Internationale Bauausstellung Jetzt offiziell: Leonberg ist IBA-Land

Wo müssen wir unterschreiben? IBA-Intendant Andreas Hofer (re.) und Strabag-Bereichsleiter Axel Möhrle (2. v. l.) bei der Vertragsunterzeichnung, beobachtet vom Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (hinten 2. v. re.) und Baubürgermeister Klaus Brenner (2. v. l.). Foto: Simon Granville/ 

Das Kernstück der Leonberger Stadtentwicklung ist jetzt Teil des Renommierprojektes IBA ’27 und hat damit hohe ökologische Vorgaben. Der Investor will sich mit der Stadt spätestens zum Jahreswechsel einigen.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Das Postareal, das wichtigste Stadtentwicklungsprojekt von Leonberg, ist jetzt offiziell Bestandteil der Internationalen Bauausstellung Stadt Region Stuttgart, kurz IBA ’27. Der Intendant Andreas Hofer und die Geschäftsführerin Karin Lang haben am Mittwoch gemeinsam mit Axel Möhrle, dem Stuttgarter Bereichsleiter des Investors Strabag Real Estate, und Martin Schuder, dem Direktionsleiter des Bauunternehmens Züblin, einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Damit wird am Fuße der Altstadt nicht einfach ein neues Quartier gebaut, sondern eines, das modernsten Ansprüchen einer nachhaltigen und menschenfreundlichen Stadtgestaltung genügt.

 

Und dass im Leonberger Zentrum gebaut wird – das ist die wohl wichtigste Erkenntnis dieses Termins – scheint nun festzustehen. Der Stuttgarter Strabag-Chef will zum Jahreswechsel den städtebaulichen Vertrag zwischen seinem Unternehmen und der Stadt Leonberg unter Dach und Fach haben: „Unser Konzern will zeigen, was er kann“, sagte Möhrle beim IBA-Vertragstermin im Leonberger Rathaus. Immerhin ist es fünf Jahre her, dass Strabag den Wettbewerb für die Neugestaltung des Postareals gewonnen hat. Immer wieder hatte es Diskussion um die Gestaltung des Bereichs zwischen Leo-Center und Altstadt gegeben. Angesichts Corona und der kriegsbedingten Wirtschaftskrise zerplatzten zudem viele Pläne.

Damit im kommenden Frühjahr wirklich die Bagger anrücken können, müssen noch zwei Hürden überwunden werden. Zum einem steht eine finale Verhandlungsrunde zwischen Stadt und Investor an, in der letzte juristische Fragen geklärt werden sollen. Zum anderen entscheidet am Dienstag der Gemeinderat über ein Thema, das in der Kommunalpolitik schon häufig zu Kontroversen geführt hat: den Parkraum. Die Aufnahme des Postareals als IBA-Projekt bedingt eine besonders ökologische Ausführung mit „maximaler CO2-Reduktion.“

Bisher war dort ein Stellplatzschlüssel von 1,5 für Wohnungen mit mehr als 65 Quadratmetern vorgesehen. Kleinere Appartements sollten einen Parkplatz haben. Nun ist für alle Wohnungen ein Stellplatzschlüssel von 0,8 vorgesehen. Stattdessen müssen kleinere Wohnungen zwei Radstellplätze vorweisen, größere sogar vier. Durch diese und andere Maßnahmen solle der Alltagsverkehr „autounabhängiger“ werden.

Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) warb um Vertrauen in alle Beteiligten: „Man kann in einer Planung nicht den letzten Strauch festlegen.“ Auch Andreas Hofer verwies auf den prozesshaften Charakter der 23 IBA- Projekte: „Sie sind alle kompliziert. In Leonberg kommen die Topografie und die Vermittlung zwischen einzelnen Stadtteilen dazu.“

Holzbrücke zur Altstadt

Deshalb geht es nicht nur um Gebäude, sondern auch den viel zitierten Brückenschlag zum Marktplatz hin. Diesen will die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln in Eigenregie umsetzen. Baubürgermeister Klaus Brenner kündigt eine ansprechende Holzbrücke für Fußgänger und Radler an: „Damit wird die Altstadt in die Innenstadt hineingezogen, ist dann viel näher dran.“

Andreas Hofer, ein europaweit renommierter Stadtentwickler aus der Schweiz, war zur Vertragsunterzeichnung das erste mal in Leonberg und „beeindruckt vom großstädtischen Charakter“ des Zentrums. Für den IBA-Intendanten ist das eine gute Basis, die Stadt nach vorne zu bringen. Er appellierte an die Kommunalpolitiker, nun den Weg freizumachen: „Die Politik hat sich durch den Blick auf zu viele Details selbst ein Stück entmachtet. Ich bin ein wenig schockiert über die vielen kleinteiligen Beschlüsse und Debatten, während draußen die Welt wegläuft.“

„IBA steht für Veränderungen“

Auch der Strabag-Real-Estate-Bereichsleiter Axel Möhrle erhofft sich vom Leonberger Gemeinderat mehr Mut zur Zukunft: „Die IBA steht nicht für das Motto ,So haben wir es schon immer gemacht.’ Die IBA steht für Veränderungen.“ Veränderungen, die der Stadt gut tun werden, wie die IBA-Geschäftsführerin Lang meinte: „Nach 2027 schaut die Welt ein bisschen mehr nach Leonberg.“

Die Zeit sei knapp, räumte Strabag-Mann Möhrle ein, aber: „Geht es jetzt los, können wir gegen Ende 2027 etwas zeigen.“ Auch Baubürgermeister Klaus Brenner erwartet, dass im Ausstellungsjahr die neuen Wegebeziehungen und die Anbindung an die Altstadt „erlebbar“ sein werden.

An der Baufirma soll es jedenfalls nicht scheitern: „Wir leben davon, dass wir endlich zur Tat schreiten können“, meinte der Züblin-Regionalchef Schuder. „Wir haben hinter den Kulissen extrem stark an dem Leonberger Projekt gearbeitet. Nun schaut, dass ihr die Verträge schnell fertig bekommt.“ Wenn das keine Motivation ist.

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