Internationalisierung Uni Hohenheim setzt auf Ausländer

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Sind 21,2 Prozent ausländische Studierende „zu viel“ und Chinesen problematisch? Diese Aussage des Stuttgarter Unirektors teilen Kollegen der Uni Hohenheim nicht. Im Gegenteil: dort will man die Internationalisierung noch steigern.

An der Uni Hohenheim  wird großer Wert auf Vernetzung und internationale Beziehungen gelegt. Foto: ni Hohenheim/Boris Lehner
An der Uni Hohenheim wird großer Wert auf Vernetzung und internationale Beziehungen gelegt. Foto: ni Hohenheim/Boris Lehner

Stuttgart - Die Uni Hohenheim will noch internationaler werden. „Unser Ziel ist, die Internationalisierung auszubauen, insbesondere in den profilbildenden Studiengängen der Uni“, sagte Andreas Pyka, Hohenheimer Prorektor für Internationalisierung und Professur für Innovationsökonomik, auf Anfrage unserer Zeitung. Damit reagierte er auf einen Bericht über die Äußerungen des Stuttgarter Unirektors Wolfram Ressel: Dieser hätte an seiner Uni lieber weniger Ausländer.

In seinem Jahresbericht vor Unirat und Senat hatte Ressel einen Ausländeranteil der Studierenden von 21,2 Prozent als zu hoch kritisiert und dabei die Chinesen als wegen ihrer Masse und Abschottung Probleme bereitende Gruppe benannt. In der chinesischen Community kursiert ein übersetzter Beitrag unserer Zeitung darüber im Netz und hat verärgerte Kommentare ausgelöst.

Dass in Hohenheim der Anteil der ausländischen Studierenden in Hohenheim insgesamt zwar 14 Prozent beträgt, im ersten Hochschulsemester aber auf 26 Prozent gestiegen ist, löst bei Pyka und seinen Kollegen keine Besorgnis aus. „Im Masterstudiengang Bioökonomie ist der Ausländeranteil 80 Prozent – und das ist gut so“, sagt der Prorektor. „Das ist ein internationales Thema, das können wir nicht allein lösen. Unser Ziel, mehr ausländische Masterstudierende zu kriegen, liegt auch an unseren Themen: globale Ernährungssicherung, Lebensmitteltechnologie, global vernetzte Volkswirtschaft.“

In Hohenheim gelten Chinesen als wichtige Partner

Die Chinesen gehören auch an der Uni Hohenheim zu den Vertretern der häufigsten Herkunftsländer. Aber in Hohenheim gelten sie als wichtige Partner. Franziska Schenk, die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes in Hohenheim, bezeichnet die chinesische Agraruni in Peking gar als „unseren Premiumpartner“. Die Beziehungen gingen bis Ende der 70er Jahre zurück. Der Präsident dieser Agraruni sei ein Hohenheimer Absolvent und habe hier promoviert, so Pyka.

Der Prorektor räumt allerdings ein: „Es gibt eine Problematik: die Wohnsituation.“ Das betreffe allerdings alle. „Wir garantieren allen ausländischen Neuankömmlingen für ein Jahr ein Wohnheimzimmer“, berichtet Pyka. Deutsche Studierende hätten Zweijahreszimmer, dafür aber keine Garantie auf ein Zimmer.

Billig studieren auf Kosten deutscher Steuerzahler?

Im Netz kursiert als Reaktion auf Ressels Äußerungen unter anderem die These, dass sich ausländische Studierende auf Kosten deutscher Steuerzahler hierzulande ausbilden lassen, um dann wieder in die Heimat zu entschwinden. Dem hält Franziska Schenk entgegen: „Die ausländischen Absolventen sind nicht für Deutschland verloren – das sind ja unsere Alumni. Und mit wem kooperieren die? Natürlich mit ihrer deutschen Hochschule.“ Aber auch Arbeitgeber erwarteten interkulturelle Kompetenz, ergänzt Schenks Kollege Benjamin Gehring. Dabei gehe es auch um Dinge wie: „Wie komme ich mit einem internationalen Team zurecht?“ Auch deshalb sei es „wichtig, internationale Studierende und Dozenten auf dem Campus zu haben – das ist ein Mehrwert für alle“, so Schenk. Der Deutsche Akademische Austauschdienst empfehle bis zu 30 Prozent ausländische Studierende. Dies hält Pyka „für nachvollziehbar – denn Deutschland steht vor demografischen Problemen“.

„Wir haben ein Stipendienprogramm aufgelegt, um renommierte Gastwissenschaftler nach Hohenheim zu holen“, sagt Schenk. In den Masterstudiengängen würden die Bewerber im Unterschied zu den NC-Bachelorstudiengängen nicht nach (Ausländer-)Quote sortiert, sondern nach den „besten Köpfen“. Auch bei den Professoren wolle man noch internationaler werden – jetzt seien es nur vier von 120.

Einige chinesische Studierende fühlen sich zu Unrecht kritisiert

Unterdessen fühlen sich offenbar einige chinesische Studierende der Uni Stuttgart durch Rektor Ressels Äußerungen respektlos behandelt und zu Unrecht kritisiert, wie aus Leserzuschriften hervorgeht. Zur Integration gehörten immer zwei, argumentiert eine Chinesin und bezieht sich auf Ressels Vorwurf der Abschottung. Diese betreffe keineswegs nur Chinesen. Eine andere Chinesin argumentierte, schließlich könne ja auch eine Uni lenkend eingreifen, etwa bei der Belegung der Wohnheime. Eine Vermieterin schrieb unserer Zeitung, sie werde nicht mehr an Chinesen vermieten, da deren Kocherei so stinke.

Ein Treffen unserer Zeitung mit dem Vorsitzenden des Vereins der chinesischen Wissenschaftler und Studenten in Stuttgart e.V. sagte dieser kurzfristig ab, ein Ersatztermin kam nicht zustande. Auch die Uni Stuttgart schweigt. Fragen unserer Zeitung an Rektor Ressel wurden bisher nicht beantwortet.




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