Interview „Daimler-Konzert war ein Abenteuer“

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Horst Zecha und Markus Nau haben die Sindelfinger Biennale organisiert. Gleich die Eröffnung war sehr aufregend, weil zu Beginn des Konzerts noch ein Musiker fehlte. Mit Gelassenheit und Vertrauen in alle Mitwirkenden haben die beiden das Festival aber gemeistert.

Entspannt zurücklehnen können sich Markus Nau (links) und Horst Zecha nur für kurze Zeit. Sie planen bereits die nächste Biennale in zwei Jahren. Foto: factum/ 8 Bilder
Entspannt zurücklehnen können sich Markus Nau (links) und Horst Zecha nur für kurze Zeit. Sie planen bereits die nächste Biennale in zwei Jahren. Foto: factum/

Sindelfingen - Vier Wochen lang hat die dritte Sindelfinger Biennale die Stadt geprägt. Eine Premiere jagte die andere. Fast täglich stand ein anderes Kulturevent auf dem Programm. 11 000 Zuschauer wurden gezählt. Nun sind die meisten Akteure in den wohlverdienten Urlaub gefahren. Horst Zecha und Markus Nau, die beiden Hauptverantwortlichen, aber planen bereits die nächste Biennale in zwei Jahren. Im Interview blicken sie noch mal zurück.

Herr Zecha, Herr Nau, was waren denn für Sie ganz persönlich die Höhepunkte der Biennale?

Nau Meiner war das Open-Air-Konzert auf der Rathaustreppe mit der Band Skin of Clazz. Es war einerseits genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: locker, ein tolle Stimmung. Andererseits war ich überwältigt von den vielen Zuhörern, die da quer durch alle Generationen auf der Treppe saßen. Mehr als 300 Leute waren dabei. Und viele Passanten sind stehen geblieben und haben zugehört.

Zecha Für mich war der „Sommernachtstraum“ auf dem Herrenwäldlesberg das Highlight. Wir haben lange davon geträumt, dass Hildegard Plattner das Stück noch einmal dort oben im Wald inszeniert. Jetzt ist es wahr geworden. Was ich auch sehr schön fand, war die Einbeziehung historischer und künstlerischer Ausstellungen in die Biennale.

Und wie groß war die Enttäuschung, dass ausgerechnet die Abschlussveranstaltung – das Bürgerpicknick – wegen Regens abgesagt werden musste?

Zecha Ich sehe das ganz nüchtern. Wir hatten nicht nur bei dieser Biennale, sondern auch in den Jahren davor immer viel Glück mit dem Wetter. Dass es auch einmal passieren kann, dass eine Veranstaltung ausfallen muss – das ist rein statistisch gesehen etwas, womit wir rechnen müssen. Und wir hatten ja sonst die ganze Zeit über gutes Wetter. Selbst das Theater auf dem Herrenwäldlesberg konnte bis auf ein einziges Mal immer gespielt werden.

Nau Das ausgefallene Bürgerpicknick war trotz der Enttäuschung eine positive Erfahrung. Wir haben uns wegen der unsicheren Wetterlage an diesem Tag dreimal zum Aufbauen im Sommerhofenpark getroffen, jedes Mal waren etwa 25 ehrenamtliche Helfer da. Beim zweiten Mal haben wir dann entschieden aufzubauen, um ein paar Stunden später dann doch alles abzusagen. Trotzdem waren alle gut gelaunt, auch beim Abbau am nächsten Tag.

Das große Engagement vieler Helfer – das scheint eines der Erfolgsgeheimnisse der Biennale zu sein.

Zecha Das ist das, was die Biennale ausmacht. Sie lebt von den Akteuren der lokalen Kulturszene und den besonderen Orten, an denen gespielt wird. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man Veranstaltungen mit externen Stars einkauft. Die Leute sind hier verankert, man kennt sich. Das Ganze funktioniert übrigens auch so gut, weil uns die Verwaltung und der Gemeinderat freie Hand lassen, uns vertrauen, dass wir das hinbekommen.

Nau Es ist auch toll, wie viele Leute mithelfen. Zum Beispiel die Jungs von der Kinderfilmakademie, die um 2 Uhr in der Nacht noch Stühle für das Meilensteine-Konzert schleppten.

Noch vor ein paar Jahren war die Zahl der Akteure sehr überschaubar, es mangelte an Nachwuchs. Mittlerweile wächst die Kulturszene. Ist das ein Ergebnis der Biennale?

Zecha Eindeutig ja. Dieses Mal sind auffallend viele junge Leute dazugekommen. Und viele haben mich angerufen und Vorschläge für eine Beteiligung bei der Biennale gemacht. Der Kleinkunstwettbewerb Das goldene Zebra etwa wurde von ganz jungen Leuten organisiert. Nau Die Leute engagieren sich ja nicht nur bei der Biennale. Nach der letzten Biennale vor zwei Jahren entstand unter der Leitung von Ingo Sika die Jugendtheatergruppe, die auch unterm Jahr aktiv ist.

Ein besonderes Erlebnis war das Konzert Meilensteine in der neuen Fabrikhalle von Daimler.

Zecha Das war das bisher größte Biennale-Abenteuer, das mir auch einige schlaflose Nächte bereitet hat. Wir haben ja praktisch schon Tickets verkauft, als es den Spielort noch gar nicht gab. Und ein Konzert in einer solch riesigen Halle und dazu auf einer Baustelle zu organisieren – das ist eigentlich unmöglich.

Nau Dass das geklappt hat, verdanken wir neben der Bürgerstiftung vor allem auch Michael Bauer, dem Standortchef des Sindelfinger Mercedes-Benz-Werks. Der wollte das unbedingt. Und die Daimlerleute, vor allem der Bauleiter, sind uns sehr entgegengekommen. Musikalisch war die Organisation einfach, logistisch eine Riesenherausforderung.

Gleich die Premiere der Meilensteine, die auch die Eröffnung war, war ja ausgesprochen spannend: Der Musiker Siggi Schwarz hatte sich bei der Zeitplanung verkalkuliert und fehlte bis kurz vor seinem Auftritt. Wie fühlt man sich da?

Nau Es war sehr aufregend. Wir haben den Konzertbeginn ein wenig rausgezögert und gewartet. Wir hatten keine Nachricht von Siggi Schwarz. Dann haben wir einen Notfallplan gemacht und angefangen. Beruhigt war ich, als ich sah, dass seine Gitarre reingetragen wurde. Er selbst kam dann zu seinem Einsatz auf die Bühne. Das wirkte wie geplant.

Zecha Man muss sich in solchen Situationen aber auch klarmachen: Es geht ja nicht um Leben oder Tod, sondern um ein Konzert.

Nach der Biennale ist vor der Biennale. Sie planen bereits die nächste.

Zecha Ja, und zwar schon länger. Bei uns heißt es: Vor der Biennale ist vor der Biennale.

Was ist geplant? Gehen Ihnen die Ideen nicht langsam aus?

Zecha Das Thema lautet „Märchenhaftes Sindelfingen“. Bis zum 30. Oktober können Vorschläge eingereicht werden. Es gibt schon einige Idee, aber die verraten wir noch nicht. Nau Bei so viel kreativen Köpfen in der Stadt gehen die Ideen nicht aus. Ich bin sicher: Wir werden in zwei Jahren wieder ganz neue Formate sehen.

Ursprung liegt im Stadtjubiläum