist Grund zwei für die vielen Besucher, spielt lupenreinen Träumerpop. Nein, keinen Dream Pop, denn wo Vertreter dieses Genres lieber in schummrigem Rotlicht auf den Boden starren, blicken Intergalactic Lovers nur allzu gern ins Publikum. Mal mit Wohnzimmerblick, mal mit weit aufgerissenen Augen, die Sängerin Lara Chedraoui hat beides drauf.

Musik zum Davonfliegen

Chedraouis Stimme schwebt über den mit Liebe zum Detail arrangierten Gitarrenschichten. Die Sängerin kann, nein: muss sich live mittlerweile aufs Singen beschränken. Bei einem Arbeitsunfall wurden ihre Sehnen im Handgelenk ramponiert; seither kann sie nicht mehr Gitarre spielen, wie sie dem Brüsseler Stadtmagazin Agenda erzählt hat. Was einen auch ein bisschen traurig macht, denn besagter Arbeitsunfall passierte beim Kellnern. Zumindest bis vor Kurzem konnten Intergalactic Lovers also von ihrer schönen Musik allein nicht leben.

Mit Konzerterfolgen wie jenem vom Samstagabend könnte, ja sollte sich das ändern. Live haben die verträumten Popsongs einen etwas anderen Drive als auf Platte. Das liegt vornehmlich an Brendan Corbey, der die Truppe am Schlagzeug mit viel Druck zusammenhält. Wie er sein aufwendig mikrofoniertes Schlagwerk bearbeitet, das ist auch ein Kontrast zur ansonsten sanften, leichten Musik der restlichen Band. So bekommt das Ganze ein bisschen was von Post Punk. Der Gesamteindruck aber bleibt: Das ist Musik zum Davonfliegen.

Eine neue Referenz

PJ Harvey und Feist werden in den einschlägigen Pressetexten als Referenz genannt. Dem soll hier eine weitere hinzugefügt werden: Fleetwood Mac. Die Songs fließen am Samstag so wunderbar dahin wie bei der britisch-amerikanischen Band in deren klassischer Rumours-Phase. Wobei Intergalactic Lovers natürlich einen zeitgemäßeren Sound auf die Bühne bringen. Aber: auch ihre Songs sind sofort verständlich, ohne allerdings unterkomplex zu wirken.

Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Single "Islands", die auch beim Konzert im Schocken herausragt. Jeder ist eine Insel, sagt Lara Chedraoui in der Anmoderation, jeder hat seine Sorgen, jeder treibt vor sich hin. Aber am Ende wird alles gut, ohne Tief kein Hoch.

Ja, so ist es wohl. Auf das Konzert im Schocken passt diese Beschreibung perfekt. Am Ende zeigen Intergalactic Lovers mit dem Song "Bruises", dass ihnen auch das etwas Epischere liegt - auch in diese Richtung könnten sie weitermachen. Lara Chedraoui stellt alle auf der Bühne einzeln vor, auch den Gitarristen Philipp Weies, der auf Tour mit dabei ist, und beim letzten Song verlässt einer nach dem anderen die Bühne, bis nur noch der Bassist Raf de Mey oben steht. Hat man schon lange nicht mehr gesehen, ist aber irgendwie auch schön.