Interne Mails zum EnBW-Deal Mappus als willige Marionette

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Dirk Notheis war beim umstrittenen EnBW-Deal weit mehr als nur Berater. Der Investmentbanker schrieb das Drehbuch, nach dem Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus agierte. Das beweisen interne Mails.

Zu den Aktenordnern des Untersuchungsausschusses zum EnBW-Deal kommen drei weitere von  der Investmentbank Morgan Stanley hinzu. Foto: dapd 11 Bilder
Zu den Aktenordnern des Untersuchungsausschusses zum EnBW-Deal kommen drei weitere von der Investmentbank Morgan Stanley hinzu. Foto: dapd

Stuttgart - Die Frankfurter PR-Berater, die den EnBW-Rückkauf vermarkten sollten, baten dringend um eine Sprachregelung. „Was antworten wir auf die Frage, wer den Deal eingefädelt hat?“, erkundigten sie sich bei Dirk Notheis, dem Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley. „Der MP natürlich“, also Ministerpräsident Stefan Mappus, schrieb Notheis per Mail zurück, keine 48 Stunden vor dem Abschluss des Milliardengeschäfts. So klar war das offenbar nicht.

Auch sonst zeigte sich der Banker darauf bedacht, möglichst im Hintergrund zu bleiben. Wie Mappus reagieren solle, wenn er nach seinen Beratern gefragt werde? „Würde ich nicht beantworten“, empfahl Notheis seinem Freund aus gemeinsamen Tagen bei der Jungen Union. „Wenn gar nicht anders möglich“, solle der auf die „hervorragende“ Anwaltskanzlei Gleiss Lutz verweisen. Über die anfallenden Honorare dürfe er aus Gründen der Vertraulichkeit ohnehin nichts sagen – also auch nichts über jene 12,8 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, die Morgan Stanley für den EnBW-Deal kassierte.

EdF-Manager sieht Notheis als treibende Kraft

Die beiden Mails stammen aus drei Aktenordnern mit internem Schriftverkehr, die die Investmentbank dem Untersuchungsausschuss des Landtags nachträglich zur Verfügung gestellt hat. Rechtzeitig vor der Zeugenaussage weiterer Mitarbeiter an diesem Freitag macht sie damit offenbar reinen Tisch. Für ihren Deutschland-Statthalter Notheis, dessen Job bisher nicht gefährdet schien, ist das mindestens so unangenehm wie für seinen derzeit arbeitslosen Kumpel Stefan Mappus. Denn die Korrespondenz bestätigt jenen Eindruck, den ein beteiligter Manager der Électricité de France (EdF) bereits kurz nach dem Deal der StZ geschildert hatte: Treibende Kraft bei dem Milliarden­geschäft sei der Investmentbanker gewesen, seinen Freund aus der Politik habe er dafür „benutzt“. Mappus hoffte freilich genauso zu profitieren, der Coup sollte für ihn zum Befreiungsschlag werden.

Notheis’ Rolle, das zeigen die Mails, ging weit über die des Investmentbankers hinaus. Er war der Regisseur des Deals, er schrieb das Drehbuch, er kümmerte sich auch um die politische Strategie. Mappus hingegen erscheint als williger Lehrling des großen Meisters, ja sogar fast als Sprechpuppe, die vorformulierte ­Sätze aufsagen darf. Manchmal fragt er nach, wenn er etwas nicht recht verstanden hat, sonst fallen seine Erwiderungen knapp aus. „Top, LG (liebe Grüße, d. Red.), sm“, heißt es da etwa. Der sonst so Misstrauische hat offenbar grenzenloses Vertrauen in seinen Freund.

Ein Drehbuch für die Pressekonferenz

Im Flugzeug nach New York, zum Beispiel, entwirft Notheis schon früh das „Skript“ für die Pressekonferenz. „Sie werden mir recht geben, den Deal hätte auch die ,schwäbische Hausfrau‘ gemacht, wenn sie es denn könnte“, soll Mappus sagen. Fast wortgleich kommt die Passage später in einem Interview. Detailliert wird dem Ministerpräsidenten vorgegeben, wen er wann und wie einbinden soll – etwa den früheren EnBW-Chef Gerhard Goll: „Auch wenn Du Dich über ihn geärgert hast, musst Du ihn anrufen. Du brauchst Goll, nicht Groll!“ Als Lockmittel für die FDP („So ein Deal ist nicht ganz einfach für Ordoliberale“) empfiehlt der Banker einen Aufsichtsratsposten für Wirtschaftsminister Ernst Pfister, den er „Pfisterer“ nennt. „Das nimmt er bestimmt gerne an, zumal er aus der Politik ausscheidet.“ Dann nämlich muss er die etwa 50 000 Euro Vergütung nicht mehr ans Land abliefern. Dem für die Freigabe der Milliarden benötigten Finanzminister Willi Stächele (CDU) misstraut Notheis offenbar noch mehr als Mappus. „Wenn Du ihn am Montag morgen in den Griff bekommst, dann würde ich ihn doch nicht vorab informieren“, rät er ihm. Das Ergebnis ist bekannt: Stächele wird am Vorabend nach 23 Uhr eingeweiht.

Die Medien soll Mappus mit einem renommierten Experten beeindrucken, „der das Ganze gut findet“ und als „moderne Industriepolitik“ lobt. „Es sollte jemand sein, der Dir einen Gefallen schuldet bzw. den Du gut kennst . . .“, empfiehlt Notheis – etwa der Mannheimer Professor Wolfgang Franz. Seine „moderne Industriepolitik“ muss der Premier später freilich selber loben, in der Fachwelt erntet er mit dem Deal eher Kopfschütteln bis Entsetzen. Auch die Medienberater der Agentur Hering Schuppener bringt der Banker ins Spiel. Sie würden der Geschichte für die Wirtschaftsblätter den richtigen Dreh geben „und Dich aufs Titelblatt bringen“. Dort landete er tatsächlich, aber ganz anders als gedacht.