Internationaler Frauentag Wo Männer unter sich bleiben

Sind reine Männervereine im Jahr 2020 eigentlich noch zeitgemäß? Eine Spurensuche auf der Filderebene zum internationalen Frauentag am 8. März.

Dem  Schwabenbräu-Singchor aus Stuttgart-Vaihingen gehören ausschließlich männliche Mitglieder an. Warum eigentlich? Foto: Rebecca Anna Fritzsche
Dem Schwabenbräu-Singchor aus Stuttgart-Vaihingen gehören ausschließlich männliche Mitglieder an. Warum eigentlich? Foto: Rebecca Anna Fritzsche

Filder - Jedes Jahr am 8. März wird weltweit der internationale Frauentag begangen. Mit diesem Tag, der in Berlin übrigens sogar ein Feiertag ist, soll auf die andauernde Diskriminierung von Frauen aufmerksam gemacht werden und für die Gleichberechtigung der Geschlechter gekämpft werden. Diesmal lautet das Motto „Each for equal“, zu Deutsch in etwa „Jeder und jede für Gleichberechtigung“.

Dass Frauen in Deutschland immer noch schlechter gestellt sind als Männer, zu Beispiel was die Bezahlung oder die Rentenansprüche angeht, ist nichts Neues. Ebenso wenig die Tatsache, dass immer noch viel zu wenige Frauen Führungspositionen in der Wirtschaft und der Politik innehaben. Zudem gibt es immer noch etliche Berufsbilder, in denen entweder hauptsächlich Männer oder Frauen vertreten sind.

Hier sind ausdrücklich nur Männer erwünscht

Aber auch im gesellschaftlichen Leben fallen Trennungen der Geschlechter auf. So gibt es beispielsweise exklusive Männer- oder Frauenvereine. Ist dies im Jahr 2020 eigentlich noch zeitgemäß? Auf der Suche nach Antworten bei Zusammenschlüssen, die freiwillig oder unfreiwillig reine Männerdomänen sind.

Der Schwabenbräu Singchor aus Vaihingen ist ausdrücklich ein Männerverein. Entstanden ist er als Werkschor der Brauer bei Schwabenbräu. „Damals war es Voraussetzung, bei Schwabenbräu zu arbeiten“, erzählt der zweite Vorsitzende Rolf Keyerleber, der selbst Gründungsmitglied ist. Heute ist der Singchor für alle geöffnet – solange es Männer sind. 29 Mitglieder hat der Chor aktuell, „wir sind stolz darauf, singfähig zu sein“, sagt Günther Harsch, der erste Vorsitzende. Denn: „Unser Chor verjüngt sich nicht, er ergänzt sich nur.“ Soll heißen: Nachwuchs kommt keiner dazu, das älteste Mitglied ist 94 Jahre alt, ab und an kommt jemand Neues dazu, aber ebenfalls bereits im gehobenen Alter.

„Wir singen nicht nur vor uns hin, sondern bereiten auch immer Konzerte vor“, sagt Rolf Keyerleber. Im April singen sie in der Vaihinger Stadtkirche, im Oktober gibt es einen schwäbischen Abend, gemeinsam mit dem Verein für schwäbische Mundart. Einmal in der Woche wird geprobt, immer montags in der Alten Kelter. Davor und danach sitzt man zusammen, bei Bier und Brezeln.

Eine Frau gibt es dann aber doch beim Männerchor

Diese Gemeinschaft ist es auch, die den Singchor zusammenhält, „wer einmal da ist, dem gefällt es bei uns“, sagt Harsch. Sich für Frauen öffnen? Nein, da schütteln die Männer die Köpfe. „Uns war der Familienanschluss immer wichtig“, erzählt Keyerleber, man habe Ausflüge mit den Ehefrauen und den Kindern organisiert. Aber mitsingen? Das sollte den Männern vorbehalten bleiben.

Eine Frau hat der Chor dann aber doch in seine Reihen gelassen: Gabriele Timm-Bohm, sie ist seit September 2019 die Chorleiterin und Dirigentin. Aber selbst sie findet es gut, dass die Männer hier unter sich bleiben. „Das ist ein ganz toller Klangkörper, eine wahnsinnige Energie, etwas ganz Besonderes.“ Probleme mit der weiblichen Chorleiterin gibt es keine. „Ich bin nicht die erste Frau, die den Singchor leitet“, sagt Timm-Bohm, „und sie machen alles, was ich von ihnen will“. Sie lacht und fügt an: „Es wäre schön, wenn es den Männerchor in dieser Form noch lange geben würde.“

Dass sich die Männer jeweils vor und nach der Probe zusammensetzen, gemeinsam essen und trinken, ist womöglich auch auch aus einem anderen Grund wichtig: Hier können sie sich im vertrauten Kreis über alles Mögliche austauschen, auch Probleme ansprechen. Etwas, das vielen Männern eh nicht leicht fällt. „Frauen gehen eher mal spontan zusammen einen Kaffee trinken – zum Reden“, sagt Gabriele Timm-Bohm.

Sie würden sich über ein paar Frauen mehr freuen

Eine eher unfreiwillige Männerhochburg sind indessen die „Reizenden Jungs“ aus Heumaden. Der Skatverein hat aktuell 32 Mitglieder, nur drei davon sind Frauen. „Wir hätten sehr gerne mehr weibliche Mitglieder“, sagt der Vorsitzende Klaus Stelzer, „wir wollen niemanden fernhalten“. Er erzählt von den Clubabenden, die der Verein jede Woche ausrichtet, den beiden Mannschaften, die in der Oberliga spielen, und dem zehnjährigen Bestehen, das der Verein dieses Jahr feiert. Stelzer vermutet, dass es am Skatsport selbst liegt, dass hier kaum Frauen am Tisch sitzen. „Es scheinen sich nicht so viele Frauen für Skat zu interessieren.“ Aber der Umgang untereinander sei nicht anders, wenn Frauen dabei seien – „vielleicht sind wir eher sogar noch netter“, meint Stelzer und lacht.

Vereine, nur für Männer oder Frauen, ein Relikt aus der Vergangenheit? „Solange sie gemeinnützig sind, auf dem Grundgesetz fußen und im Ausschluss niemanden diskriminieren, ist da nichts gegen einzuwenden“, sagt Susanne Omran, die Filderstädter Gleichstellungsbeauftragte. „Problematisch finde ich Gruppen wie Burschenschaften, wo aggressiv-konservative Männlichkeit gepflegt wird.“ Eine Radikalisierung dürfe nicht stattfinden, ein positiver Beitrag für die Gesellschaft müsse erkennbar sein. „In vielen Männer- oder Frauenvereinen werden Traditionen gepflegt.“ Und sie nennt Vereine wie „Frauen helfen Frauen“, die sich nur an Frauen richten und wichtige Schutzräume bieten. Zum Frauentag sei es wichtig, auch an diejenigen zu denken, die solche Schutzräume bräuchten. Und letztlich gehe es auch darum, dass diese Schutzräume bestenfalls gar nicht mehr nötig seien.

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