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Internationale Hugo-Wolf-Akademie Konzertreihe „Der ganze Hugo Wolf“: Abrufbar in der Mediathek

Von gab 

Im März 2016 startete die Internationale Hugo-Wolf-Akademie die Konzertreihe „Der ganze Hugo Wolf“. Dass die Konzerte alle aufgezeichnet worden und nun online in der Mediathek der Akademie abrufbar sind, ist aktuell ein besonderes Glück.

Die Internationale Hugo-Wolf-Akademie setzt in Zeiten des Coronavirus ganz auf ihre Mediathek. Hier ist zum Beispiel die Konzertreihe „Der ganze Hugo Wolf“ abgelegt. Foto: IHWA
Die Internationale Hugo-Wolf-Akademie setzt in Zeiten des Coronavirus ganz auf ihre Mediathek. Hier ist zum Beispiel die Konzertreihe „Der ganze Hugo Wolf“ abgelegt. Foto: IHWA

Es gehört zu den kleinsten musikalischen Formen und hat doch, vor allem im 19. Jahrhundert, eine so große Bedeutung: das Kunstlied. Hier geht es nicht um opulente, ausladende Klangfarbenpracht. Vielmehr liegt seine ganz besondere Kostbarkeit umgekehrt genau darin, dass hier die leisen, intensiven und daher besonders persönlichen und ausdrucksstarken Töne ihre wunderbare Wirkung entfalten können. Höchste technische und stimmliche Flexibilität ist bei dieser musikalischen Gattung von den Interpreten gefordert, außerdem ein tiefes Verständnis für die vertonten Texte.

„Hugo Wolf ist immer stark von der Deklamation ausgegangen“, erläutert Dr. Cornelia Weidner, die Intendantin der in Stuttgart beheimateten Internationalen Hugo-Wolf- Akademie. „Er hat sehr, sehr nah am Text komponiert.“ Wie bei keiner anderen musikalischen Formation ist es für ein Lied-Ensemble existenziell, dass sich die musikalischen Partner auf allen Ebenen verstehen. Das gilt in besonderer Weise für die Lieder von Hugo Wolf, der auch lange, anspruchsvolle instrumentale Vor- und Nachspiele komponiert hat. „Er hat eine besondere, neue Ton- und Klangsprache verwendet“, sagt die Intendantin.

Hugo Wolf hat etwa 300 Lieder geschaffen

„Sein Vorbild war Robert Schumann, und er war auch ein großer Wagnerianer.“ Hugo Wolf habe der Musik die Tür zum 20. Jahrhundert geöffnet. „Er hat Tonreibungen gewagt, die eine gewisse Schroffheit mit sich bringen. Seine Musik ist sehr ausdrucksstark.“ Seine Klangwelt sei die der Spätromantik – mit Blick auf die Moderne. Einige Jahre lebte Hugo Wolf übrigens in einer Wohngemeinschaft mit Gustav Mahler.

Etwa 300 Lieder hat Hugo Wolf, der von 1860 bis 1903 lebte, geschaffen. Nicht fortlaufend, sondern jeweils in kürzeren Zeitabschnitten. In den gängigen Konzerten habe sich aber allenfalls die Hälfte etabliert – wenn überhaupt, weiß Cornelia Weidner. Es gäbe aus diesem Grund noch viele, die bislang unbekannt sind. „Wir heißen Internationale Hugo-Wolf-Akademie. Und wer sollte sich um die Aufführung seines gesamten Liedschaffens kümmern, wenn nicht wir?“

Gesagt, getan: Im März 2016 startete die Konzertreihe „Der ganze Hugo Wolf“. Die Konzeption dazu hatte Marcelo Amaral geschaffen. Er ist Professor für Liedbegleitung an der Musikhochschule Nürnberg und Mitglied des künstlerischen Beirats der Hugo- Wolf-Akademie. Außerordentlich hilfreich ist dabei, dass er in enger Verbindung mit einer ausgewiesenen Hugo-Wolf-Expertin ist, der amerikanischen Musikwissenschaftlerin Susan Kwans. Sie hat zu Hugo Wolf wegweisende Studien veröffentlicht, die bislang in der deutschsprachigen Literatur noch nicht zu finden sind.

„Wir sind jetzt auf der Zielgeraden“

Die Konzeption für das ebenso schöne wie ehrgeizige Projekt zu erstellen, war dennoch keine Kleinigkeit: Denn in jedem der Konzerte erklingen um die 20 Lieder. Zusammengestellt sind sie jedoch nicht chronologisch nach der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten. So mischen sich bekanntere Stücke mit solchen, die kaum oder noch gar nicht erklungen sind und oft aus Wolfs Nachlass stammen, der sich in Wien befindet. Gedruckt wurden sämtliche Kompositionen inzwischen in einer Gesamtausgabe. „Wir versehen alle Werke, die schon aufgeführt wurden, mit einem Häkchen“, erzählt Cornelia Weidner. So kommen alle Lieder mindestens einmal vor, einige wenige auch öfters. Zwei Drittel sind bislang schon aufgeführt worden. „Wir sind jetzt auf der Zielgeraden“, schmunzelt die Intendantin.

Viele unterschiedliche Besetzungen haben die Lieder gespielt: oft Preisträger des Internationalen Wettbewerbs für Liedkunst, den die Akademie dieses Jahr, wenn es bis dahin wieder möglich ist, bereits zum 12. Mal im Herbst ausrichten wird.

Internationale Hugo-Wolf-Akademie: Mediathek aktuell besonders wichtig

Dass die Konzerte alle aufgezeichnet worden sind, oft auch in Kooperation mit dem Rundfunk, ist aktuell ein besonderes Glück. Denn all diese Konzerte werden seit Anfang 2020 nach und nach in der Mediathek zugänglich gemacht. Seit Beginn dieses Jahres gibt es auf der Website und über Youtube auch immer ein „Lied der Woche“, das mit interessanten Zusatzinformationen zur Verfügung gestellt wird. „Nach und nach möchten wir so eine richtige Hugo-Wolf-Mediathek aufbauen“, erklärt Cornelia Weidner. So können Interessierte auch von Zuhause aus Hugo Wolfs Musik genießen. Ein besonders wertvoller Schatz in der aktuellen Situation. Oftmals sind diese Lieder im übrigen auch humorvoll. Dann zum Beispiel, wenn Wolf Texte von Eduard Mörike vertont hat, den er besonders schätzte.