Silvester – damit sind rund um den Globus ganz unterschiedliche Traditionen verbunden. Sportlerinnen und Sportler aus Stuttgart erzählen von den Ländern, in denen sie geboren sind.
Die Stuttgarter Sportszene ist eine vielseitige. Das gilt nicht nur für die Disziplinen, die vom Fußball über das Eishockey bis hin zu hochklassigem Tischtennis und Wasserball reichen. Auch bei den Ländern der Athletinnen und Athleten ist die Diversität groß. Ob Argentinien, Japan oder Kanada – in den Stuttgarter Vereinen finden sich die unterschiedlichsten Nationalitäten.
Wer sich dort umhört, kann so einiges über die verschiedenen Kulturen dieser Erde lernen. Zum Beispiel, was das Thema Silvester angeht. Warum springen die Menschen auf den Philippinen um Mitternacht in die Luft? Welche Bedeutung haben die spanischen Trauben? Und was macht die Neujahrsfeier in New York so besonders? Internationale Sportlerinnen und Sportler erzählen von Silvester-Traditionen rund um den Globus.
Mitsuki Yoshida, Tischtennisspielerin des DJK Sportbund Stuttgart aus Japan
Beten statt Raketen – in Japan ist der Übergang ins neue Jahr traditionell besinnlicher als in Deutschland. „Dort gibt es an Silvester kein Feuerwerk“, sagt Mitsuki Yoshida über ihr asiatisches Herkunftsland. Stattdessen beginnen die Menschen in der Inselnation im Pazifik den Abend häufig vor dem Fernseher. Quotenschlager am 31. Dezember ist die jährliche Sondersendung „Kohaku“. In der Musik-Show duellieren sich Teams, die aus einigen der bekanntesten Künstlerinnen und Künstler des Landes bestehen.
Dazu kommen in den meisten Haushalten Soba-Nudeln auf den Tisch, wie Yoshida erzählt. Die Teigwaren aus Buchweizen werden gerne mit Suppe serviert. „Und dann gehen die Leute in einen Tempel, um dafür zu beten, dass im neuen Jahr alles gut sein wird“, führt die Tischtennisspielerin weiter aus.
Die 41-Jährige ist in der Präfektur Ehime im Süden Japans geboren. Ihr Sport brachte sie zwischenzeitlich nach Kroatien, Tschechien, Polen und Portugal. Längst ist die einstige Weltenbummlerin jedoch im Raum Stuttgart heimisch geworden. Lange für den Bundesligisten SV Böblingen aktiv, wechselte sie im Sommer in die zweite Liga zum Sportbund. An Silvester kommen in diesem Jahr ihre alte und neue Heimat zusammen: Yoshida erhält Besuch von einer Freundin aus Japan.
Sergio Prieto Hernandez, Wasserballspieler des SV Cannstatt aus Spanien
Eine Tradition darf an Silvester in Spanien nicht fehlen. „Wir essen zwölf Trauben“, sagt Sergio Prieto Hernandez. Viel Zeit zum Kauen ist dabei nicht, denn kurz vor Mitternacht geht es Glockenschlag auf Glockenschlag: „Zwölf Sekunden vor Ende des alten Jahres legen wir los und dann essen wir eine Traube pro Sekunde.“
Jede der Früchte steht für einen der kommenden zwölf Monate. Denjenigen, die alle Trauben rechtzeitig verspeisen, soll ein glückliches Jahr bevorstehen – so besagt es zumindest der Brauch. Seine landesweite Verbreitung geht vermutlich auf eine Werbeaktion zurück: Im Jahr 1909 verteilten Winzer in der Region Alicante nach einer reichen Ernte ihre überschüssigen Früchte kostenlos – und förderten so das Glücksritual.
„Außerdem gibt es eine große Party in Madrid auf dem Plaza del Sol“, ergänzt Prieto Hernandez. Der Wasserballspieler feiert in diesem Jahr allerdings nicht in der spanischen Hauptstadt, sondern zusammen mit seiner Familie in Barcelona. Auch die kroatische Freundin des 25-Jährigen ist dabei. „Sie wird an Silvester die spanische Tradition erleben“, sagt Prieto Hernandez. Die deutsche Tradition kennt er dagegen selbst nicht: Obwohl er bereits seit einigen Jahren in Stuttgart lebt, hat er den Silvesterabend noch nie hier verbracht.
Agustina Lertora, Hockeyspielerin des VfB Stuttgart aus Argentinien
Der argentinische Silvesterabend ist in der Regel geprägt von einem ausgiebigen Mahl. „Wir treffen uns normalerweise mit der Familie zum Essen und sitzen dann bis Mitternacht zusammen“, berichtet Agustina Lertora. Essen, das bedeutet in Argentinien häufig: gegrillte Speisen. „Asado“ (spanisch für „Gegrilltes“) ist in der Kultur des südamerikanischen Landes tief verankert. Klar, dass es auch am 31. Dezember nicht wegzudenken ist. „Zum typischen Silvesteressen gehören selbstgemachte Gerichte und gegrilltes Fleisch“, sagt Lertora.
Gerne würde die Akteurin des VfB Stuttgart den Tag einmal in Deutschland miterleben. „Ich bin sehr neugierig darauf, die lokalen Traditionen hier kennenzulernen.“ Denn: „Mich interessiert, wie sich die deutschen Feiern von den argentinischen unterscheiden“, sagt die 26-Jährige. Zweitere seien sehr spontan und auf die Familie fokussiert. Mit der verbringt auch Lertora in diesem Jahr den Abend in der 15-Millionen-Einwohner-Metropole Buenos Aires – das deutsche Silvestererlebnis muss also warten.
Grundsätzlich sagt die Hockeyspielerin über den Jahresausklang: „Das ist für mich eine wichtige Zeit, um mich auszuruhen und dann mit neuem Elan die sportlichen Herausforderungen des neuen Jahres anzugehen.“
Augustnol Bohn, Fußballspieler des SV Hoffeld, geboren auf den Philippinen
Als Augustnol Bohn vier Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern von den Philippinen nach Deutschland. Sein Geburtsland besuchte er anschließend jahrzehntelang nicht mehr. Inzwischen ist der 43-Jährige zwar wieder relativ regelmäßig in dem südostasiatischen Staat, der aus mehr als 7000 Inseln besteht. Doch nach philippinischen Silvesterbräuchen gefragt, muss er sich erst einmal bei seiner Mutter erkundigen. „Sie ist dann sofort in Erinnerungen geschwelgt“, berichtet Bohn von dem Gespräch.
Seine Erkenntnisse: „Die Menschen von den Philippinen springen um Punkt zwölf Uhr in die Luft, weil das das Wachstum fördern soll.“ Wohl kein seltener Wunsch in einem Land, in dem die Durchschnittsgröße laut Wikipedia nur knapp 1,60 Meter beträgt. „Außerdem klappern die Filipinos mit Kochlöffeln auf Töpfe, um böse Geister zu verjagen.“ Dieser Brauch stamme aus Zeiten, in denen ein Feuerwerk vielen Menschen zu kostspielig gewesen sei.
Kulinarisch gebe es wie bei allen großen Festen „Lechon“ – ein „Riesenspanferkel“, wie Bohn erläutert. Karaoke gehöre am Silvesterabend ebenfalls dazu. Denn zwei Dinge weiß Bohn nicht nur von seiner Mutter, sondern auch aus eigener Erfahrung: „Die Menschen auf den Philippinen können sehr gut singen – und sie feiern gerne.“
Chanell Williams, Basketballspielerin des MTV Stuttgart aus den USA
Silvester in New York, das ist Chanell Williams zufolge ein besonderes Erlebnis. Sie habe Schwierigkeiten, dafür die richtigen Worte zu finden. „Jedenfalls geht es sehr euphorisch zu“, sagt sie dann doch. Williams ist in der US-amerikanischen Metropole geboren und im Stadtteil Bronx aufgewachsen. Jedes Jahr kommen in New York am 31. Dezember Tausende zusammen, um auf dem Times Square in Manhattan auf einem riesigen Bildschirm einen Countdown zu verfolgen.
„Wer nicht dort ist, schaut sich die Übertragung davon im Fernsehen an“, erzählt Williams. Mit ihrer Familie haben sie Letzteres meist vorgezogen. Inzwischen hat ihre Basketballkarriere die 26-Jährige allerdings nach Stuttgart geführt. Dort gelte: „Wenn ich nicht in New York bin, verreise ich für Silvester normalerweise.“ Im vergangenen Jahr war sie in Köln, diesmal ist Frankfurt an der Reihe. „Ich gehe gerne mit Freunden auf Neujahrspartys und schaue mir dann das Feuerwerk an“, sagt die 1,63 Meter große Aufbauspielerin von Zweitligist MTV Stuttgart.
Bei aller Freude über die Erlebnisse in Deutschland werde ihr aber gerade zum Jahresausklang immer wieder bewusst: „Egal wo ich hingehe, es ist doch nirgendwo so wie zuhause.“ Silvester in New York, das ist für Chanell Williams eben einfach etwas Besonderes.
Vasileios Lampropoulos, Basketballspieler des MTV Stuttgart aus Griechenland
Die Griechen setzen gleich auf mehrere Glücksbringer, um für das neue Jahr gewappnet zu sein. „Zu Silvester gibt es die Vasilopita mit Glücksmünze“, sagt Vasileios Lampropoulos. Die Vasilopita, das ist ein traditioneller griechischer Neujahrskuchen aus Hefe- oder Mürbeteig. Wer beim Verspeisen die eingebackene Münze entdeckt, dem oder der steht dem Brauch zufolge ein glückliches Jahr bevor.
Das Zerschlagen eines Granatapfels – eine symbolisch bedeutsame Frucht in der griechischen Mythologie – soll in der Silvesternacht ebenfalls das Glück herbeiführen, wie Lampropoulos erzählt. Der erfahrene Guard, in der vergangenen Saison einmal mehr Topscorer beim Basketball-Regionalligisten MTV Stuttgart, kennt längst auch die deutsche Routinen zum Jahresausklang. Das Fazit des 35-Jährigen: „In Griechenland ist es eher ein familiäres Fest mit Fokus auf Traditionen, während in Deutschland Partys und Feuerwerk im Vordergrund stehen.“
Privat spielen die Unterschiede für Lampropoulos allerdings keine große Rolle. Schließlich verbringt er Silvester in Stuttgart üblicherweise mit Familienmitgliedern und griechischen Freunden, die ebenfalls hier leben. „So haben wir hier die gleichen Bräuche und die gleiche Atmosphäre wie in Griechenland“, sagt er.
Matt Pistilli, Eishockeyspieler der Stuttgart Rebels aus Kanada
In der Sportart von Matt Pistilli trennen Kanada, das Herkunftsland des 37-Jährigen, und seine derzeitige Wahlheimat Deutschland Welten. Hierzulande hat Eishockey zwar durchaus Tradition, was nicht zuletzt die rege Fankultur beweist. Das ist allerdings kein Vergleich zu der nordamerikanischen Nation, die als Wiege des Kufensports gilt. Auf internationaler Ebene stellt Kanada bis heute das Nonplusultra des Eishockeys dar.
Geht es dagegen um Silvesterbräuche, liegen die beiden Länder nicht weit auseinander. „Die Traditionen in Deutschland und in Kanada ähneln sich sehr“, sagt Pistilli. Ein paar Unterschiede fallen ihm aber ein. Erstens: „In Kanada gibt es nicht so viel Feuerwerk.“ Und zweitens: „Dort haben wir keine Sendung, die so lustig ist wie ,Dinner for One’.“ Stattdessen seien vor allem Jahresrückblicke im Fernsehen beliebt.
Pistilli stammt gebürtig aus Montreal, Stadt der Canadiens – mit 24 Titeln erfolgreichstes Team in der Geschichte der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. 2016 kam er dann nach Deutschland, zunächst zu den Löwen Frankfurt. Für die Rebels steht er heute nicht nur als Verteidiger auf dem Eis, sondern fungiert außerdem als sportlicher Leiter. Pistillis diesjährige Silvester-Pläne in Stuttgart: „Ich feiere mit meiner Frau, unserem Hund und Freunden.“
Daniil Zgurski, Volleyballspieler des ASV Botnang, geboren in der Republik Moldau und bulgarischer Staatsbürger
Wenn Daniil Zgurski mit seiner Familie Silvester feiert, verschmelzen verschiedene kulturelle Einflüsse. Geboren ist der 23-Jährige in der Republik Moldau, als Angehöriger der russischen Minderheit des Landes. Eine Folge: „Wir gehen am 31. Dezember in die Sauna.“ Diese Tradition sei in der christlich-orthodoxen Kultur Russlands fest verankert, erzählt Zgurski. „Das findet man auch in vielen russischen Filmen.“
Im Alter von acht Jahren zog Zgurski dann mit seinen Eltern in die bulgarische Hauptstadt Sofia. „Dort gibt es mehr Silvester-Bräuche“, sagt er. So ziehen etwa in vielen bulgarischen Dörfern zum Jahreswechsel die Jungen in traditioneller Kleidung durch die Straßen. Unterwegs berühren sie mit Ruten der Kornelkirsche ihre Familienmitglieder. „Das soll Glück und Gesundheit bringen.“
Mit 14 Jahren folgte der nächste Landeswechsel für Zgurski, der in Bulgarien die dortige Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Diesmal ging es nach Deutschland. Ein Teil der Familie lebt hier inzwischen in Stuttgart, ein anderer in Baden-Baden. In der Kurstadt feiern die Zgurskis in diesem Jahr Silvester, inklusive Großeltern. „Wir essen zusammen, jeder bereitet etwas vor“, sagt Daniil Zgurski. Und auch der Saunagang darf dann natürlich nicht fehlen.