Internationale Kooperation Böblinger Expertise für Tunesien

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Der Landkreis will die Zusammenarbeit mit der Stadt El Guettar weiter ausbauen.

Im Dezember informierten sich die  Gäste aus Tunesien an der Gottlieb- Daimler-Schule über das deutsche Berufsschulwesen. Foto: factum/Granville
Im Dezember informierten sich die Gäste aus Tunesien an der Gottlieb- Daimler-Schule über das deutsche Berufsschulwesen. Foto: factum/Granville

Böblingen/El Guettar - Auf drei Jahre war das Abfallwirtschafts-Projekt des Landkreises Böblinger im tunesischen El Guettar angelegt: Jetzt sollte es enden. Doch sowohl die Böblinger als auch die Tunesier sind so begeistert von der Zusammenarbeit, das diese nun nicht nur fortgesetzt, sondern sogar ausgebaut werden soll – und das auf mehreren Themenfeldern. Noch im laufenden Jahr will die 25 000-Einwohner-Stadt einen Partnerschaftsvertrag mit dem Landkreis Böblingen abschließen.

Drei Jahre lang haben Wolfgang Bagin, der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs und sein Team die Kollegen in El Guettar beraten, waren zweimal dort. In Tunesien gab es bisher keine Mülltrennung. El Guettar möchte sie einführen – und hat nach Böblinger Vorbild einen Wertstoffhof gebaut.

Sprachförderung und Tourismus als Schwerpunkte

Zweimal waren Vertreter der tunesischen Stadt in den vergangenen drei Jahren in Böblingen – zuletzt im Dezember mit dem ersten frei gewählten Bürgermeister Ammar Mabrouk. Dabei forcierten die Tunesier neue Themen. Interessiert sind sie sie, von den Böblingern im Bereich Handwerksausbildung zu lernen und Impulse für den Ausbau des Tourismus zu bekommen. „Da können wir zum Beispiel beim Anlegen von Wanderwegen helfen“, sagt Dusan Minic vom Böblinger Landratsamt.

Ein Schwerpunkt der Tunesier sei das Thema Sprachförderung. „Sie wollen, dass man El Guettar Deutsch lernen kann. Zum Beispiel Studenten, die in Deutschland studieren möchten“, erklärt Minic. Auch dafür hätten sie dem Kreis um Unterstützung gebeten. „Wir haben ja bei uns im Haus im Amt für Migration Experten für dieses Thema“, sagt Minic.

In einem Partnerschaftsvertrag sollen die Ziele und Themen der künftigen Zusammenarbeit festgeschrieben werden. Dabei gehe es nicht um eine klassische kommunale Partnerschaft, betont Minic, sondern um konkrete Projekte.

Auch Sindelfingen macht mit

Finanziell unterstützt wurde die bisherige Kooperation von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die Kooperation zwischen dem Kreis Böblingen und El Guettar war Teil des dreijährigen GIZ-Projekts „Wissenstransfer Maghreb-Deutschland. 25 Kommunen aus Tunesien, Algerien und Marokko arbeiten dabei mit Städten, Kreisen und Organisationen in Deutschland zusammen. Auch die Stadt Sindelfingen macht mit – und berät die algerische Stadt Annaba bei der Planung eines neuen Baugebietes sowie bei einem Klärwerksprojekt. Die GIZ trägt auch die Reisekosten der deutschen und arabischen Teilnehmer. Die GIZ habe bereits signalisiert, dass sie auch die künftige Partnerschaft Böblingen – El Guettar unterstützen werde, so Minic.

Für den Landrat Roland Bernhard ist diese Kooperation spannend. „Es ist interessant zu beobachten, wie sich eine Demokratie neu entwickelt.“ Sobald im Frühsommer die Wahlen auf der nächsthöheren Kommunalebene vorbei sind, möchte Bernhard auch Kontakte zum Gouvernat knüpfen, dem El Guettar angehört.