Internetkriminalität in Sindelfingen 50-Jähriger stellt tausende Bilder heimlich fotografierter Frauen ins Netz

Krasser Fall von Voyeurismus: Ein Sindelfinger lädt tausende heimlich gemachte Frauenfotos auf einen russischen Server. Foto: Unsplash/Miss Zhang
Krasser Fall von Voyeurismus: Ein Sindelfinger lädt tausende heimlich gemachte Frauenfotos auf einen russischen Server. Foto: Unsplash/Miss Zhang

Die Polizei hat in Sindelfingen die Wohnung eines 50-Jährigen durchsucht, der im Verdacht steht, mindestens 1800 Bilder, auf denen heimlich fotografierte Frauen zu sehen sind, auf einen russischen Server hochgeladen zu haben. Die Polizei erwartet hunderte Anzeigen wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung und anderen Strafbeständen.

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Kreis Böblingen - Das Polizeirevier Sindelfingen ermittelt seit einiger Zeit gegen einen 50-jährigen Sindelfinger, der im Verdacht steht, die Bilder weiblicher Personen unterschiedlichen Alters auf russische Server hochgeladen zu haben.

Wie die Polizei berichtet, gehen die Ermittler von mindestens rund 1800 Bildern aus, die in etwa 150 Internet-Sessions im Zeitraum von September bis Dezember 2020 übertragen worden sind. Die bisher bekannten Geschädigten stammen alle aus dem Landkreis Böblingen und die Bilder reichen teilweise bis 2014 zurück.

„Das geht in Richtung Voyeurismus“

Auf der betreffenden russischen Website werden Bildarchive mit mehreren tausend Bildern zumeist junger Mädchen in alltäglichen Situationen zur Verfügung gestellt. Die Polizei geht davon aus, dass die Bilder allesamt ohne das Wissen der Frauen gemacht wurden. „Das sind Fotos in allen möglichen Lebenslagen – auf Plätzen, auf der Straße, oder im Freibad“, zählt Polizeipressesprecher Stefan Hermann auf. Manche Frauen seien in knapper Kleidung oder in Bademode fotografiert worden, andere seien ganz alltäglich und mit langer Kleidung angezogen.

„Das geht in Richtung Voyeurismus“, sagt der Polizeibeamte, der selbst sieben Jahre lang im Bereich Sexualdelikte ermittelt hat und dabei gelernt habe, wie unterschiedlich die Neigungen der Täter ausgeprägt sein können.

Unterschiedlichste Strafbestände

Strafrechtlich sei dieser Fall sehr schwierig einzuordnen, erklärt Stefan Hermann. Vom Vom Urheberrechtsverstoß, über das Recht am eigenen Bild bis hin zu Aufnahmen höchstpersönlicher Lebensbereiche habe man es hier mit den unterschiedlichsten Strafbeständen zu tun. Eins haben laut dem Polizeisprecher aber alle Fälle gemeinsam: „Die Frauen wussten nicht, dass sie fotografiert wurden und haben dazu auch nicht ihr Einverständnis gegeben.“

Dass die Bilder auf einer Internetplattform in Russland hochgeladen wurden, wundert Hermann nicht. Bei solchen Delikten stehen die Server nach seinen Erfahrungen oftmals in Ländern, auf die die Behörden aufgrund der dort herrschenden politischen Verhältnisse keinen Zugriff haben.

Betroffene entdecken ihr Bild auf Facebook

Den entscheidenden Hinweis erhielt die Polizei durch mehrere betroffenen Frauen und junge Mädchen. Eine der fotografierten Frauen hatte ihr Bild wohl auf Facebook entdeckt. Nach und nach seinen immer mehr Hinweise von Betroffenen hinzugekommen. Die Polizei rechnet mit zahlreichen Anzeigen, die später wohl als Sammelvorgang von der Staatsanwaltschaft bearbeitet werden.

Am vergangenen Mittwoch vollstreckten die Ermittler einen von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragten Durchsuchungsbeschluss bei dem 50-Jährigen und stellten umfangreiche Beweismittel in Form von unterschiedlichen Datenträgern sicher. Ob bei dem Mann einschlägige Vorstrafen vorliegen, war dem Pressesprecher zunächst nicht bekannt. Die Auswertung der Datenmenge wird vermutlich mehrere Monate in Anspruch nehmen, kündigt die Polizei an. Zumal laut Hermann das Ausmaß des Falls noch gar nicht abzusehen sei.




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