InterviewInterne Kritik der CDU Sillenbuch „Man muss die Dinge überspitzt formulieren“

Nach dem desaströsen Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl am 14. März wirkt der Sillenbucher Ortsverband enttäuscht.  Foto: Julian Rettig/Lichtgut
Nach dem desaströsen Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl am 14. März wirkt der Sillenbucher Ortsverband enttäuscht. Foto: Julian Rettig/Lichtgut

Sie nennen es „Weckruf“: Die Ortsgruppe der CDU in Stuttgart-Sillenbuch möchte mit einem offenen Schreiben an die eigenen Reihen eine Diskussion über die Zukunft der Partei anstoßen.

Sillenbuch - Nach dem desaströsen Abschneiden der Christdemokraten bei der Landtagswahl am 14. März wirkt der Sillenbucher Ortsverband enttäuscht. Der Vorstand der mit rund 200 Mitgliedern zweitgrößten Bezirksgruppe der Stuttgarter CDU hat eine Liste mit 15 Forderungen an die Partei veröffentlicht. Claudia Pfeiffer, die kommissarische Vorsitzende, erklärt, was man sich davon erhofft

Frau Pfeiffer, wie war nach der Landtagswahl die Stimmung in der Sillenbucher Ortsgruppe?

Nach der Landtagswahl war die Stimmung eher gedrückt, weil wir festgestellt haben: Du kannst vor Ort noch so gute Arbeit leisten, mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern ins Gespräch kommen und auch über den Bezirksbeirat viel vor Ort bewegen – und dann kommen irgendwelche Knaller-Berichte aus Berlin, und die ganze Arbeit ist darnieder.

Im Sillenbucher Weckruf werden eine „Vielzahl an Fehlern und Fehlentwicklungen“ in der CDU angemahnt und 15 Forderungen an die Partei veröffentlicht. Es geht in einem Rundumschlag um mehr Nachhaltigkeit, Bürgernähe, Ehrlichkeit. Das klingt vernichtend.

Es geht eher darum, dass wir mutige Reformen möchten. Es ist eigentlich eine positive Aufforderung. Wir sind gern bei der CDU, wir vertreten die CDU auch gern, wir würden aber sehr gern über ein paar Dinge diskutieren. Um Diskussionen anstoßen zu können, muss man Dinge manchmal etwas überspitzt oder dramatischer formulieren, als es tatsächlich vielleicht gemeint ist.

Die Sillenbucher fordern „Menschen, die überzeugen können, die authentisch und glaubwürdig sind“. Susanne Eisenmann lebt hier im Bezirk. Ist das ein Seitenhieb gegen sie?

Nein, überhaupt ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil, wir haben den größten Respekt vor ihr. Als unsere Kandidatin war sie tatsächlich von uns auch gewollt. Unter Punkt 10 sagen wir auch, dass wir es toll finden, dass es solche Politiker noch gibt, die entsprechend Konsequenzen ziehen. Frau Eisenmann ist für uns eine authentische, glaubwürdige und sehr konsequente Frau.

„Unsere engagierte und innovative Arbeit vor Ort für die Menschen im Stadtbezirk Stuttgart-Sillenbuch wird zunichte gemacht“, wird moniert – ist das nicht etwas forsch-frech?

Ja, natürlich haben wir da die Masken-Affäre aus Berlin gemeint, wo einfach Gelder in unmoralischer Weise eingestrichen wurden und mit Corona in die eigene Tasche gewirtschaftet wurde. Das war mehr forsch und frech als unsere Forderungen hier.

Was zeichnet den Ortsverband aus?

Wir sind einfach ein super Team aus Jungen und Alten, aus Männern und Frauen. Wir haben das Gefühl, dass wir einen neuen Spirit hier reinbringen. Wir würden uns als innovativ und konservativ bezeichnen. Innovativ, weil wir neue Ideen aufnehmen und viele verschiedene neue Dinge umsetzen. Konservativ eher in dem Sinne, dass wir verlässlich sein möchten. Das, was wir tun, soll nachhaltig sein und nicht einfach verpuffen.




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