Internationale Szene bei Art Dubai Kunstsammler reisen nun nach Dubai

International: die Art Dubai Foto: Art Dubai/Cedric Ribeiro

Bislang sind die großen Kunstzentren in Westeuropa und Amerika. Warum haben jetzt trotzdem einige Galeristen und Kunsthändler ein Ticket nach Dubai gebucht?

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Wahres Talent ist in Deutschland zu Hause. Das lässt zumindest der Kunstkompass vermuten, ein Ranking der erfolgreichsten Künstlerinnen und Künstlern der Welt. Jahr für Jahr kommt die Hälfte der zehn Stars an der Spitze aus Deutschland – Gerhard Richter, Georg Baselitz und Rosemarie Trockel. Das könnte sich über kurz oder lang allerdings ändern. Denn längst spielt im internationalen Kunstbetrieb die Musik nicht mehr ausschließlich im Westen Europas und in den USA. Zwar mögen die Documenta in Kassel, die Kunstbiennale von Venedig und die legendäre Messe Art Basel noch immer die zentralen internationalen Kunstereignisse sein, aber das große Geld wird nicht mehr nur an den traditionellen Handelsplätzen verdient, sondern neben Hongkong zunehmend auch im Nahen Osten.

 

Deshalb hat Barbara Thumm bereits ihre Koffer gepackt, um nach Dubai zu fliegen, wo sie von Donnerstag an auf der Art Dubai Malerei aus ihrem Programm zeigen wird. Die Berliner Galeristin stellt zum ersten Mal auf der Kunstmesse in Dubai aus, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Kunstveranstaltungen in der Region entwickelt hat. Barbara Thumm ist zuversichtlich, dass sie die Kosten für den aufwendigen Messeauftritt bis Sonntag wieder eingespielt haben wird. Denn zwei der Künstlerinnen, die sie in ihrer Galerie vertritt, waren auf der vergangenen Biennale von Sharjah ausgestellt, einem Emirat, das Kultur und zeitgenössische Kunst besonders stark fördert. „Deswegen wollte ich sehen, was da für ein Markt ist“, sagt Barbara Thumm. „Ich gehe davon aus, dass die Messe gut laufen wird.“

Die meisten deutschen Galerien sind noch sehr zögerlich

Die Chancen stehen durchaus gut. „Wir haben eine starke und wachsende Sammlergemeinschaft in Dubai“, erklärt Abida Kassam, der Sprecher der Art Dubai. Die Kunstsammler reisen inzwischen aus der ganzen Welt zur Art Dubai an – und nicht nur sie. Stolz weist Kassam darauf hin, dass neben „einigen der besten Privatsammler“ auch sehr prominente Museen zur Kundschaft in Dubai gehörten: die Londoner Tate, das Metropolitan Museum of Art in New York oder auch das County Museum of Art aus Los Angeles.

Nicht nur Barbara Thumm ist überzeugt, dass der Kunstmarkt derzeit „komplett neu sortiert wird – auch hier im Westen“, wie sie meint. „Es verändert sich alles“, sagt sie. Trotzdem scheint das Gros der deutschen Galerien sehr verhalten zu sein, was das Engagement im Nahen Osten anlangt. Die Ausstellerliste der Art Dubai ist international, aber es steht nur eine Handvoll Anbieter aus Deutschland darauf. Das hat mit den Vorlieben der Kundschaft zu tun. Denn das kaufkräftige Publikum interessiert sich zwar auch für internationale Malerei und neue Trends wie digitale Kunst, sechzig Prozent des Angebots auf der Art Dubai stammen aber aus dem globalen Süden. Die restlichen vierzig Prozent verteilen sich auf die europäischen und internationalen Kunstzentren.

Christie’s will die Kunden für das westliche Marktsystem gewinnen

Nicht nur für Galeristen wie Barbara Thumm stellt sich die Frage, ob und wie man auf diese neuen Märkte am Golf reagieren soll. Für das Auktionshaus Christie’s war schon früh klar, dass man sich dort engagieren muss, weil die Zeiten vorbei sind, in denen sich die Märkte ausschließlich um London und Paris drehten. Deshalb veranstaltet Christie’s bereits seit 2006 in Dubai Auktionen. „Am Anfang war das wahnwitzig erfolgreich“, erinnert sich Dirk Boll, der Präsident von Christie’s. Gewachsen sei der Markt dort seither allerdings nicht, obwohl Christie’s kaum westliche Kunst versteigert, sondern vor allem Werke von Kunstschaffenden aus dem Mittleren Osten zwischen 1920 und heute anbietet. „Der Umsatz, der vor Ort in der Golfregion gemacht wird, ist ein Bruchteil von dem, was Christie’s zum Beispiel in Hongkong verdient“, sagt Dirk Boll.

Aus ökonomischer Sicht ist das Engagement in Dubai also zu vernachlässigen – indirekt lohnt es sich aber sehr wohl. Denn Christie’s macht längst auch in London Auktionen mit Kunst aus dem Mittleren Osten, um die dortigen Sammler nebenbei auch für das „westliche Kunstuniversum“ zu gewinnen, so Boll. „Die Bedeutung liegt darin, dass man Plattformen kreiert und Menschen in unser Marktsystem einlädt. Dafür funktioniert das hervorragend.“

Für Künstlerinnen und Künstler eröffnen sich neue Kundenkreise

So werden die Kunstzentren auf der Landkarte neu sortiert – und ist es nur eine Frage der Zeit, dass die ewigen Heroen an der Spitze des Kunstkompasses Konkurrenz bekommen. Wer schon jetzt seine Netzwerke aufbaut, könnte da im Vorteil sein. So hat der österreichische Künstler Clemens Wolf Glück, dass die Sanatorium Galerie aus Istanbul zu den Pionieren gehört, die nicht nur auf den westlichen Betrieb setzen, sondern auch im arabischen Raum gute Kontakte haben. Wolfs Arbeiten werden in den nächsten Tagen auf der Art Dubai zu sehen sein. Bei der letzten Messe konnte er dort bereits neue Kunden gewinnen. „Die Käufer“, erzählt Clemens Wolf, „waren sowohl aus dem Westen als auch aus dem arabischen Raum.“

Kunstwelt am Golf

International
Die Art Dubai findet seit 16 Jahren und gilt als wichtiger Katalysator, weil durch sie ein reges Kunstsystem in der Region angestoßen wurde und inzwischen internationale Strahlkraft hat.

Vielfältig
Die Art Dubai ist nicht die einzige Kunstmesse. Die Abu Dhabi Art, die im November in Abu Dhabi stattfindet, zeigt Kunst aus der Region wie auch Positionen aus dem Ausland. Die Beirut Art Fair konzentriert sich dagegen auf zeitgenössische Kunst aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien. Auch in Bahrain gibt es eine jährliche Messe, die Art Bahrain Across Borders. Auf der Doha Jewellery and Watches Exhibition in Katar spielt Kunst zwar nur eine untergeordnete Rolle, sie ist aber eine wichtige Ausstellung für Kunsthandwerk und Schmuckkunst im Nahen Osten. adr

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kunstmesse Golf Sammler