Interimspräsident des VfB Stuttgart Läuft jetzt alles auf Erwin Staudt hinaus?

Der Ehrenpräsident Erwin Staudt verfolgt das Geschehen während der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Vereinsbeirat des VfB Stuttgart diskutiert nach der Abwahl von Präsident Claus Vogt über eine mögliche Übergangslösung. Erste Namen sind bereits in der Verlosung.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Faktenlage, die der Vereinsbeirat als Grundlage für sein Tun vorausgesetzt hat, ist jetzt geschaffen. Claus Vogt wurde bei der Mitgliederversammlung am Sonntag als Präsident des VfB Stuttgart abgewählt (86,03 Prozent der Mitglieder stimmten gegen ihn). Er ist als Vereinschef weg. Zudem hat Rainer Adrion seinen Rücktritt angekündigt, nachdem dem Vizepräsidenten nicht in ausreichendem Maße das Vertrauen ausgesprochen worden war. Bis dahin vergeht aber noch etwas Zeit, da das Schreiben noch nicht in der Mercedesstraße 109 eingegangen ist.

 

Doch praktisch sitzt momentan nur der frisch gewählte Andreas Grupp im Präsidium. Der 40-Jährige behauptete sich bei der Nachwahl für den im April zurückgetretenen Christian Riethmüller gegen Bertram Sugg. Neuling gegen altgedienten Fanvertreter, so lautete etwas zugespitzt das Duell – und wenn die Veranstaltung am Ende noch einmal etwas gezeigt hat, dann dass die Mitglieder Veränderungen in ihrem Herzensverein wollen.

Der Plan des Vereinsbeirats

Aber mit aktuell nur einem Mann wäre das Präsidium des Fußball-Bundesligisten nicht geschäftsfähig. Es braucht eine zweite Person – und somit eine Interimslösung auf dem Präsidentenposten. So sieht die Realität aus, mit der sich der Vereinsbeirat des VfB nun auseinandersetzt. Am Montagabend wollte das Gremium zusammenkommen, um die nächsten Schritte zu besprechen und mögliche Kandidaten zu diskutieren. „Wir werden zunächst ein Anforderungsprofil ausarbeiten, um klarzustellen, welche Fähigkeiten und Eigenschaften eine geeignete Person mitbringen soll“, sagt der Vereinsbeiratsvorsitzende Rainer Weninger.

Dabei fangen Weninger und Co. nicht bei null an. Die Vereinsbeiratsmitglieder hatten sich bereits vor den langen Stunden in der Porsche-Arena die Aufgabe gestellt, sich Gedanken zu machen. Nun geht es an die Konkretisierung. Erwin Staudt spielt in den Überlegungen eine Rolle. Wie berichtet, ist der Ehrenpräsident bereit, dem VfB aus einer schwierigen Situation zu helfen. Als Übergangspräsident bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, die anberaumt werden muss (frühestens im Dezember).

Allerdings hat der Vereinsbeirat, der für die Einsetzung der Interimslösung zuständig ist, bisher weder mit Staudt noch mit jemand anderem über die Bereitschaft gesprochen, sich bis zu einer Nachwahl des Präsidenten zur Verfügung zu stellen. Das kommt erst noch. Zu den Möglichkeiten gehört auch eine interne Lösung aus dem Vereinsbeirat. Marc Nicolai Schlecht wurde diesbezüglich bereits genannt. Der Mediziner würde sich gesprächsbereit zeigen, sollten seine Mitstreiter zu der Überzeugung gelangen, er wäre der Richtige. Weninger verweist darauf, dass der Auswahlprozess ergebnisoffen verläuft. Schlecht müsste aber sein Amt als Vereinsbeirat ruhen lassen, wenn er aufrückt.

Nach Informationen unserer Redaktion ist auch Christoph Palm dem Vereinsbeirat vorgeschlagen worden. Als geeignete Persönlichkeit. Der frühere Fellbacher Oberbürgermeister äußert sich zu den Spekulationen allerdings nicht – und Weninger sagt auch nichts zum jetzigen Geschäftsführer der Josef-Wund-Stiftung. „Wir werden uns in dieser für den Verein zentralen Angelegenheit erst gründlich abstimmen, wen wir wie und wann ansprechen“, erklärt der VfB-Gremiumschef das weitere Vorgehen.

Die Erfahrung des Ehrenpräsidenten

An Staudts Befähigung zweifelt kaum ein Mitglied. Der 76-Jährige gilt als ein integrer Charakter, der einen und Ruhe schaffen kann. Doch ihn drängt es keineswegs, seine Lebensplanung noch einmal kurzfristig umzuwerfen. Interessiert verfolgte der ehemalige Vereinschef in der Porsche-Arena die Entwicklungen mit. Äußern mag sich Staudt aber nicht. Klar ist allerdings, dass er sowohl in das Präsidium als auch in den Aufsichtsrat der VfB AG die Erfahrung einbringen könnte, die Grupp in diesen Bereichen fehlt. „Ich bin unbefleckt und ich bin unvoreingenommen“, hatte der Aldi-Manager zum Abschluss für sich geworben.

Jetzt steht Grupp in der Verantwortung und will das in ihn gesteckte Vertrauen rechtfertigen. Zumindest bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im nächsten Jahr – dann stehen beim VfB viele Neuwahlen an und der nun neu installierte Wahlausschuss kommt voll zum Tragen.

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