Internethandel Mit Scheinrabatten auf Kundenfang

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Onlinehändler werben mit hohen Rabatten, die nur für eine kurze Zeit gelten. Oft ist die Ersparnis aber deutlich geringer als versprochen, wie Verbraucherschützer herausgefunden haben.

Händler blasen die Rabatte künstlich auf, indem sie den Verkaufspreis mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller vergleichen, die meist nur auf dem Papier stehen. Foto: dpa
Händler blasen die Rabatte künstlich auf, indem sie den Verkaufspreis mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller vergleichen, die meist nur auf dem Papier stehen. Foto: dpa

Stuttgart - Stark reduziert!“, „Bestpreis!“, „Bis 55 Prozent Rabatt“ - so rührt der Internethändler Amazon derzeit die Werbetrommel für seine „Cyber Monday Woche“. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie man Schnäppchenfieber erzeugt, damit der Kunde möglichst rasch und ohne viel Nachdenken kauft. „Greifen Sie schnell zu“, warnt der US-Handelsriese eindringlich, denn die Angebote, die nur wenige Stunden gelten, könnten „blitzschnell vergriffen sein“. Es ist die älteste Verkaufsmasche der Welt - aber sie wirkt immer noch.

Verbraucher, die gerne im Internet einkaufen, sollten sich nicht von solch billigen Tricks verführen lassen. Schnäppchenjäger sollten vielmehr den Rat der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beherzigen und grundsätzlich vor dem finalen Kaufklick in Ruhe die aktuellen Marktpreise vergleichen. Dafür reichen ein paar Minuten, denn mit kostenlosen Suchmaschinen wie Idealo, Check24 oder Preisvergleich.de ist das schnell erledigt.

Schnell kann sich dann zeigen, dass der angebliche „Preisknüller“ anderswo fast genauso günstig zu haben ist. Zudem ist die tatsächliche Ersparnis häufig viel geringer als versprochen. Das zeigen einige Stichproben der Verbraucherzentrale. Denn Amazon, aber auch viele andere Händler nutzen einen weiteren uralten Verkaufstrick: die aufgeblasenen Rabatte. Das funktioniert ganz einfach. Die Händler vergleichen den aktuellen „Sonderpreis“ mit den unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller. Diese UVP sind allerdings, wie der Name schon sagt, für keinen Anbieter vorgeschrieben. Sie stehen deshalb meist nur auf dem Papier. Jeder Verkäufer kann seine Preise zumindest im Prinzip selbst kalkulieren.

Verbraucherschützer prüfen die Preise

In der Praxis zahlt deshalb kaum ein Kunde die von den Herstellern empfohlenen Preise. Das gilt besonders für Elektronik, Kleidung und andere Modeartikel, bei denen die Konkurrenz groß ist. Der tatsächliche Verkaufspreis liegt meist viel niedriger, weshalb die UVP als unrealistische Mondpreise in Verruf gekommen sind. Man könnte auch sagen, damit werden Verbraucher schlichtweg veräppelt.

Trotzdem scheuen sich Amazon und viele andere auch stationäre Händler nicht, mit den Scheinrabatten tagtäglich auf Kundenfang zu gehen. So wurde bei der „Cyber Monday Woche“ gerade ein Kühl-Gefrier-Kombigerät für 275 Euro angeboten, angeblich ein satter Rabatt von 36 Prozent verglichen mit der UVP von 429 Euro. Diesen Mondpreis aber hat auch der Onlinehändler selbst nach Recherchen der Verbraucherschützer zuvor nicht verlangt. Vielmehr zahle der Kunde abseits des Countdown-Rummels nur rund 305 Euro für das Gerät. Die angeblichen 154 Euro Ersparnis schrumpfen also auf tatsächlich nur 30 Euro Vorteil zusammen, von den groß beworbenen 36 Prozent Scheinrabatt sind lediglich zehn Prozent wirklich real. Nur ein krasser Einzelfall? Die Stichproben belegen eher das Gegenteil.

Viele Händler setzen auf Mondpreise

Zehn der „Blitzangebote“ von Amazon, die nur wenige Stunden gelten und schon zuvor als nächste Superknüller angekündigt werden, nahmen die Verbraucherschützer unter die Lupe. Im Schnitt sollten die Kunden angeblich 59 Prozent gegenüber dem UVP sparen. Doch verglichen mit den Normalpreisen bei Amazon seien es in Wirklichkeit lediglich 18 Prozent gewesen.

Schon in den letzten Jahren haben die Verbraucherschützer die „Aktionswochen“ des Online-Giganten beleuchtet - mit ähnlichem Ergebnis. Jedes Mal seien die aufgeblasenen UVP-Rabatte ähnlich drastisch zusammengeschnurrt, bilanzieren die Experten. Trotzdem setzen viele Händler weiter auf den Mondpreistrick, und das manchmal mit geradezu atemberaubender Unverfrorenheit. Die „Cyber Monday Woche“ macht da keine Ausnahme. So versprach Amazon gerade seinen Kundinnen beim Kauf eines Schmuckkoffers eine Ersparnis von 229 Euro. Schnell zuschlagen, so ein Schnäppchen kommt nicht wieder, mag sich manche gedacht haben. Doch auch dieser Rabatt hatte wenig mit der Realität zu tun. Denn auch außerhalb der Ausverkaufszeiten ist das angebliche Schmuckstück schon für weniger als 60 Euro zu haben.