Internationaler Frauentag in Göppingen Rebellinnen auf zwei Rädern

Von  

Teilzeit und Niedriglohnjobs sind weiblich, sagt eine Gewerkschafterin, und Politikerinnen fordern mehr Geld für die sozialen Berufe. Echte Rebellinnen waren aber andere.

Die Firma Opel stellte von 1886 bis 1940 auch Fahrräder her.Foto:Städtisches Museum Foto:  
Die Firma Opel stellte von 1886 bis 1940 auch Fahrräder her. Foto:Städtisches Museum

Kreis Göppingen - Das vor 100 Jahren errungene Wahlrecht für Frauen ist beim Frauentag am Donnerstag, 8. März, eines der beherrschenden Themen. Was erreicht wurde und was noch nicht, soll bei einer Kundgebung um 17 Uhr auf dem Göppinger Marktplatz thematisiert werden. Der Frauentag im Kreis beginnt mit einem Frauenfrühstück, zu dem die Göppinger Landfrauen die frühere Kulturstaatssekretärin Marion von Wartenberg (SPD) eingeladen haben, um mit ihr über den langen Weg zur Gleichberechtigung zu diskutieren. Außerdem soll am Frauentag auch wieder gefeiert und getanzt werden. Und bereits am Vorabend geht es im Museum Storchen um Rebellinnen auf zwei Rädern und die befreiende Wirkung des Frauenradfahrens.

„Wir müssen für bessere Bezahlung sorgen“

„Gleichstellung heißt Gerechtigkeit“, stellen die Göppinger Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens (SPD) und die Vorsitzende des Kreisverbands Göppingen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) Heide Kottmann in einer gemeinsamen Erklärung zum Internationalen Frauentag fest. Es habe bereits viele Fortschritte der Bemühungen um Gleichstellung gegeben, trotzdem gebe es noch genügend Ziele, die es zu verfolgen gelte.

„Wir müssen in Arbeitsbereichen, die überwiegend von Frauen getragen werden und die auch für uns als Gesamtgesellschaft von großer Bedeutung sind, für eine bessere Bezahlung sorgen. Nur so werden wir dem Fachkräftemangel in sozialen Berufen entgegenwirken können.“ Die Lücke in der Bezahlung von Männern und Frauen wurzele auch darin, dass diese Berufe bisher nicht ausreichend honoriert wurden, erklärt die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens.

„Teilzeit und Niedriglohnjobs sind weiblich“

Außerdem seien Teilzeit- und Niedriglohnjobs im Kreis Göppingen Frauensache mit einem Anteil von 74 Prozent, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Als regelrechte Karrierefalle, auf die magere Renten, wenn nicht gar Altersarmut folgten, bezeichnet dies die NGG-Geschäftsführerin für Ulm, Aalen und Göppingen, Karin Brugger.

Die männliche Dominanz in Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, Sport und auch in der Sprache nimmt Heide Kottmann aufs Korn: „Dass wir in einer Gesellschaft leben, die noch immer in sexistischen Strukturen verhaftet ist, lässt sich nicht abstreiten. So sind Frauen in Entscheidungsgremien deutlich unterrepräsentiert.“ Immer noch seien viel zu wenig Frauen in den Parlamenten vertreten. Das gilt auch für den Göppinger Kreistag, in dem von 81 Kreisräten lediglich 19 weiblich sind, und den Göppinger Gemeinderat, wo der Frauenanteil ein knappes Drittel beträgt.

Ein buntes Programm für Mädchen und gestandene Frauen

Um 17 Uhr ruft der Interkulturelle Frauenrat am 8. März zur Kundgebung zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ vor dem Rathaus auf. Tagsüber sind Mädchen von zehn bis 16 Jahren zum Mädchenspektakel in die Stadthalle eingeladen. Am Samstag, 10. März, steigt das Internationale Frauenfest mit Familien um 18.30 Uhr in der Turnhalle Faurndau. Veranstalter sind das Kulturamt, der italienische Elternverein, der albanische Verein, der Migrantinnenverein Göppingen und der Interkulturelle Frauenrat Göppingen. Auf die Spuren der Märklin-Namensgeberin Caroline Märklin begibt sich am Samstag, 14. April, um 14.30 Uhr eine Stadtführung.

Die Eislinger Frauenaktion (Efa) lädt am 8. März von 19.30 Uhr an zum Feiern mit der Band Hitboutique in den Eislinger Adler ein. Das fünfte internationale Eislinger Frauenfrühstück mit kulturellem Rahmenprogramm steigt am Sonntag, 8. April, um 10 Uhr in der Eislinger Stadthalle. Grußworte sprechen die Geislinger Landtagsabgeordnete Nicole Razavi (CDU) und die Eislinger Kulturamtsleiterin Marie-Luise Schäfer