Nach jahrelangen Verzögerungen beim Glasfaser-Ausbau sieht Kernen keine Grundlage mehr für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Anbieter GVG. Wegen des Verstreichens ausdrücklich zugesagter Starttermine hat die Gemeinde den Kooperationsvertrag mit dem in Kiel ansässigen Unternehmen mit sofortiger Wirkung gekündigt.
Der Geduldsfaden ist offenbar derart überspannt, dass Rathauschef Benedikt Paulowitsch von einem „nicht seriösen Geschäftsgebaren“ spricht – und scharfe Kritik am bisherigen Ausbaupartner übt. „In dieser Konstellation ist der Glasfaser-Ausbau gescheitert. Das Vertrauen in das Unternehmen ist unwiederbringlich verloren“, wird Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in einer Mitteilung aus dem Rathaus zitiert.
Beim frustrierten Bürgermeister entlädt sich der aufgestaute Ärger
Er spricht von einer „Zumutung“ für die auf eine bessere Internetversorgung wartenden Bürger. „Wir haben uns in der Vergangenheit bewusst zurückgehalten, um das Projekt nicht zu gefährden. Wir haben Zugeständnisse gemacht, Kompromisse angeboten, koordinierten Tiefbau zugesagt und die Gemeinde als verlässlichen Partner positioniert. Was wir im Gegenzug erhalten haben, war Schweigen, Unverbindlichkeit und letztlich nichts“, entlädt sich beim frustrierten Schultes der aufgestaute Ärger.
Der Glasfaser-Ausbau war in Kernen seit Jahren angekündigt, ohne dass die Bagger konkret angerollt wären. Nach mehreren Veränderungen im Projektverlauf sollte zuletzt eine strategische Kooperation der GVG Glasfaser mit dem Internet-Anbieter UGG aus Ismaning bei München neuen Schwung bringen. Doch auf der Homepage der Tochtermarke Teranet ist für Kernen nach wie von einem „Baubeginn im zweiten Quartal 2025“ die Rede – ohne dass in den vergangenen Monaten ein Fortschritt bei der Vermarktung erkennbar gewesen wäre.
„Es blieb stets offen, wann der Ausbau tatsächlich beginnt und wie ein belastbarer Zeitplan aussieht. Für Kernen wurden konkrete Perspektiven genannt, darunter ausdrücklich das Jahr 2025. Eingetreten ist das nicht. Zuletzt war der Gemeinde zugesagt worden, bis Ende des ersten Quartals 2026 auch Klarheit über den weiteren Zeitplan zu schaffen. Diese Klärung blieb aus“, begründet Kernens Bürgermeister, weshalb die Kommune dem Kooperationspartner den Stuhl vor die Tür stellt.
Laut der am Ostersonntag verschickten Mitteilung ist Kernen mit der Entwicklung nicht allein. Auch in Waiblingen, Urbach und Plüderhausen stehe die UGG offenbar vor dem Aus. „Aus Sicht der Gemeinde zeigt sich damit, dass die Probleme nicht auf Kernen beschränkt sind. Das Muster ist auch dort dasselbe: große Ankündigungen, aber keine belastbare Verlässlichkeit“, heißt es aus den Rathaus.
Im Teilort Rommelshausen ist der Glasfaser-Ausbau längst abgeschlossen
Um das Ziel einer leistungsfähigen Internetversorgung für den Teilort Stetten doch noch zu verwirklichen, sucht Kernen jetzt nach einer Ersatzlösung. „ Die Verwaltung steht dazu bereits seit 2025 im Austausch mit dem Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr und prüft Optionen für einen verlässlichen Ausbau“, teilt die Gemeinde mit. Im Teilort Rommelshausen ist der über die Telekom abgewickelte Glasfaser-Versorgung seit 2024 abgeschlossen – allerdings mit erheblichen Lücken in mehreren wirtschaftlich offenbar nicht rentablen Straßenzügen.