• tri-bühne
  • Int. Hugo Wolf Akademie
  • StuttgartKonzert
  • Theaterhaus
  • SKS Erwin Russ GmbH
  • Stuttgarter Kammerorchester
  • Theater der Altstadt
  • Forum Theater
  • C2 Concerts GmbH
  • Bachakademie

Internationale Bachakademie Stuttgart Hans-Christoph Rademann über die Kraft der Musik

Von gab 

Was braucht der Mensch zum Leben? Für Hans-Christoph Rademann, den Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, ist die Antwort nicht schwer. Vor allem in Zeiten wie diesen kann Musik motivieren und aufrichten.

Für Hans-Christoph Rademann, Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, ist Kultur ein Lebensmittel. Vor allem und erst recht in Zeiten des Coronavirus.  Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin
Für Hans-Christoph Rademann, Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, ist Kultur ein Lebensmittel. Vor allem und erst recht in Zeiten des Coronavirus. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

„Kunst ist aus meiner Sicht ein Lebensmittel“, sagt er. „Ich kenne kaum einen Menschen, der ohne Kultur lebt. Und damit meine ich natürlich auch andere als die, die wir aufführen.“ Ein Lebensmittel? „Wir erleben im Moment eine Zeit, in der wir die Dinge nicht beeinflussen können“, erklärt er. „Man fühlt sich ausgeliefert.“ In solch einer Zeit könne zum Beispiel die Musik von Heinrich Schütz oder Johann Sebastian Bach motivieren und aufrichten, davon ist er zutiefst überzeugt. „Wie sind die beiden mit Notzeiten umgegangen?“, fragt er sich. Denn diese Notzeiten, das weiß er, seien in den Werken der beiden Komponisten sehr präsent.

Was nicht verwunderlich ist: Schließlich schrieb Heinrich Schütz einen erklecklichen Teil seiner wunderbaren Musik in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges, dem damals um die 40 Prozent der Landbevölkerung zum Opfer fielen. Auch für Johann Sebastian Bach war der Tod viel näher am Leben, als für die meisten Menschen in der heutigen Zeit. Schon im Alter von neun Jahren war Bach Vollwaise, und von den insgesamt sieben Kindern, die er mit seiner ersten Frau Maria Barbara hatte, starben drei noch vor der Vollendung ihres ersten Lebensjahres. Als er 1720 von einer zweimonatigen Reise zurückkehrte, war Maria Barbara nach kurzer Krankheit verstorben und bereits beerdigt. Die meisten der 13 Kinder, die er mit seiner zweiten Frau Anna Magdalena hatte, starben ebenfalls bereits im Kindesalter.

Hans-Christoph Rademann: „Wir leben gerade in einer sehr verlustreichen Zeit“

Viele der Vertonungen, so sagt Rademann, beschäftigten sich mit dem Vaterunser. „Unser täglich Brot, das war damals relevant. Entsprechend dramatisch sind oft die Textausdeutungen. Oft wird eine regelrechte Bestandsaufnahme gemacht“, weiß er. Trotzdem, so betont der Experte, zeigten die Werke der beiden Komponisten positive Zukunftsvisionen auf und verbreiteten Zuversicht. „Das stärkt mich auch in dieser Phase, wenn ich an diese positiven Zukunftsvisionen denke“, sagt er. „Wir leben gerade in einer sehr verlustreichen Zeit“, resümiert Hans-Christoph Rademann Und damit meint er auch ganz konkrete Dinge. Etwa die Mitglieder der Gaechinger Cantorey, die nicht fest angestellt sind und nun ohne Konzerte einen erheblichen Teil ihres Einkommens verlieren.

Er denkt aber auch an seine Studenten, die nicht wissen, ob sie ihre Prüfungen werden machen können. Und natürlich geht es auch um die Bachakademie als Ganzes, die bislang viel Unterstützung von Seiten der Wirtschaft erhält, die wiederum durch die aktuellen Einschränkungen momentan arg gebeutelt wird. Das einzig Beständige sei gerade das Rätselraten, wann so etwas wie ein Stück Normalität zurückkehren wird, so Rademann. „Zum ersten Angebot wird es nicht gehören, dass man wieder ins Konzert gehen kann“, da ist er sehr realistisch. Dennoch hat das Team bis zum Schluss am neuen Musikfest gearbeitet, das für Juni geplant war und nun doch abgesagt werden musste.

Aufnahme von Bachs Johannes-Passion gibt Trost

Ein Trost mag für Musikliebhaber sein, dass es neue Einspielungen mit der Musik auf CD gibt, die Hans-Christoph Rademann auch für sich ganz persönlich als sehr hilfreich empfindet. Da ist zum einen die Aufnahme von Bachs Johannes-Passion in der vierten Fassung, die nur selten zu hören ist. Ganz neu ist zudem die CD des „Messiah“ von Georg Friedrich Händel. Und dann ist da noch die Gesamtaufnahme des Werks von Heinrich Schütz, für die Rademann 2018 mit dem neu gestifteten Heinrich-Schütz-Preis ausgezeichnet wurde. „Musik ist ein Lebenselixier, das einen motiviert und aufrichtet“, das ist schon lange seine tiefe Überzeugung. „Ich hoffe, wir dürfen es den Menschen bald wiedergeben.“

Die CDs können jedenfalls schon jetzt bestellt werden. Der Weg zu den Versendern führt über die Homepage der Bachakademie.