Die ständig steigenden Energiepreise rufen auch Betrüger auf den Plan. Auf einem Kleinanzeigenportal im Internet wurde Heizöl im Namen eines Zuffenhäuser Händlers verkauft – ohne dessen Wissen und Zutun.

Die Energiepreise steigen und steigen. Kein Wunder also, dass immer mehr Verbraucher den Euro zweimal umdrehen und an allen Ecken und Enden sparen. Das nützen Betrüger aus. Einen besonders dreisten Fall gibt es in Zuffenhausen: Im Namen einer ortsansässigen Firma wurde auf einem Kleinanzeigenportal im Internet günstiges Heizöl angeboten – ohne Wissen und Zutun des Betriebs.

Heizöl zum vermeintlichen Sonderpreis

Der erste Anruf kam am Montagmorgen, der zweite am Montagmittag. „Da wusste ich, irgendwas ist im Busch, und mir wurde heiß und kalt“, sagt Thomas Siegel, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienbetriebs in Zuffenhausen. Seit 1899 versorgt die Firma ihre Kunden mit Brennstoffen aller Art. Doch so etwas hat Siegel bislang noch nicht erlebt: Firmenlogo, Adresse, Umsatzsteuernummer – alle diese Angaben waren in der Internetanzeige zu finden – und sie stimmten. 38 000 Liter Heizöl wurden dort unter seinem Namen angeboten, zum Preis von 1,10 Euro pro Liter – was zu dieser Zeit um circa 25 Cent unter dem Marktpreis lag. Siegel reagierte schnell: Er kontaktierte die Internetplattform und ging zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Zeitgleich trat ein guter Bekannter in Aktion: Er orderte 8000 Liter des angebotenen Öls und bekam auch prompt eine Auftragsbestätigung – die einem echten Schriftstück der Firma täuschend ähnlich sah.

Die meisten Angaben stimmten – bis auf den Namen des Geschäftsführers, die Mailadresse und die Kontonummer. Und bis auf die Forderung, dass der Kunde vor Lieferung des Öls die Hälfte des Gesamtbetrags (in diesem Falle 4400 Euro) vorab überweisen solle.

Nachdem die Polizei eingeschaltet worden war, verschwand die Anzeige sehr schnell aus dem Netz. „Meines Wissens gab es niemanden, der geschädigt wurde“, sagt Siegel. Die Polizei möchte darüber keine Auskünfte geben und verweist darauf, dass die Ermittlungen noch andauern. In diesem Fall handele es sich um verschiedene Delikte: Betrug, Urkundenfälschung, das Ausspähen von Daten, Datenveränderung. Im Zuge der Gesamtstrafenbildung (die höchste Strafe ist ausschlaggebend, in diesem Fall der Betrug) kann es maximal zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren kommen, aber auch eine Geldstrafe sei möglich. Da Betrugsdelikte innerhalb der Statistik nicht extra gefiltert werden, kann die Polizei nicht sagen, ob Vorfälle mit Heizöl öfters vorkommen. Wie groß die Chance ist, den oder die Täter zu fassen, lasse sich ebenfalls nicht genau sagen und hänge vom jeweiligen Fall ab.

Gütesiegel soll für Sicherheit sorgen

Hans-Jürgen Funke, der Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte, hat in den vergangenen Wochen keine erhöhte Anzahl von Heizölbetrug festgestellt. Natürlich gebe es immer wieder Einzelfälle, und in der Branche seien einige schwarze Schafe unterwegs. Grundsätzlich herrsche ein „sehr harter Wettbewerb“, und es gebe im Moment wegen des Ukraine-Kriegs „viele Unsicherheiten auf dem Markt“. In diesem Zusammenhang verweist Funke auf ein RAL-Gütezeichen, mit dem sich Händler freiwillig zertifizieren lassen können und das den Verbrauchern beim Einkauf Sicherheit geben soll. Davon, dass sparwillige Kunden im Internet auf Schnäppchenjagd gehen, hält er wenig. Schließlich könne man beispielsweise nicht wissen, wie alt das angebotene Öl sei und ob es darin Ablagerungen gebe.

„Ich kann natürlich verstehen, dass die Leute günstig an Heizöl kommen wollen“, sagt Thomas Siegel. Immer mehr Kunden würden mit ihm um den Preis feilschen. Er selbst kaufe bei vier regionalen und überregionalen Händlern ein. Deren Kalkulationen kenne er nicht und habe natürlich auch keinen Einfluss darauf. „Ich mache reelle Preise“, betont Thomas Siegel.

Natürlich, so erzählt Siegel, sei es wegen des Russland-Ukraine-Kriegs zu Erhöhungen gekommen. Seit dem 24. Februar seien das rund 30 Cent pro Liter. Da man momentan überhaupt nicht voraussagen könne, wie es weitergehe, rate er den Kunden, bereits jetzt den Tank so weit zu füllen, dass man damit wenigstens über den nächsten Winter komme – um damit sozusagen für „Wärme auf Vorrat“ zu sorgen.

Tipps gegen Internetbetrug

Die Polizei
verweist darauf, dass viele Angebote im Internet schlichtweg zu gut seien, um wirklich wahr zu sein. Deshalb sei stets ein gesundes Misstrauen angebracht. Von Spontankäufen wird grundsätzlich abgeraten. Zuerst sollten Preisvergleiche angestellt werden.

Angebote
mit finanziellen Vorleistungen stellen oftmals ein besonders großes Risiko dar. Die Polizei rät dazu, sichere Zahlungssysteme und Kommunikationswege zu benutzen.

Der Kauf auf Rechnung
kann vor Betrug schützen. Allerdings können Überweisungen allenfalls kurzfristig rückgängig gemacht werden. Beim Lastschriftverfahren ist dies einige Tage möglich. Von Zahlungsdiensten wie Western Union und Paysafecard rät die Polizei ausdrücklich ab. Keinesfalls sollte man Rechnungen oder persönliche Dokumente ins Netz stellen. Sie könnten Kriminellen dabei helfen, bessere Fälschungen zu erstellen.