Interimsbau Kontroverse Debatte über Ausweichoper steht bevor

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Keine der von OB Fritz Kuhn ins Gespräch gebrachten Optionen für ein vorübergehendes Domizil des Musiktheaters stößt auf einhellige Zustimmung. Auch die Art, wie Kuhn seine Gedanken öffentlich gemacht hat, wird kritisiert.

Wäre zumindest eine ungewohnte Kulisse für Hochkultur: Das ehemalige Verteilzentrum der Post an der Ehmannstraße. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Wäre zumindest eine ungewohnte Kulisse für Hochkultur: Das ehemalige Verteilzentrum der Post an der Ehmannstraße. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Im Gemeinderat zeichnet sich keine einheitliche Linie ab, welcher der von OB Fritz Kuhn (Grüne) ins Gespräch gebrachten Ausweichstandorte für die Oper zu bevorzugen sei. Einigkeit herrscht nur in der Einschätzung, dass die Diskussion nun an Tempo gewinnt – und dass sie nicht über die Zeitung, sondern zunächst in den Gremien geführt werden sollte.

Kuhn hatte in einem Interview mit dieser Zeitung drei mögliche Lösungen skizziert: Vorübergehend könnten Oper und Ballett im ehemaligen Paketpostamt an der Ehmannstraße stattfinden, denkbar sei auch ein Interimsbau in der Nähe des Mercedes-Museums im Neckarpark oder der Bau eines Gebäudes beim Planetarium, das nach Abschluss der Opernsanierung als Konzertgebäude infrage käme.

SPD wirbt für Standort am Rand des Schlossgartens

Mit diesen drei Optionen wird sich der Verwaltungsrat der Staatstheater bei seiner nächsten Sitzung am Montag beschäftigen. Dann sitzt auch Martin Körner mit am Tisch. Der SPD-Fraktionschef hat eine eindeutige Präferenz für die Variante eines Neubaus an der Ecke Willy-Brandt-/Schillerstraße. Der vom Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven stammende siegreiche Entwurf zur Neugestaltung des Bahnhofs und von dessen Umfeld sieht dort bereits ein Gebäude vor.

Für Körner bietet sich dort die Chance auf ein „interessantes Kultur- und Städtebauprojekt“. Wenn man den jüngst ins Gespräch gebrachten Neubau des Kulissengebäudes bis an die gegenüberliegende Straßenseite und den sich daraus ergebenden Neubau der Turnhalle fürs Königin-Katharina-Stifts mitdenke, ergäbe sich die Möglichkeit zur städtebaulichen Aufwertung der Situation am Gebhard-Müller-Platz.

„Wenn wir schon einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, ist es doch sinnvoll, etwas zu bauen, das auch nach dem Auszug der Oper weitergenutzt werden kann.“ Den beiden anderen Optionen steht Körner reservierter gegenüber. „Je weiter die Ausweichspielstätte vom Staatstheater entfernt ist, desto stärker werden die Besucherzahlen zurückgehen.“

Offen verärgert zeigt sich Iris Ripsam (CDU). „Ich hätte mir gewünscht, dass wir zunächst am Montag im Verwaltungsrat darüber geredet hätten, ehe sich der OB an die Zeitung wendet.“ Dass am Dienstag im gemeinderätlichen Umwelt- und Technikausschuss über Fragen der Opernsanierung gesprochen worden ist, ohne dass dabei ein konkretes Wort zu den Ausweichquartieren gefallen sei, irritiert Ripsam. Zu den nun diskutierten Varianten möchte sie sich zunächst nicht äußern.

Grüne sehen viele offene Fragen

Andreas Winter, Chef der Grünen-Fraktion im Rathaus und gleichfalls Mitglied des Verwaltungsrats der Theater, lobt hingegen die Äußerungen seines Parteifreundes. Kuhn habe „eine gewisse Dynamik“ in die Diskussion gebracht. Die drei Optionen müssten nun geprüft werden. Ein Manko der Lösung am Rande des Schlossgartens sei die unklare zeitliche Perspektive, da man vom Fortgang der Arbeiten an Stuttgart 21 abhängig sei. „Beim Paketpostamt stellt sich die Frage, wie man hin- und auch wieder wegkommt“, gibt Winter zu bedenken. Zudem müssten auch im dortigen Bestand Umbauten bewältigt werden, ehe sich erstmals der Vorhang hebt.

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