Interkulturelles Arbeiten bei Fanuc in Neuhausen Software entwickeln am Fuße des Fuji
Von anderen Kulturen lernen – das ist für die Frauen und Männer, die bei Fanuc in Neuhausen arbeiten, Alltag. Der Austausch zwischen Japan und Deutschland klappt.
Von anderen Kulturen lernen – das ist für die Frauen und Männer, die bei Fanuc in Neuhausen arbeiten, Alltag. Der Austausch zwischen Japan und Deutschland klappt.
Auf seinen dreijährigen Arbeitseinsatz in der japanischen Zentrale des Fanuc-Konzerns am Fuße des 3776 Meter hohen Bergs Fuji freut sich Maximilian Claus. Der Softwareentwickler für Steuerungen hat Informatik und Japanologie studiert. Da er mit einer Japanerin verheiratet ist, werde der Kulturschock für ihn nicht zu groß, sagt er lachend. Die Sprache beherrscht er fließend. „Wir arbeiten hier auch sehr eng mit den Kollegen aus Japan zusammen, und ich kenne viele schon.“ Claus freut sich, dass er seinen Kollegen dann auch von Angesicht zu Angesicht begegnen darf.
Interkulturelles Arbeiten ist bei der Deutschlandzentrale des Fanuc-Konzerns, die in Neuhausen ihren Sitz hat, die Regel. „Die Zusammenarbeit bei Fanuc funktioniert bei uns auf unterschiedlichen Ebenen“, sagt Ralf Winkelmann, Geschäftsführer von Fanuc Deutschland. „Zum einen sind die Kontakte mit der Zentrale in Japan sehr eng. Andererseits wollen wir hier nah am Kunden sein.“ Da ist es aus der Sicht des Deutschlandchefs wichtig, dass die Servicemitarbeiter die Sprache der Menschen sprechen und so auch ganz gezielt auf deren Wünsche eingehen.
Dennoch wünscht sich Winkelmann, dass in sein Team möglichst viel internationale Expertise einfließt. Online-Konferenzen mit Teams aus der japanischen Zentrale sind bei Fanuc an der Tagesordnung. „Wenn das machbar ist, ermöglichen wir Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gern, Arbeitserfahrungen im Ausland zu sammeln.“ Von diesen Impulsen und dem technischen Entwicklungsstand in den jeweiligen Ländern profitiere man in dem weltweit vernetzten Konzern auch am Standort Neuhausen.
Menschen aus unterschiedlichen Arbeitskulturen zusammenzubringen fordert das japanische Unternehmen heraus, das weltweit 8200 Mitarbeiter hat. In Neuhausen arbeiten Fachkräfte aus 15 Nationen. 19 Japaner sind derzeit in Neuhausen tätig. Damit sie sich im neuen Lebens- und Arbeitsumfeld zurechtfinden, werden sie vom Unternehmen unterstützt. „Interkulturelles Arbeiten erfordert von allen Beteiligten die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren“, sagt die Personalchefin Bianca Wörner. Sie ist zuständig für Fanuc Deutschland und für die Fanuc Europe GmbH, die ihren Sitz ebenfalls in Neuhausen hat. Um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Eingliederung in das neue Arbeitsumfeld im Ausland zu erleichtern, bietet das Unternehmen Schulungen, interkulturelle Trainings und Sprachkurse an. „Für die japanischen Fachkräfte, die für zwei oder drei Jahre auf die Fildern kommen, gibt es eine Kollegin, die sich in beiden Kulturen sehr gut auskennt“, sagt Bianca Wörner. Sie hilft den Frauen und Männern, die oft mit ihren Familien kommen, bei alltäglichen Problemen – von Behördengängen bis hin zur Suche nach einem Kindergartenplatz.
Der japanische Steuerungsexperte Nobuhito Ohnishi fühlt sich wohl an seinem neuen Arbeitsplatz auf Zeit in Neuhausen. Er kommt von der Zentrale in Oshino am Fuße des Bergs Fuji. Die Chance, für einige Jahre im Ausland zu arbeiten, hat er gerne ergriffen. Was sind die Unterschiede in den Arbeitskulturen? „In Japan packen die Menschen Probleme aus meiner Sicht weniger emotional an“, findet Ohnishi. Dagegen erlebt er die Diskussionen in deutschen Teams manchmal als sehr leidenschaftlich.
Mit seiner Frau und dem kleinen Sohn fühlt sich Ohnishi im neuen Wohnort Filderstadt sehr wohl. Er lernt die deutsche Sprache in einem Kurs, den Fanuc seinen internationalen Fachkräften anbietet. Da die Arbeitssprache im Unternehmen Englisch ist, hat der japanische Steuerungsingenieur im Alltag keine Probleme.
Das gilt auch für sein Familienleben in der neuen Heimat auf Zeit: „Die Integration klappt wirklich gut, wir treffen viele Menschen und lernen das Land kennen.“ Probleme habe es allerdings bei der Suche nach einem Betreuungsplatz für den Nachwuchs gegeben. Deshalb geht sein kleiner Sohn jetzt in den internationalen Kindergarten.
Nicht nur Softwareentwickler und Ingenieure lernen bei Fanuc das interkulturelle Arbeiten kennen. Auch der Servicechef Martin Miksche schätzt es, von der japanischen Arbeitsphilosophie zu profitieren. „Der Kunde in Japan erwartet einen sehr schnellen Service in einer extrem hohen Qualität“, sagt Miksche, der immer wieder in der japanischen Zentrale gearbeitet hat. „Als Deutschland-Niederlassung eines japanischen Unternehmens setzen wir diesen Anspruch hier genauso um.“ Miksche ist froh, dass er die Möglichkeit hatte, von seinen Kolleginnen und Kollegen in Japan zu lernen. „Wenn ein Fehler auftritt, kostet das unsere Kundinnen und Kunden viel Geld.“ Deshalb wüssten sie den schnellen Fanuc-Service besonders zu schätzen. Auf eine gute Kommunikation und direkte Drähte legt der Servicechef den größten Wert.
Der Konzern
Fanuc ist seit 1955 im Bereich Fabrikautomatisierung tätig. Das Unternehmen hat drei Geschäftsbereiche: Steuerungen für Werkzeugmaschinen, Industrieroboter und Werkzeugmaschinen. 1963 begann Fanuc, seine Produkte (damals nur Steuerungen, ab den 1970er Jahren auch Roboter und Maschinen) außerhalb Japans zu verkaufen. 1976 wurde die erste Niederlassung in Deutschland gegründet.
Weltweit vernetzt
Heute hat Fanuc weltweit mehr als 100 Niederlassungen und mehr als 8200 Mitarbeiter. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Fanuc einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro, 85 Prozent davon außerhalb Japans.
Stark in Europa
In Europa gibt es 25 Fanuc-Gesellschaften. Dazu zählen die Europa-Zentrale in Luxemburg und 24 weitere Gesellschaften. Davon sind zwei in Neuhausen angesiedelt – Fanuc Deutschland und Fanuc Europe.