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Internationale Bachakademie Stuttgart Hans-Christoph Rademann dirigiert das Händel-Oratorium „Saul“

Von Gabriele Metsker 

Am 24. und 25. Oktober führen die Gaechinger Cantorey unter Leitung von Hans-Christoph Rademann und mehreren Solisten „Saul“ auf. Das Händel-Oratorium hätte unter normalen Umständen eine Dauer von zweieinhalb Stunden. Das geht in Corona-Zeiten nicht.

Dirigent Hans-Christoph Rademann und die Gaechinger Cantorey spielen im Oktober das Händel-Oratorium „Saul“. Foto: Holger Schneider
Dirigent Hans-Christoph Rademann und die Gaechinger Cantorey spielen im Oktober das Händel-Oratorium „Saul“. Foto: Holger Schneider

Herr Rademann, wie gelingt es Ihnen, das Werk so zu bearbeiten, dass es innerhalb des erlaubten Zeitfensters von zwei Stunden bleibt?

Natürlich lässt sich dieses große Werk nicht auf eine einstündige Konzertdauer herunterkürzen, aber mit der Zusammenführung von Handlungssträngen, der Streichung von Arien einzelner Nebenfiguren und der Inte­gration eines Sprechers – Stadtdekan Søren Schwesig – ist es uns gelungen, einen ungefähr zweistündigen „Saul“ zusammenzustellen. Er wirkt immer noch hochdramatisch und fesselnd.

Wie lässt sich die Partitur straffen, ohne den dramaturgischen und musikalischen Zusammenhang zu gefährden?

Händel hat einiges an Instrumentalmusik im „Saul“ komponiert, längere „Symphonies“, von denen oft einer von vier Sätzen ausreicht, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Da haben wir zum Beispiel gekürzt. Oder bei Arien: Da haben wir die längeren Vorspiele gekürzt und die strophischen Wiederholungen gestrichen. Oft gibt es auch eine Gruppe von mehreren Arien, in denen unterschiedliche Charaktere dieselbe Situation aus jeweils ihrer Sicht beschreiben. Hier kann man auch – natürlich schweren Herzens, da Händels Musik einfach immer fantastisch ist – einzelne Arien weglassen, ohne dass die Handlung oder der musikalische Zusammenhang gefährdet wäre.

Die Orchesterbesetzung des „Saul“ ist außergewöhnlich umfangreich. Wie werden Sie damit umgehen?

Bei der Orchesterbesetzung wird nicht viel wegfallen, da sie in diesem Werk wirklich zur musikalischen Substanz gehört: Posaunen, Pauken und Trompeten stehen eben für den Hof von König Saul, und mit ihnen werden die jeweiligen Siege in den Schlachten gefeiert. Auch können wir unmöglich Davids Harfe weglassen, ebenso das herrliche Glockenspiel, das Händel damals ganz bewusst mit den Posaunen und der Harfe als „ancient instruments from the time of King David“ eingesetzt hat.

Warum wird auch diese den Corona-Bedingungen angepasste Version die Schönheit und Wirkungsmacht von Händels Musik zum Strahlen bringen?

Weil seine Musik sozusagen die Dramatik der Handlung „inszeniert“. Das ist wie musikalisches Kopfkino, bei dem diese so ungemein plastische Musik – und die durchaus psychologischen Zeichnungen der einzelnen Charaktere durch die Musik – dem Zuhörer Bilder vor das geistige Auge zaubert. Und da wir die Substanz dieser Musik nicht antasten, wird sie auf jeden Fall so strahlen, wie es der Komponist vorgesehen hat.

Welchen Platz nimmt „Saul“ innerhalb Händels umfangreichem Schaffen ein? Warum ist es Ihnen wichtig, die neue Saison trotz der nicht einfachen Bedingungen mit „Saul“ zu eröffnen?

Es ist bestimmt eines der dramatischsten Oratorien Händels. Er hat ja immer „im Doppelpack“ komponiert, also zwei Oratorien zugleich. Beim „Saul“ war der Zwillingsbruder „Israel in Egypt“, das ich ja ganz am Anfang meiner Zeit bei der Bachakademie hier in Stuttgart aufgeführt habe. Beide Werke sind so unglaublich wirkungsvoll, dass sie sogar aus Händels sehr reichhaltigem Oeuvre noch herausstechen. Zudem ist es so, dass „Saul“ viel seltener aufgeführt wird als „Israel in Egypt“, und das ist wirklich schade. Schon allein deshalb möchte ich unter allen Umständen „Saul“ dem hiesigen Publikum wieder ins Gedächtnis rufen: als außergewöhnliche Vertonung einer der bekanntesten Geschichten des Alten Testaments.

Info: Händels „Saul“ – Gaechinger Cantorey (Ltg. Hans-Christoph Rademann): 24. Oktober, 15 und 19 Uhr, Forum am Schlosspark Ludwigsburg, Tickets 0 71 41 / 9 10 39 18; für die beiden Konzerte am 25. Oktober, 15 und 19.30 Uhr, Liederhalle, gibt es eine Warteliste: 07 11 / 2 55 55 55 sowie auf der Homepage