Internetrecht Firmen gehen auf Facebook Risiken ein

Von Christiane Schulzki-Haddouti 

Bei Aktivitäten in sozialen Netzen müssen Unternehmen sich vor juristischen Fallen hüten. Auch Sicherheitsbedenken werden größer  

Gefahren in Facebook: Trickbetrüger belästigen Einzelnutzer, Firmen geraten in Konflikt mit der Erwartung an lockere Offenheit. Foto: dapd
Gefahren in Facebook: Trickbetrüger belästigen Einzelnutzer, Firmen geraten in Konflikt mit der Erwartung an lockere Offenheit. Foto: dapd

Stuttgart - Facebook wird zunehmend auch von Juristen und Sicherheitsexperten kritisch betrachtet. Insbesondere Unternehmen sollten ein Engagement gut überdenken. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster warnt Unternehmen im "Deutschen Anwaltspiegel" ausdrücklich vor Facebook: "Facebook ist gefährlich - und das nicht nur datenschutzrechtlich."

Hoeren macht darauf aufmerksam, dass alle Regeln des Internetrechts auch für Facebook gelten. Zurzeit gebe es jedoch kaum ein Unternehmen, das die Impressumspflicht nach dem Telemediengesetz auf seinen Facebookseiten berücksichtigt. Es genüge nicht, wenn Händlerportale wie mobile.de nur ein allgemeines Portalimpressum erstellen. Sie müssen auch ein Händlerimpressum angeben.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Facebookseiten dem Gegendarstellungsrecht genügen müssen, wenn das Unternehmen über ausgewählte Neuigkeiten berichtet oder Pressemitteilungen zugänglich macht. Kritisch sieht der Münsteraner Rechtsexperte auch gefälschte Aufrufe. Die können darin bestehen, dass ein Unternehmen die eigenen Mitarbeiter damit beauftragt, unter Pseudonym für den eigenen Facebook-Auftritt zu werben. Fliegt eine derart verschleierte Werbung auf, führt dies "sofort zu wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsansprüchen", warnt Hoeren.

Experte rät Facebook zu meiden

Für Thomas Hoeren steht fest: "Unternehmen haben dort nichts zu suchen, denn ihre Geschäftsinteressen beißen sich regelmäßig mit den Besonderheiten des Web2.0 und den dort gängigen interaktiv-privaten Umgangswünschen." Sein Fazit fällt daher hart aus: "Der Rat des Juristen kann nur sein, Facebook zu meiden."

Der Medienrechtler ist zuversichtlich, dass sich die juristischen Risiken mit einigem Aufwand lösen lassen. Hoeren sagte gegenüber der Stuttgarter Zeitung: "Die Frage ist, ob der Ertrag den Aufwand lohnt." So sei es verständlich, dass ein Großkonzern wie Coca-Cola seit Jahren in Social-Media-Diensten aktiv ist. Doch für kleine und mittlere Unternehmen könnte sich das unter Umständen nicht lohnen.

Hoeren: "Neulich habe ich die Facebookseite einer örtlichen Bank besucht: Zwölf Freunde konnte die Bank gewinnen, sieben Beiträge einstellen. Einer kam vom Vorstandsvorsitzenden. Was bringt das?" Nach einschlägigen Veranstaltungen fänden sich immer Leute, die "hinterher zugeben, dass Facebook eben gerade angesagt ist und dass man deshalb mitmacht". Hoeren: "Mich erinnert das an die BMW-Dependance bei Second Life vor einigen Jahren, von der heute keiner mehr spricht."

Sicherheitslücken bei Facebook

Kritik an Facebook wird auch aus der IT-Sicherheitsszene lauter. So verbreiten sich zunehmend sogenannte Facebook-Scams. Dabei handelt es sich um gefälschte Nachrichten, die sich über die Freundesnetzwerke ausbreiten. Dazu gehörte die Nachricht von der angeblichen Einführung eines Dislike-Buttons oder Links, in denen Nutzer aufgefordert werden, einen schädlichen Javascript-Code in die Adresszeile ihres Browsers zu kopieren, um angeblich ihren Namen aus den Tags von Youtube-Videos zu löschen. Das vom IT-Sicherheitsunternehmen Sophos betriebene Blog "Naked Security" stellte für den 16. Mai gleich drei solcher Facebook-Scams fest.

Sicherheitsexperten kritisieren, dass nur der Anbieter Facebook allein weiß, wie viele seiner Nutzer auf die Scams hereinfallen, dass er die Zahlen aber nicht veröffentlicht. Jeder Klick der Nutzer bringt Facebook nämlich Geld. Gleichwohl hat das Unternehmen bereits einige Sicherheitsmechanismen eingeführt, die die Ausbreitung von Scams erschweren sollen.

Zu weiteren Risiken gehören jedoch auch Ausspähversuche: Hacker versuchen Informationen über Nutzer zu erfahren, die beim Eindringen in Unternehmensnetzwerke behilflich sein könnten. Dazu könnten beispielsweise der Name des Haustiers und das eigene Geburtsdatum gehören, da viele Nutzer aus solchen Daten ihre Passwörter generieren. Dagegen hilft kein Mechanismus, sondern nur der gesunde Menschenverstand.