Interne Streitigkeiten bei Waffenhersteller Machtkampf bei Heckler & Koch eskaliert

Von dpa 

Beim Waffenhersteller Heckler & Koch aus Oberndorf rumort es gewaltig. Ein französischer Großaktionär will den Aufsichtsratschef Harald Kujat abberufen.

Die Bundeswehr ist ein wichtiger Kunde für Heckler & Koch.  Hier halten  Soldaten das Gewehr G36 in den Händen. Foto: dpa/Sven Hoppe
Die Bundeswehr ist ein wichtiger Kunde für Heckler & Koch. Hier halten Soldaten das Gewehr G36 in den Händen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Oberndorf - Ein Machtkampf bei Heckler & Koch bringt den Aufsichtsratschef, den früheren Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat, unter Druck. Wie aus der Webseite des „Bundesanzeigers“ hervorgeht, will ein Großaktionär der Waffenschmiede den 77-Jährigen aus dem Kontrollgremium abberufen lassen. Dies soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember geschehen. Der entsprechende Antrag wurde gestellt von einer Firma namens Compagnie de Developpement de L’EUA S.A., kurz CDE. Gründe für den Antrag nannte der Aktionär nicht.

Heckler & Koch ist in einer kritischen Phase. Nach tiefroten Zahlen im vergangenen Jahr steuert die Firma 2019 zwar wieder einen kleinen Gewinn an, bleibt aber hoch verschuldet.

Großaktionär ist kaum öffentlich bekannt

Der Großaktionär CDE ist für die Öffentlichkeit bisher ein unbeschriebenes Blatt. Er hält mindestens fünf Prozent des Stammkapitals – wären es weniger, wäre der Antrag auf das Abberufungsvotum nicht angenommen worden. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, steht der französische Investor Nicolas Walewski hinter dem Unternehmen. Er ist schon seit geraumer Zeit bei H&K involviert, dies lange im Einklang mit dem Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen. Offenbar kam es zum Bruch der beiden – warum, ist unklar.

Möglicherweise war die Personalie Kujat dem Franzosen von Beginn an ein Dorn im Auge. Auffällig war, dass Kujat bei seiner Wahl in den Aufsichtsrat im Juli 2019 nur 94,3 Prozent Jastimmen und 5,7 Prozent Gegenstimmen bekam. Was nach einer satten Mehrheit klingt, ist im H&K-Universum ein schlechter Wert – üblicherweise sackt die Firma bei Hauptversammlungen Zustimmungsquoten nahe 100 Prozent ein, nur einige Friedensaktivisten mit einem Minianteil von 0,03 Prozent am Stammkapital stimmen stets mit Nein.

Kujat kam auf Wunsch des Mehrheitsaktionärs Heeschen in den Aufsichtsrat – die 5,7 Prozent Neinstimmen dürften damit auch ein Warnschuss gegen Heeschen gewesen sein.

„Angriff auf die Integrität des Unternehmens“

Der Mehrheitseigentümer wiederum meldete sich kurz nach Publikation des Abwahlantrags zu Wort und stärkte Kujat demonstrativ den Rücken. Mit Blick auf den Schritt des anderen Aktionärs erklärte Heeschen ungewöhnlich scharf: „Als Inhaber der absoluten Mehrheit der Stimmrechte halte ich dieses Vorgehen für irritierend und nicht im Sinne des Unternehmens zielführend.“ Der Antrag der CDE sei „ganz offensichtlich von sachfremden Erwägungen getragen und als Angriff auf die Integrität des Unternehmens zu verstehen“. Das Schreiben liegt der dpa vor, zuvor hatte die „Welt“ darüber berichtet.

Kujat wiederum war überrascht. Er wisse nicht, wer sich hinter der Firma CDE verberge – mit ihm habe niemand von diesem Unternehmen gesprochen, sagte er. Der pensionierte General betonte, dass er sich weiterhin für Heckler & Koch einsetzen wolle. Die Firma sei für die Sicherheit Deutschlands sehr wichtig.

Der renommierte Militär war bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr und danach bis 2005 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. Seine Ernennung zum H&K-Aufsichtsratschef werteten Branchenkenner als klugen Schachzug – Kujat könnte für die Firma ein Aushängeschild sein, vor allem auch mit Blick auf die 250 Millionen Euro schwere Ausschreibung des Bundes für ein neues Bundeswehr-Sturmgewehr. Doch nun droht der General a. D. ein Opfer in einem internen Firmenmachtkampf zu werden.

Denn der Ex-Militär hat zwar noch die Unterstützung von Heeschen. Dessen Position aber ist geschwächt: Unlängst wurde bekannt, dass der Investor die Mehrheit von H&K an einen anderen Aktionär abgeben möchte. Laut „Focus“ handelt es sich um ein Konglomerat aus Firmen aus verschiedenen Weltregionen, etwa von der Karibikinsel Barbados. Ob Heeschen seine Anteile verkaufen darf, wird vom Bundeswirtschaftsministerium noch geprüft. Auch hierbei soll Walewski eine zentrale Figur sein – ob mit der CDE oder über andere Firmen, ist offen. Walewski selbst war nicht erreichbar. Heeschen könnte bald also nur noch Minderheitsaktionär sein. Dass er sich trotzdem weiterhin in tragender Rolle sieht bei H&K, untermauerte er erst vor wenigen Tagen: Der 58-Jährige gab bekannt, dass er in den Aufsichtsrat der H&K AG gewählt werden will – dafür wurde eine außerordentliche Hauptversammlung am 19. Dezember in Rottweil anberaumt. Das Treffen im historischen Badhaus einer Pulverfabrik ist also ganz in seinem Sinne – bisher zumindest. Doch nun nutzt mit der CDE ein interner Gegenspieler das Treffen, um gegen Kujat und somit auch gegen Heeschen Front zu machen.